Donnerstag, 27. November 2025

Phlegmone / Einschuss zu Ostern

Ende März (27.03.) kam ich donnerstags zu Raini und sein linkes Hinterbein war ziemlich dick am Röhrbein. Er hat da schon mal ein angelaufenes Bein, seit einem Einschuss vor Jahren und seit seiner Verletzung am Sprunggelenk. Hinten links ist sein Problem Bein, da hat er gerne mal Mauke und verletzt sich hier auch häufiger und das Bein läuft auch immer mal an, vor allem wenn er gerade gelegen hat, oder sich wenig bewegt hat oder wieder Mauke hat. Laut Tierarzt ist das normal, wenn das Pferd schon mal einen Einschuss hatte.

Er hat an dem Bein auch interessanterweise keinen Sporn an der Fessel. Am Tag zuvor hatte ich gerade wieder seine Schuppen mit Purivet behandelt, er hat immer mal wieder leichte Mauke an dem Bein. Er hatte keine offensichtliche Wunde, das Bein ist aber warm und er ist druckempfindlich.

Wir gehen spazieren damit die Lymphe abfließt, normalerweise hilft das. Er geht fleißig im Schritt und ist da nicht lahm. Als wir aber dann ein kleines Stück an der Hand Traben wollen, lahmt er deutlich, Stützbeinlahmheit. Danach läuft er den Berg hoch nur noch auf der Zehe. Wir geben ihm am Stall dann direkt eine Portion Equipalazone. Am nächsten Tag war das Bein noch immer dick und warm und wir sind mit ihm Tierarzt. Der diagnostizierte eine Phlegmone und gab uns 3 weitere Portionen Equipalazone. Wir sollten spazieren gehen, auch wenn es weh tut, er musste sich bewegen. Wir konnten keine Wunde finden, man sah nur die Schuppen am hinteren, unteren Teil des Fesselgelenks, das ich Mittwoch noch mit Purivet behandelt hatte. Herbert sagte uns, dass das sehr schmerzhaft sein kann und auch eine längere Geschichte, trotzdem wollte er zunächst auf Antibiotika verzichten. Wir sollten Montag wieder kommen. Samstag und Sonntag änderte sich nichts er lahmte im Trab, ging klar im Schritt, Bein war dick und nach dem spazieren etwas dünner. 



Montagabend war es dann schlechter, er entlastete das Bein und lahmte die ersten Schritte auch im Schritt. Er lief sich aber ein. Tierarzt spritzte etwas Homöopathisches er bestand darauf, dass wir spazieren gehen und er in der Herde bleibt. Eine Stallkollegin bot uns an das Bein zu Lasern mit ihrem Low Level Laser und das nahmen wir dankend an. Mir fiel es superschwer ihn wieder in die Herde zu stellen. Dienstagmorgen kamen wir nochmal in den Stall und dann lief er noch schlimmer. Außerdem hatte er auch Temperatur von 38,5 °C. Nicht extrem, aber für ihn doch deutlich erhöht. Daher kam er dann zusammen mit Fabi auf das Krankenpaddok mit kleinem Stall. Er bekam nun außerdem Metacam und Antibiotika. Laufen fiel ihm zwar schwer und man sieht auf dem Bild auch schon, dass er sein Gewicht deutlich nach vorne verschoben hat, aber Fabi ärgern und von dem besten Platz an der Raufe zu verscheuchen war durchaus möglich.


 

Der Tierarzt schickte uns trotzdem spazieren, er lief sich aber nicht mehr ein. Das Bein war bis zum Sprunggelenk dick und die Haut war mega gespannt. Auf dem Bild sieht man vielleicht ganz gut wie dick das Bein ist. Das tut einem immer so leid, wenn man ihnen nicht helfen kann. Und man fragt sicher immer, ob es richtig ist was man macht oder man doch besser in die Klinik fährt.  Hinzu kommt dann noch, dass einem jeder darauf anspricht, wie schlimm er läuft, so als ob man das selbst nicht sehen würde. 



Er wurde jetzt jeden Tag gelasert. Bis Donnerstagmorgen tat sich nicht viel, er hatte das dicke Bein jetzt eine Woche. Donnerstagmorgen war das Fieber weg und auf Empfehlung des Tierarztes und auch weil die Psyche beider Pferde unter der Trennung von der Herde litt,  entschieden wir beide wieder in die Herde zu stellen. Sie waren jetzt 48h aus der Herde raus und das reichte schon dass beide darunter litten. So humpelte Raini freudig zurück zu seinen Kumpels und begrüßte jeden mit spanischem Schritt. Als ich ihn abends holte, lief er deutlich besser und an einer Stelle kam Eiter aus dem Bein. Ich hab mich noch nie im Leben so sehr über Eiter gefreut. Wir gingen nochmal zum Tierarzt und er sagt es würde vermutlich noch eine andere Stelle aufgehen und er war sich sicher, dass der Laser geholfen hatte. 



Er wurde weiter täglich gelasert und Metacam und Antibiotika wurden weiter verabreicht. Am Wochenende ging tatsächlich eine weitere Stelle auf und das Bein wurde dünner, die Fessel um die Wunde herum war aber noch immer dick und warm und druckempfindlich.





Dienstag gingen wir nochmal zum Tierarzt und durften dann das Metacam absetzen, Antibiotika war dann auch leer. Er lief im Schritt wieder normal, lahmte aber noch im Trab. Die Wunde war leider am Fesselgelenk und drückte auf die Sehnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das Problem schon fast zwei Wochen. 




Wir gingen noch eine weitere Woche spazieren und er wurde weiter gelasert, jeden zweiten Tag. Die Wunde sah immer besser aus, das Bein war komplett normal. 3 Wochen nach dem Anfang war er lahmfrei. Interessant war, dass sich nun auch ein Sporn an der Fessel bildete, ob das vom Laser ausgelöst wurde?

 


Durch den Einschuss hatte Raini eine Schonhaltung eingenommen: er hatte sein Gewicht von links hinten nach rechts hinten aber auch auf die rechte Schulter vorne verlagert. Schon zwei Tage bevor das Bein dick wurde, kam seine Lende etwas raus. Er lief normal und lies sich nichts anmerken, aber er schien schon da eine Schonhaltung eingenommen zu haben. Nach zwei Wochen sah man es außerdem an den Hufen und sogar auch an seiner Muskulatur an der Stirn. 







Schon krass was das alles am Pferdekörper verursacht. Daher bekam Raini eine Masterson Behandlung bevor wir wieder ins Training einstiegen. Nach der Behandlung stiegen wir dann langsam wieder mit Bodenarbeit ein und es lief deutlich besser als erwartet. Man merkte aber seine Schonhaltung doch: während er normalerweise eher auf die linke Schulter fiel, schien es jetzt die rechte zu sein. Aber alles in allem lief er sehr locker so dass ich auch recht schnell wieder drauf saß. 3 Wochen nach der Masterson Behandlung bekam er noch eine zweite und da stand er wieder sehr gut dar, sogar besser als vor dem Einschuss. Interessant war auch, dass sich seit dem Lasern ein Sporn gebildet hatte, der fehlte ihm seitdem wir ihn hatten. Und sein Bein war den ganzen Sommer und Herbst über vielleicht 1-2 x dick, selbst bei Verletzungen lief es nicht an. Sonst hat er ca. 1x die Woche das eine Bein angelaufen, weil er entweder kurz zuvor darauf gelegen hat, sich wenig bewegt hat, wieder Schuppen am Bein hat etc. Wie schon beschrieben weiter oben, liegt  es laut Tierarzt daran, dass er an dem Bein schon häufiger einen Einschuss hatte und daher der Lymphfluss gestört ist. Ich denke all das hatten wir dem Laser zu verdanken und wie der Zufall es so wollte bekamen wir genau zu dem Zeitpunkt die Chance an einen gebrauchten Laser zu kommen und so haben wir uns auch einen Low Level Laser zugelegt. 

Was der Auslöser ist, weiß man natürlich nicht, ich könnte mir aber vorstellen, dass er an der Maukestelle an dem Fesselgelenk vielleicht einen Mikroriss hatte, wo Keime rein gelangt sind. Und ich habe dann noch mit Purivet behandelt, das Cortison enthält. 

Sonntag, 14. September 2025

Palmitoylethanolamid (PEA)

PEA oder Palmitoylethanolamid ist ein weiteres Zusatzmittel, dass man Pferden mit Beschwerden wie zum Beispiel MIM geben kann. PEA gibt es speziell für den Pferdebedarf wie zum Beispiel von Masterhorse. 

PEA ist ein Fettsäureamid, dass im tierischen und menschlichen Organismus vorkommt, ebenso auch in Pflanzen. Das Molekül wird insbesondere bei Zellschäden gebildet und auch bei diversen Krankheiten hochreguliert. Es weist entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung auf. Des Weiteren werden dem Molekül anti-mikrobielle Eigenschaften, sowie Immun-modulatorische und Neuro-protektive Eigenschaften zugeschrieben. PEA bindet unterschiedliche Rezeptoren, unter anderem auch Cannabinoid Rezeptoren und hat daher die unterschiedlichen Eigenschaften. 



Strukturformel von Palmitoylethanolamid von Edgar181 - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original



Im Humanbereich wird PEA in unterschiedlichsten Studien eingesetzt, insbesondere bei chronisch neuropathischem Schmerz.

Bei Pferden gibt es noch nicht so viele Studien, aber eine, in der 4 lahmende Springpferde mit PEA (oral) behandelt wurden. Die Pferde litten an Hufrollensymptomatik und/oder Gelenksarthrose. Die Pferde sprachen nicht auf eine Behandlung mit Phenylbutazon und/oder Cortison an. Allen Pferden wurde 2.5 g micronisiertes PEA 1x täglich verabreicht. Schon nach 30 Tagen konnte man eine leichte Verbesserung feststellen, nach 90 Tagen eine signifikante Verbesserung und  nach 120 Tagen waren alle 4 Pferde lahmfrei und konnten wieder an Sprintunieren teilnehmen. Natürlich sind 4 Pferde keine statistisch belastbare Datenbasis aber dennoch scheint es erfolgsversprechend.

Für eine gute Bioverfügbarkeit sollte ultramicronisiertes PEA verabreicht werden und am besten auch zusammen mit Öl. Ich gebe Raini 5g in seinem Futter vor der Bewegung zusammen mit etwas Hanföl. Zunächst merkte man eher wenig aber mit der Zeit (3-4 Wochen) wirkte er etwas ausgeglichener, offener und auch etwas lockerer und entspannter. Ein wenig vergleichbar mit der Wirkung von Q10. Da er aber aktuell gut eingestellt ist mit Q10 und Vitamin E und es ihm im Sommer generell besser geht, werde ich im Winter nochmal mit den Mengen spielen um zu schauen, ob man hier einen besseren Effekt feststellen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass PEA bei MIM Pferden helfen kann, insbesondere wenn sie zusätzliche Beschwerden wie Arthrose haben.


Literatur:

P. Clayton et al.: Palmitoylethanolamide: A Natural Compound for Health Management. Int J Mol Sci: Vol. 22 (10; 2021)

V. Di Stefano et al.: Palmitoylethanolamide: A Multifunctional Molecule for Neuroprotection, Chronic Pain, and Immune Modulation. Biomedicines: Vol. 13 (6; 2025).

G.M. Raso et al.: Palmitoylethanolamide in CNS health and disease. Pharmacological Reserach: Vol. 86 (2014).

K. Lang-Illievich et al,: Palmitoylethanolamide in the Treatment of Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis of Double-Blind Randomized Controlled Trials. Nutrients: Vol. 15 (6; 2023).

R. Bortoloetto et al.: Palmitoylethanolamide supplementation for human health: A state-of-the-art systematic review of Randomized Controlled Trials in patient populations. Brain behav Immun health: Vol. 243 (2024).

G.Varrassi et al.: A Decades‑Long Journey of Palmitoylethanolamide (PEA) for Chronic Neuropathic Pain Management: A Comprehensive Narrative Review Pain Ther: Vol. 14 (2025)

E. Gugliandolo et al.: Oral Supplementation with Ultramicronized Palmitoylethanolamide for Joint Disease and Lameness Management in Four Jumping Horses: A Case Report. Animals (Basel): Vol. 10 (9; 2020).

 


Samstag, 5. Juli 2025

Zusätze und Spurenelemente bei MIM

Mangan

Was hat Mangan für eine Funktion bei den MIM Pferden?

Mangan hat mehrere Funktionen in Muskelzellen. Zum einen ist Mangan an der Kollagensynthese beteiligt und Kollagen wird auch für die Struktur und Stabilität der Muskelzellen gebraucht. Um mehr ins Detail zu gehen: Mangan ist ein Kofaktor für die Enzyme Glycosyltransferase und Prolidase im Rahmen der Prolin Synthese und Kollagensynthese. Als Cofaktor ist Mangan essentiell für die Funktion der Enzyme die die Synthesereaktion katalysieren. 

Des Weiteren übernimmt Mangan die Rolle als Kofaktor bei der oxidativen Phosphorylierung und damit der ATP-Gewinnung, was auch eine wichtige Funktion bei der Energiegewinnung innerhalb der Muskelzelle darstellt. 

Mangan ist außerdem auch ein Kofaktor für das Enzym Pyrovat Carboxylase, das ebenfalls im Zuckerstoffwechsel beteiligt ist. Ein defekt hier kann zur Übersäuerung des Muskels durch Lactat führen.  

Die Mangan-Superoxid-Dismutase (SOD) ist ein Enzym das in den Mitochondrien vorliegt und die Zellen vor oxidativen Stress schützt in dem reaktive Radikale neutralisiert werden. Wie der Name schon sagt, ist Mangan ein Teil dieses Enzymkomplex. Es gibt Hinweise dass dieses Enzym bei Myopathien überexpremiert wird, heißt es wird vermehrt hergestellt. 

Mangan ist auch wichtig für die Leberfunktion und zwar ist es auch wichtig für die Aktivität der  Arginase, die eine Ausleitung von Stickstoff über den Harnstoff gewährleistet. Die Aktivität des Enzyms sinkt bei Manganmangel und dann ist die Stickstoff Ausleitung über die Leber nicht mehr gewährleistet. Das kann zu Ekzemen führen, Allergien aber auch Asthma. 

Hinzu kommt, dass Mangan und Calcium sich in Ihrer Aufnahme und Funktion beeinträchtigen können, dass heißt, wenn viel Mangan vorhanden ist, wird die Aufnahme von Calcium und dessen Wirkung behindert, was bei pX Pferden helfen kann. 

Wir haben Rain man lange das Mono Mangan von Masterhorse gefüttert. Da Fabi das aber nicht so gerne fressen wollte und man ja schon größere Mengen von ca. 40-60 g füttern muss, füttern wir jetzt das höher konzentrierte Mangan vom Wildhorse Hufshop. Das ist nicht als Futtermittel deklariert, ich habe mir aber mal das Analysenzertifikat angeschaut und das ist hoch rein. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dieses zu füttern. 

Magnesium

Mangan hatte ich schon als Calcium Antagonist beschrieben, aber der eigentliche Antagonist von Calcium ist Magnesium. Liegt Calcium in dem Muskelzellplasma in einer erhöhten Konzentration vor, so führt dies zu einer Bindung von Calcium an das Protein Troponin, was sich auf den Aktinfilamenten befinden. Dies wiederum bewirkt eine Interaktion zwischen Aktin und Myosin was die Muskelkontraktion bewirkt. Magnesium verhindert den Calciumstrom in das Muskelplasma und verhindert somit die Kontraktion der Muskeln und fördert damit die Muskelentspannung. Magnesiummangel ist daher auch bekannt dafür Muskelkrämpfe zu verursachen. 

Magnesium spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Funktion von Nerven. Magnesium ist an Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt. Auch hier Reguliert Magnesium den Calcium Fluss. Auch eine Überreizung der Nerven durch Calcium wird dadurch verhindert. 

Außerdem ist Magnesium an der Synthese und Funktion von Neurotransmittern beteiligt, die unter anderem für die Regulation von Schlaf, der Stimmung und auch der Wahrnehmung von Schmerz nötig sind. 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Magnesium wichtig ist für eine Korrektes Geleichgewischt zwischen Muskelanspannung und Entspannung sowie einer Korrekten Reizweiterleitung von Nerven und daher ist es auch so wichtig bei pX MIM Pferden. 

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass das Magnesium Salz bei der Supplementierung wichtig ist. Es gibt organische Salze, zum Beispiel das Magnesiummalat, Magnesiumcitrat oder Magnesiumfumarat oder anorganisches Magnesium wie Magnesiumoxid. Die Salze unterscheiden sich nicht nur in der Bioverfügbarkeit, generell sind die organischen schneller verfügbar, sondern auch die Funktion. Während man zum Beispiel Magnesiummalat für die Muskelentspannung einsetzt, wird das Magnesiumoxid eher für die Nerven verwendet. Rain man bekommt Magnesiummalat vor der Arbeit und etwas Magnesiumoxid nach der Arbeit.

Vitamin B Komplex

Es gibt 8 verschiedene Vitamin B: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 & B12. Die verschiedenen B-Vitamine übernehmen unterschiedliche Funktionen im Körper, meist fungieren sie als Kofaktoren für Enzymreaktionen oder als Vorstufen dieser Kofaktoren. B1, B2, B3, B5, B6 und B7 sind an der Energiegewinnung der Zelle beteiligt und damit natürlich auch für die Muskelfunktion sehr wichtig. Sie fungieren als Kofaktoren bzw. als Vorstufen von Kofaktoren für Enzyme die Reaktionen im Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel katalysieren. Vitamin B9 und B12 sind an der DNA Synthese beteiligt und sind somit wichtig für Zellteilung und Zellwachstum und sie sind auch an der Blutbildung beteiligt. B1, B6, B9 und B12 spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Bildung von Neurotransmittern und sind daher wie auch Magnesium sehr wichtig für die Nerven. B-Vitamine spielen auch eine Rolle im Katabolismus und zwar bei der Proteinsynthese und sind daher auch wichtig für die Reparatur von Strukturen und damit auch für die Regeneration bzw. Bildung der Muskulatur. Rain man bekommt den Vitamin B Komplex von Masterhorse. 


Literatur:

·       M. De Marco et al.: Molecular structure and enzymatic mechanism of the human collagen hydroxylysine galactosyltransferase GLT25D1/COLGALT1. Nat Commun: Vol. 16 (2025).

·       I. Myiara et al.: In-vitro responses to ascorbate and manganese in fibroblasts from a patient with prolidase deficiency and iminodipeptiduria: cell growth, prolidase activity and collagen metabolism. J Inherit Metab Dis: Vol. 6 (1; 1983)

·       O. Lindberg & L. Ernster: Manganese, a co-factor of oxidative phosphorylation. Nature: Vol. 73 (4413; 1954)

·       Y.Tsurata et al.: Increased expression of manganese superoxide dismutase is associated with that of nitrotyrosine in myopathies with rimmed vacuoles. Acta Neuropathol: 103 (1; 2000)

·       A.A. Brock et al.: Dietary manganese deficiency decreases rat hepatic arginase activity. J Nutr: Vol. 124 (3; 1994)

·       Kocyigit et al.: Relationship among manganese, arginase, and nitric oxide in childhood asthma. Biol Trace Elem Res:  Vol. 102 (1-3; 2004)

·       A.E. Kirkland et al.: The Role of Magnesium in Neurological Disorders. Nutrients: Vol. 10 (8; 2016)

·       F.H Nielsen: Relation between Magnesium Deficiency and Sleep Disorders and Associated Pathological Changes. Modulation of Sleep by Obesity, Diabetes, Age and diet: (Book; Chapter 31).

·       D.O.Kennedy: B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy—A Review. Nutrients: Vol. 8 (2; 2016).

·       M. Fenech: B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy—A Review. Mutationsforschung/Grundlegende und molekulare Mechanismen der Mutagenese: Vol. 733 (1-2; 2012).

·       M.J. Koury & P. Ponka: New insights into erythropoiesis: the roles of folate, vitamin B12, and iron. Annu Rev Nutr: Vol. 24 (2004)

·       C.A. CalderónOspina & M.O. Nava-Mesa: B Vitamins in the nervous system: Current knowledge of the biochemical modes of action and synergies of thiamine, pyridoxine, and cobalamin. CNS Neurosci Ther: Vol. 26 (1; 2019).

·       M. Hanna et al.: B Vitamins: Functions and Uses in Medicine. Perm J: Vol. 26 (2; 2022)




Mittwoch, 18. Juni 2025

IMMK Literatur

 Hier mal eine Liste von IMMK Literatur, leider ist nicht alles öffentlich zugänglich:


  • O. Kershaw et al.: Detection of equine herpesvirus type 2 (EHV-2) in horses with keratoconjunctivitis. Virus Res. Vol. 80 (1-2; 2001).

  • K. Borchers et al.: Prevalence of equine herpesvirus type 2 (EHV-2) DNA in ocular swabs and its cell tropism in equine conjunctiva. Vet Microbiol. Vol. 118 (3-4; 2006).

  • A. Metthews & B.C. Gilger: Equine immune-mediated keratopathies. Vet Ophthalmol. Vol. 12 (1; 2009).

  • J. Toth et al.: Clinical experience and long-term outcome after subscleral insertion of a cyclosporine A drug delivery device in horses with immune-mediated keratitis. Pferdeheilkunde. Vol. 27 (6; 2011).

  • D.O. Pate at al.: Immunohistochemical and immunopathologic characterization of superficial stromal immune-mediated keratitis in horses. Am J Vet Res. Vol. 73 (7; 2012).

  • J.O. Rushton et al.: Detection of equid herpesviruses 2 and 5 in a herd of 266 Lipizzaners in association with ocular findings. Vet Microbiol. Vol. 164 (1-2; 2013).

  • F. Sonderegger at al.: Die Prävalenz von EHV-2 und EHV-5 bei Pferden mit Keratokonjunktivitis und augengesunden Pferden in der Schweiz. Pferdeheilkunde. Vol. 29 (4; 2013).

  • M. Padjasek et al.: PLDLA/TPU Matrix Enriched with Cyclosporine A as a Therapeutic Platform for Immune-Mediated Keratitis (IMMK) in Horses. Int J Mol Sci. Vol. 24 (26 2023).

  • K.E. Knickelbein & M.E. Lassaline: Approach to Immune-mediated Ocular Diseases. Vet Clin North Am Equine Pract. Vol. 40 (2; 2024).

  • F. Narinx et al.: Subconjunctival autologous muscle-derived mesenchymal stem cell therapy: A novel, minimally invasive approach for treating equine immune-mediated keratitis. Vet Ophthalmol. Vol. 27 (5; 2024).

  • J.F. Preston et al.: Clinical features and outcomes of horses presenting with presumed equine immune mediated keratitis to two veterinary hospitals in the United Kingdom and Finland: 94 cases (2009-2021). Equine Vet J. Vol. 57 (3; 2025)


Dienstag, 17. Juni 2025

Möglichkeiten einer Behandlung der IMMK

Wie ich hier schon geschrieben habe, ist die Lokalisation der T-Zellen bzw. Trübung. Wichtig ist aber auch, dass ausgeschlossen ist, dass die Hornhautentzündung einen mikrobielle Ursache hat. Eine bakterielle oder mykotische Entzündung würde man anders behandeln und eine Behandlung mit Immunsuppressiva wäre kontraindiziert. 

Den Aufbau des Auges habe ich hier beschrieben. Je weiter außen die Entzündung in der Hornhaut lokalisiert ist, desto einfacher ist eine topische Behandlung mit Cremes. Hier werden meist Immunsuppressiva eingesetzt. Wird eine Behandlung mit Cortison durchgeführt, muss eine Verletzung der Hornhaut ausgeschlossen sein. Des Weiteren wird sehr häufig Cyclosporin eingesetzt, was ebenfalls Immunreaktionen herunter reguliert. Bei der topischen Anwendung am Auge ist wichtig, dass die Wirkstoffkonzentration hoch ist am Wirkort und daher sollte man die Creme häfiger applizieren. Uns wurde gesagt mindestens 3x am Tag und das sollte mindestens so 3-4 Stunden auseinander liegen. 

Cyclosporin kann auch mittels Transplantat im Auge autonom verabreicht werden, das soll gerade bei der tieferliegenden mid-stromalen IMMK auch erfolgreicher sein als die Creme. Das Implantat besteht aus einer Silikonmatrix in der 10% Cyclosporin A Wirkstoff als Pellet eingebracht ist. 

Des Weiteren ist mit der Keratektomie eine operative Entfernung des entzündlichen Hornhautgewebes möglich. Dies wird häufig bei einer wiederkehrenden IMMK durchgeführt, vor allem wenn die Cremes nicht (mehr) wirken. Die OP ist im Stand möglich.

Eine weitere operative Möglichkeit zur Behandlung insbesondere von den tiefergelegenen Entzündungen: Die Photo Dynamische Therapie (PDT). Die PDT ist weniger invasiv und bedarf deutlich weniger Nachbehandlung als die Keratektomie. Sie kann auch im Stand durchgeführt werden. Bei Fabi wurde es bei uns am Stall durchgeführt. Hier wird ein Photosensibilisator intrastromal injiziert. Bei dem Sensibilisator handelt es sich um Infracyaningrün. Der Farbstoff wird dann mit Laserlicht aktiviert. Die T-Zellen werden zerstört und dann nach und nach abgebaut so dass die Trübung so verschwindet. 

Ein sehr neuer Ansatz, der dann in Frage kommt, wenn nichts anderes erfolgreich ist, ist die Stammzelltherapie. Hier werden autologe mesenchymale Stammzellen eingesetzt, autolog heißt das Pferd bekommt seine eigene Zellen. Es gibt mehrere Injektionen (2-5) in 3-4 Wochen abstand.

Es gibt leider in der Literatur keine so große Datenlage für all dies Behandlungen und auch keine Information zu den Rezidivraten. Allerdings gibt es nun mal so viele unterschiedliche Varianten der IMMK und potentielle Ursachen, so dass man auch eine sehr hohe Anzahl an Patienten brauchen würde, um eine gute Datenbasis für eine sichere Aussage zu haben. 



Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

Montag, 16. Juni 2025

IMMK bei Fabi - Diagnose

IMMK bei Fabi, wie wurde sie diagnostiziert? Da muss ich etwas weiter ausholen. Nach etwas mehr als  Monaten nach dem Kauf hatte Fabi etwas Schleim in beiden Augen und die Augen tränten auch und waren leicht gerötet. Es war aber nicht dick oder so und sie kneifte auch nicht häufig. Es wirkte nicht schmerzhaft. Der Zeitpunkt ist wichtig, weil zum einen har unsere OP Versicherung eine 3-monatige Sperrfrist, heißt alles was in den ersten drei Monaten diagnostiziert wird, wird von OPs ausgeschlossen. Bei Fabi waren diese 3 Monate gerade  Tage rum. Da wir etwa eine Woche später in den Urlaub fliegen wollten, dachten wir, dass wir sofort einen Tierarzt aufs Auge schauen lassen. Unser Tierarzt war zu dem Zeitpunkt im Urlaub und zu dem Zeitpunkt hatte jemand gerade eine uns fremde Tierärztin vor Ort. Daher baten wir sie einmal auf die Augen zu schauen. Sie diagnostizierte eine beidseitige Keratitis punctata. Mit Fluoreszin angefärbt sah man viele kleine Punkte auf der Hornhaut. Die Tierärztin war etwas erstaunt dass es bei Fabi nicht schmerzhaft erschien weil sie der Meinung war dass eine solche Hornhautentzündung meistens sehr schmerzhaft wäre. Dann sagte sie aber, dass sie deswegen empfehlen würde einen Abstrich und Herpes Test machen zu lassen. Sie sagte das klingt vielleicht komisch aber es gibt eine Keratitis die vom EHV 2/5 verursacht wird und dass es da sehr wichtig wäre das in dem Fall mit Aciclovir zu behandeln, weil es sonst chronisch werden kann. Wir stimmten zu. Und am Folgetag bekamen wir dann den Anruf mit der Bestätigung dass Herpes nachgewiesen wurde in dem Abstrich und wir Aciclovir verabreichen sollten. Wir cremten 3-4x am Tag und dachten darüber nach den Urlaub abzusagen. Einen Tag vor dem Abflug riefen wir die Vertretung unseres Haustierarzt, weil wir den Verlauf wissen wollten, um zu entscheiden ob wir fliegen oder nicht. Die machte ebenfalls eine Anfärbung und man sah nix. Symptome wie die Rötung und der Tränenfluss war auch schon wieder weg. Diese Tierärztin sagte es wäre schon ungewöhnlich dass jemand einfach so auf Herpes testen lässt aber das Aciclovir schien ja sehr gut angeschlagen zu haben. Eigentlich sagte sie aber, dass so einen Keratitis punctata oft nur schwer behandeln lässt und eher langwierig ist. Wir sollten jedenfalls das Aciclovir absetzen und weiter etwas pflegendes (Vitamin A Creme) verabreichen 1x am Tag. Daher haben wir dann entschieden in den Urlaub zu fahren, das Verabreichen der Augensalbe 1x am Tag hat unsere Vertretung übernommen. Nach unserem Urlaub, etwa 1 Woche später, sind wir dann nochmal zu unserem Haustierarzt gegangen, der dann auch nichts mehr feststellen konnte. Auch er wunderte sich über die Herpes Diagnose.

Das Ganze war dann erst einmal vergessen bei uns, bis irgendwann im Dezember. Wann genau die Trübung auftrat, können wir rückblickend gar nicht sagen. Es war zu dem Zeitpunkt alles komplett nass und regnete wochenlang. Es war auch sehr dunkel und bei uns am Stall waren auch noch die Lichter defekt und dadurch auch sehr dunkel. Dann hatte Fabi auch noch eine Kolik und ist daher für ein paar Tage ausgefallen und wurde daher dann auch nicht richtig gearbeitet in der Halle zum Beispiel wo es etwas heller ist. Daher ist es durchaus möglich dass die Trübung schleichend auftrat und wir es einfach nicht sofort gesehen haben. Aber auf einmal haben wir eine sehr große Trübung des linken Auge entdeckt. Es war über 50%. Sonst war aber nichts, keine Rötung, kein Tränen, kein Schleim und sie schien auch normal zu sehen. Unser Tierarzt schaute sich das an und stellte ebenfalls fest, dass es das Pferd überhaupt nicht beeinträchtigt hat und er empfahl uns das einfach zu ignorieren. Aber wie das so ist, man kann das nicht ignorieren. Und wenn man sich dann auch noch über solche Trübung im Internet informiert liest man dass das auch eine ERU sein kann, die unbehandelt zum Gelüst des Auges führen kann. Aber ich las auch über die IMMK, die schon mal im Anschluss einer Herpes Keratitis entstehen kann. Als Fabi eine erneute Kolik hatte und wir die Vertretung unseres Tierarzt da hatten für die Kolik, fragten wir sie nochmal nach dem Auge. Die empfahl uns für so einen Fall einen Augenspezialisten. Dann kam Weihnachten dazwischen und dann dauerte es auch noch etwas, bis der Augenarzt zu uns an den Hof kam. 

Der Augenarzt machte eine wirklich aufwendige Untersuchung mit Anfärbungen und auch dem Messen vom Augeninnendruck und so weiter. Er sagte uns damals, dass das eine Hornhautentzündung sei und wir herausfinden müssen ob das infektiös ist und entweder bakteriell oder mykotisch sei oder ob es immun-vermittelt ist. Letzteres war seine Vermutung weil sie keinerlei Beeinträchtigung hatte. Er nahm einen Abstrich. Außerdem bekamen wir tropfen und Cremes für eine erste Behandlung. Eine Woche später wollte er nochmal kommen und dann alles weitere entscheiden. Nach einer Woche kam er wieder und sagte dass kein bakterieller Keim gefunden wurde und auch kein Pilz. Er sagte dass es trotzdem noch sinnvoll sei, eine Histologie zu machen, um eine richtige Diagnose stellen zu können. Hierfür musste er eine Probe der Hornhaut entnehmen. Das Ganze wird in einer Stand-OP durchgeführt. Das war die erste Augen OP. Das Ganze konnte an unserem Stall durchgeführt werden. Das Pferd wurde sediert, der Kopf aufgehängt und dann bekam sie noch Ohren Stöpsel und dann ging es los. Das Ganze dauerte vielleicht 20 min. Danach bekam Fabi wieder eine Menge Augentropfen und Cremes wie auch Entzündungshemmer und Schmerzmittel. Außerdem bekam sie einen mechanischen Augenschutz. Eine Art Plastikmaske. Dafür durfte sie aber nach 2 h schon wieder zurück in die Herde. 

Fabi nach der Stand-OP mit der Kunststoffmaske zum Schutz der Augen

Nach einer Woche kam der Augenarzt wieder vorbei und hatte den Bericht der Histologie: Die IMMK wurde bestätig. Die Immunzellen, T-Lymphozyten, wurden im Stroma entdeckt, eine mid-stromale IMMK. Er sagte, dass bei der Sorte eine topische Anwendung des Wirkstoffs wie Cyclosporin nicht immer funktioniert. Er lies uns aber von einer Apotheke eine spezielle 5%ige Cyclosporin Creme herstellen und die sollten wir dann mal 1 Woche  mindestens 3x am Tag ins Auge applizieren. Nach einer Woche müsste sich schon eine Besserung zeigen. Ansonsten würde er eine OP empfehlen. 


Ergebnisbericht der Histologie

Mögliche Ursachen für eine IMMK

Ich muss hier vorweg nochmal deutlich machen: Ich bin kein Tierarzt oder Ophthalmologe. Ich kenne mich auf Grund meiner Promotion in Biochemie und meiner Arbeit im Bereich der Immuntherapie ein wenig mit dem Immunsystem sowie Auto-Immunerkrankungen aus. Ich habe einiges an Literatur gelesen und gebe hier das wieder was ich aus all dem weiß. Ich muss hier aber auch sagen, dass es eben auch in der Literatur hauptsächlich Annahmen gibt eine klare Ursache ist jedoch bisher nicht beschrieben. 

Ich hatte hier schon beschrieben, dass das Auge an sich eigentlich ein Immunprivileg hat: Es gibt keine Blut- sowie Lymphgefäße und das Immunsystem wird außerdem noch durch die Anwesenheit von Immunsuppressiva runter geregelt. Bei der IMMK bilden sich dann jedoch Blutgefäße aus und des weiteren werden T-Zellen, also Immunzellen, nachgewiesen. Irgendetwas muss also das Immunprivileg ausschalten. Und dafür ist eine Ursache noch nicht bekannt. Es gibt jedoch einige Theorien. Zum einen gibt es die Theorie dass es vorab eine EHV 2/5 (Herpes) Infektion des Auges gab, die Theorie ist aber umstritten. Herpes kann aber die Keratitis superficialis punctata auslösen und sich in der Hornhaut einlagern. Interessanterweise hatte Fabi ca. 3 Monate vor dem Auftreten der IMMK eine Keratitis superficialis punctata auf beiden Augen und der Virus wurde mit einem Abstrich nachgewiesen. Scheinbar kommt dieser zeitliche Zusammenhang häufiger vor, weshalb es die Theorie gibt, dass der Herpes eine spätere IMMK auslösen könnte.


Aber nicht nur ein Virus, sondern auch ein Bakterium oder ein Pilz oder aber eine Verletzung der Hornhaut können der Grund dafür sein, dass der Körper das Immunprivileg abschaltet, so dass der Erreger vom Immunsystem entfernt werden kann. Das ist aber nur ein Teil, der Erklärt, warum es überhaupt möglich ist, dass Lymphozyten in die Hornhaut gelangen. Aber warum gibt es Auto-Antikörper. Und hier gibt es zwei bekannte Theorien aus dem Autoimmunbereich: Molekulare Mimikry und Epitop Spreading. Zunächst noch eine kurze Erklärung was ein Epitop ist: Ein Epitop ist ein kleiner Bereich eines Antigens, der spezifisch von dem Antikörper erkannt wird. Ein Antikörper erkennt nicht den ganzen Virus oder eine ganze Zelle, sondern eben nur kleine Bereiche und diese eben sehr spezifisch. Bei der Molekularen Mimikry ist das Epitop des Antigens zufällig einer körpereigenen Struktur sehr ähnlich, so dass der Antikörper, der eigentlich dafür gebildet wurde das Epitop des Antigen zu erkennen, dann auch die Körpereigene Struktur erkennt. Das wird zum Beispiel als Ursache für die Herpes Simplex Virus Keratitis beim Menschen diskutiert. Epitop-Ausbreitung wird dann als weiterer Schritt im Anschluss an das Molekulare Mimikri beschrieben. Die Antikörper erkennen zunächst das strukturell ähnliche Körpereigene Peptid, wodurch es zu einer Gewebeschädigung kommt. Dadurch entstehen weitere kleinere Peptide gegen die der Körper dann wiederum Antikörper bildet. Eigentlich ist das Ganze so gedacht, dass dass die T-Zellen weitere Bereiche auf einem Bakterium/Virus erkennt und dagegen wiederum Antikörper bildet, so dass das Bakterium/der Virus effektiver bekämpft werden kann. Hier jedoch erkennt das Immunsystem dann körpereigene Strukturen und bildet dagegen Antikörper, die dann wiederum das Gewebe schädigen, wodurch wieder neue, potentielle körpereigene Antigene entstehen. So wird das Ganze dann chronisch. 

Zusammengenommen wäre eine Hypothese, dass es einen Hornhautdefekt gibt, die eine Vaskulariation auslöst und das Immunprivileg ausschaltet. Virale oder bakterielle Antigene führen zu einer Immunreaktion so dass T-Zellen in die Hornhaut gelangen. Durch Molekulare Mimikry und dann Epitope Spreading werden dann letzten Endes korneale Proteine/Peptide erkannt, was dann die chronische Entzündung der Hornhaut auslöst. 


Es gibt außerdem noch die Theorie dass es genetische Veranlagungen für die IMMK geben kann. Dies liegt daran, dass bestimmte Augenerkrankungen teilweise vermehrt bei Schimmeln oder aber Falben auftreten. Auch Tigerschecken scheinen anfällig dafür zu sein. Mehr Information gibt es hier aber nicht, auch eine statistischen Auswertungen.

Nun noch zum Thema Stress: Man weiß aus dem Humanbereich, dass Stress das Risiko einer Autoimmunerkrankung erhöht, Schübe auslösen kann und Symptome verschlimmern kann. Stress ist aber nicht die alleinige Ursache, kann aber eine Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf spielen. Daher sagt man auch bei Pferden mit IMMK, dass man möglichst Stress vermeiden soll. 


Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

Das Auge

Das Auge ist ein sehr komplexes Organ und ich möchte hier nicht auf die physikalischen Grundlagen des Auges eingehen. Mir sind nur zwei Punkte wichtig: Der Aufbau der Hornhaut, der für die Behandlung einer IMMK relevant ist sowie der physiologische Status der Hornhaut, der relevant ist für die Ursache der IMMK. 

Ich bin kein Künstler, habe aber dennoch mal versucht eine schematische Darstellung des Auges zu zeichnen:

 


Die Hornhaut ist relativ klar, glatt und glänzend, im Zentrum weißt sie eine Dicke von etwa 0,8 mm auf. Es gibt den präkornealen Tränenfilm, der auf der Epithelschicht  liegt. Die Epithelschicht ist eine mehrlagige Zellschicht. Die Bowman Membran, auch Basalmembran, trennt die Epithelschicht vom Stroma ab. Das Stroma ist die breiteste Schicht, die etwa 90% der Hornhaut ausmacht. Darauf folgt die Descementrische Membran, die Stroma von der Endothelschicht trennt. Letztere ist eine einlagige Zellschicht, die verantwortlich ist für die Transparenz des Stromas. 

Die Hornhaut weist normalerweise keine Blut- oder Lymphgefäße auf  und hat das sogenannte "Koreale Immunprivileg" was Immunantworten herunterregelt um die anatomische Struktur und Durchsichtigkeit der Hornhaut zu erhalten. Hierfür sind im Tränenfilm und Kammerwasser auch Immunsuppressive Peptide vorhanden. Bei der IMMK wird dann aber häufiger eine Vaskularisation, d.h. eine Ausbildung von Blutgefäßen, auch Einsprossung genannt, beobachtet, außerdem sind T-Zellen, also Lymphzellen in einer der oben beschriebenen Schichten, vorhanden. Daher geht man davon aus, dass das Immunprivileg hier aus einem nicht eindeutig beschriebenem Grund "abgeschaltet" ist. Hier gehe ich auf in der Literatur beschriebene Ursachen dafür ein. 


Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

 

Was ist IMMK?

Was genau ist eine IMMK? Die Abkürzung steht für Immune-Mediated Keratitis, eine durch das Immunsystem ausgelöste Entzündung der Hornhaut, sie ist somit nicht infektiös. Die IMMK ist meist durch eine Trübung im Auge erkennbar. Manchmal entstehen Einsprossungen, also Blutgefäße die zur Hornhaut verlaufen, manchmal aber auch nicht. Die IMMK ist meist nicht schmerzhaft und es gibt auch häufig wenig Entzündungsanzeichen wie tränende Augen, oder Schwellungen. Auch die Sicht muss nicht immer von der IMMK betroffen sein. In den meisten Fällen tritt die IMMK unilateral auf, also betrifft nur ein Auge, kann aber auch bilateral sein. Häufig sind es wiederkehrende Symptome in Schüben. 



Die genaue Ursache der IMMK ist gar nicht wirklich bekannt und vermutlich sind verschiedene Krankheitsprozesse beteiligt, daher spricht man auch von einem Syndrom. Ausschlaggebend ist eine Reaktion des Immunsystems ohne eine Anwesenheit von infektiösen Antigenen wie Bakterien oder Pilzen oder ähnliches. Es gibt teilweise die Vermutung dass EHV2/5 ein Auslöser sein könnte aber das ist umstritten. Zumindest für die Schübe. Also es gibt eine Reaktion des Immunsystems ohne dass es ein pathogen gibt und oft helfen Immunsuppressiva. Theorien zur Ursache habe ich hier etwas genauer beschrieben. Wichtig für eine IMMK und dessen Behandlung ist die genaue Diagnose. Zum einen muss die IMMK eindeutig von anderen Hornhautentzündungen abzugrenzen, eine infektiöse Keratitis zum Beispiel müsste ganz anders behandelt werden. Am besten kann dies ein Tierarzt mit Erfahrung im Bereich Ophthalmologie. Man kann dies symptomatisch und durch Anfärben diagnostizieren. Eine Eindeutige Diagnose ist aber durch eine Histologie möglich. Hier werden betroffene Zellen entnommen und im Labor auf die tatsächliche Zusammensetzung durch Anfärbung diagnostiziert. Im Falle einer IMMK werden sogenannte T-Zellen, auch T-Lymphozyten genannt, gefunden. T-Zellen sind weiße Blutkörperchen und sind ein Teil der Immunabwehr., die Antigene erkennen, Immunantworten regulieren und auch "erkannte" Zellen töten können. Auch wenn eine IMMK eindeutig diagnostiziert wurde, sollte man unbedingt eine Sekundärinfektion ausschließen. Denn wenn man mit Immunsuppressiva behandelt sollte es ausgeschlossen sein, dass nicht doch Keime im Auge vorliegen. Die IMMK wird in verschiedene Sub-typen eingeteilt, die alle entsprechend der Lokalisation der Immunzellen typisiert werden. Die Diagnose des Typs der IMMK kann bei der Art der Behandlung hilfreich sein. Bei der Histologie ist dies möglich. Dennoch muss auch bedacht werden, dass eine Histologie eine weitere Stand OP bedeutet und sie kann auch Narben in der Hornhaut verursachen die dann wiederum eine Ursache für eine Trübung sein kann. Bei unserer Stute war dies der Fall. 

Die Hornhaut besteht jedenfalls aus mehreren Schichten, wie hier beschrieben. Und je nachdem in welcher Schicht sich die Immunzellen befinden, wird die IMMK in die folgenden Typen eingruppiert: Epitheliale IMMK, die Stromale IMMK, die man noch in die "anterior stromale" form (auch "chronic superficial keratitis" genannt) und tiefere bzw. mid-stromale IMMK (auch "chronic recurrent keratitis" genannt) und endotheliale IMMK bzw. Endotheliitis. Und dann gibt es außerdem noch eine eosinophile Keratitis bei der Eosinophile Zellen nachgewiesen werden. Eosinophile sind auch weiße Blutkörperchen des Immunsystems, die wichtig sind bei der Abwehr von Parasiten aber auch bei allergischen Reaktionen auftreten.

Die Wahl der Behandlung und auch der Erfolg liegt an der Lokalisation der T-Zellen und damit der Klasse der IMMK. Je tiefer die Zellen in der Hornhautschicht liegen, desto weniger Wirksam wird eine Behandlung mit lokal applizierten Wirkstoffen wie Glukokortikosteroide oder anderen Immunsuppressiva wie Cyclosporin. Die Epitheliale IMMK, welche die oberflächlichste Form darstellt, kommt eher selten vor. Man muss hier unbedingt von der Keratitis superficialis punctata abgrenzen, von der angenommen wird, dass sie durch Herpes Viren ausgelöst wird. Am häufigsten tritt die superficial stromal IMMK und dann die mid-stromale IMMK auf. Dann etwas seltener die Endotheliale IMMK. Die chronisch superficial stromale IMMK started meist mit einer kleineren Trübung unter dem oberen Augenlid, die sich von da aus ausdehnt. Die Trübung ist oft weißlich-gelblich. Oft sind Einsprossungen sichtbar. Die mid-stromale IMMK weißt eine mehr zentrale Trübung auf, oft auch direkt größer als die superficiale. Die Trübung erscheint mehr opaque weißlich, erscheint vielleicht auch bläulich weiß. Hier sind oft weniger Einsprossungen zu sehen oder weniger verzweigte Einsprossung. Während die superficiale IMMK relativ gut auf topische Wirkstoffanwendung anspricht, ist es bei der mid-stromalen eher schwierig mit cremes. Eine Endotheliale Keratitis sitzt am "tiefsten" im Auge und ist schwieriger zu behandeln, mit creme ist dies nicht möglich. Bei dieser Form der IMMK ist die Trübung meist diffus und betrifft das ganze Auge. Hier ist es wichtig die Erkrankung gut von der Uvetits (Mondblindheit, ERU) abzugrenzen, bei der eine vergleichbare Trübung entstehen kann. Bei der Endothelialen IMMK ist der Augeninnendruck normal und die Pferde haben normalen Tränenfluss und normalerweise auch keine Schmerzen. Eosinophile Keratitis tritt häufig im Frühling oder Herbst auf, es bilden sich kleinere weiße Plaques, meist unter dem dritten Augenlid. Behandlung mit lokalen Cremes möglich und teilweise hilft eine Unterstützung mit Anti-Histaminika. 

Das sind alles recht viele Infos die einem vielleicht nicht wirklich etwas sagen oder weiter helfen aber es zeigt sich in jedem Fall wie komplex das IMMK Syndrom ist. Wirklich wichtig ist eine klare Abgrenzung zu anderen Erkrankungen die entweder infektiös sind oder aber auch zu Hornhauttumoren. Eine Behandlung mit Immunsuppressiva ist bei einer infektiösen Erkrankung kontra Indikativ und kann im schlimmsten Fall dazu führen dass das Auge entfernt werden muss. Auch sollten Verletzungen der Hornhaut ausgeschlossen werden, weil man hier dann nicht mit Cortison behandeln sollte. Eine gute Diagnose ist hier angebracht, die meiner Erfahrung nach nur ein Tierarzt mit Ophthalmologischer Erfahrung gut kann. Eine richtige Diagnose auch der Art der IMMK ist die Basis für eine erfolgreiche Behandlung.


Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

Freitag, 13. Juni 2025

Fabelhafte - Das Kennenlernen und Probereiten

Nach der nicht bestandenen AKU von Fürsti, die ich hier beschrieben hatte, hatte ich kurz überlegt aufzugeben. Aber wir hatten ja immer den Traum mit zwei Pferden gemeinsam zu reiten. Über unsere Trainerin hatten wir noch zwei Kontakte, die interessante Pferde hatten, aber beide im Raum Oldenburg. Das war mir auch etwas weit, vor allem weil man ja dann mehrfach hin fährt und dann wohlmöglich auch das dann umsonst macht. Die Suchanzeige, die wir bei Kleinanzeigen geschaltet hatten, brachte nix passendes und ich fand auch langsam nichts mehr bei den Verkaufsanzeigen. Eine Freundin aus dem Stall schickte uns dann eine Anzeige von einer Trakehner Stute, Fabelhafte. Die hatte ich bei Ehorse aussortiert, weil sie im Video nicht so gut lief und trotzdem mit 15000-25000 € schon recht hoch lag, dafür dass sie erst ein halbes Jahr unter dem Sattel war. Aber sie stand bei uns ganz in der Nähe und mit 5 erst seit einem halben Jahr unter dem Sattel ist ja auch eigentlich etwas gutes. Außerdem hatte ich inzwischen meine Suche auch auf Springpferde erweitert und auch da hatten wir noch eine Stute bei uns in der Nähe gefunden, Chicka, die ganz gut passte. Ebenfalls 5 und auch erst seit etwa einem halben Jahr unter dem Sattel. Wir wollten es dieses Mal so regeln, dass wir uns beide Pferde nacheinander anschauen am selben Tag um einen besseren Vergleich zu haben. Daniels Trainerin würde mitkommen. 



Chicka war von den Bildern und Videos unser Favorit, weil sie einfach schöner, harmonischer aussah beim Reiten. Fabelhafte wirkte etwas steif. Wir wollten daher erst zu Fabelhaften und dann den Favorit zum Schluss. Als wir auf dem Hof ankamen, stand Fabelhafte schon zum putzen angebunden und dann durften wir sie putzen. Es war schon in der Anzeige geschrieben, dass sie es sehr mag, geputzt zu werden. Und das stimmte, sie genoss das putzen und jedes streicheln und kratzen. Sie kratzte sogar gleich zurück. Das kennt man so gar nicht, Raini hat Jahre gebraucht, bis er uns mal gekratzt hat und mochte zu dem Zeitpunkt noch keine Streicheleinheiten oder putzen und war fremden Menschen gegenüber sehr zurückweisend. Fabelhafte hingegen schien noch keine schlechte Begegnung mit dem Menschen gehabt zu haben, sie war sehr anhänglich. Dann ging es in die Halle und zunächst ritt die Verkäuferin vor. Man sah schon, dass sie Fabelhafte sehr Zügelbetont ritt und ja, da wurde sie eng. Als ich mich dann drauf gesetzt habe, bin ich eher mal mit langem Zügel geritten und da lies sie auch den Hals fallen. Es war also nicht wie bei Raini, man konnte noch etwas daran arbeiten. Sie war schon etwas steifer und hatte noch keine Balance aber auch daran kann man arbeiten. Und wir wollten ja bewusst auch ein Pferd, was nicht so weich und hyperflexibel wie Raini ist, sondern mehr Stabilität hat. Ich habe mich jeder Zeit wohl auf Fabi gefühlt und selbst bei komischen Geräuschen, wo andere Pferde in der Halle sich erschreckt haben, blieb sie ruhig. Daniel ritt sie auch und fühlte sich auch wohl. Fabi stand in einer Stutenherde im Offenstall, hatte aber im Winter auch mit einem Wallach zusammen auf dem Paddock gestanden, beides kein Problem. Sie war außerdem eher schwerfuttrig. Fabelhafte war außerdem eine Premium Verbandsstute vom Trakehner Verband, heißt sie ist eine Stutenleistungsprüfung gegangen und sie hatte auch schon ein Fohlen. Ihre Abstammung war auch gut, sie war von Millenium. Ein Nachteil: Sie hatte Eisen. Sie kannte das Gelände in der Gruppe aber auch alleine. Fabelhafte sollte 17000 kosten, es gab eine AKU mit Röntgen von vor 6 Monaten, wir konnten aber noch eine machen.

Danach ging es zu Chicka. Die durften wir putzen und die war nicht ganz so schmusig und nett. Einmal wirkte es sogar so als ob sie schnappte. Das Pferd wurde aber auch nur von einem Bereiter gearbeitet, der nicht viel Zeit in die Pflege steckt. Beim Satteln fiel auf, dass sie etwas unentspannt war und man sah auch, dass der Sattel nicht gut passte. Er schien vorne zu drücken. Auch hier wurde das Pferd zunächst vorgeritten. Beim leichttraben hob sie teilweise den Kopf. Das versuchte die Reiterin dann mit der Hand zu verhindern. Sie packte aber auch ein Martingal drauf, das wirkte schon komisch. Als ich mich drauf setzte, merkte ich gleich einen Unterschied. Sie war schon viel flexibler und weicher. Eher ungewöhnlich für ein Springpferd. Die Bewegungen wirkten flüssiger. Sie war aber auch echt sehr weich gefesselt. Und da war das Kopfheben und ich hatte das Gefühl das kam vom Sattel, wohlmöglich weil der nicht passte und immer beim leichttraben drückte, wenn man sich setzte. Das Pferd tat mir echt leid. Sie war auch lieb, trotz dass Tauben in der Halle rum flogen. Diese Stute stand, wenn überhaupt, nur alleine und stundenweise auf dem Paddock. Ob sie sich mit anderen Pferden gut verstand, konnte einem keiner sagen. Ausreiten kannte das Pferd auch nicht. Sie sollte 20000 kosten und es gab keine AKU, es konnte aber eine gemacht werden. 

Auf dem Rückweg diskutierten wir über die beiden Pferde. Sie waren beide ganz gut und die Reitlehrerin sagte auch, sie könnten beide etwas sein. Der Preis war bei beiden etwas hoch für das was sie konnten. Auf dem Papier war natürlich Fabelhafte etwas besser, weil sie eine Premiumverbandsstute war mit sehr guter Abstammung und dazu noch "günstiger" als Chicka. Das interessierte uns aber nicht.  Ich persönlich hatte mich schon beim putzen in dieses schmusige Pferd verliebt und damit war sie mein klarer Favorit. Daniel fand Chicka etwas besser, vermutlich weil sie bequemer und leichter zu reiten war. Aber wir hatten schon einen hyperflexibles Pferd und wollten jetzt eben ein etwas "stabileres" und damit auch steiferes. Und sie war ja auch noch nicht lange unter dem Sattel, das würde ja alles besser werden mit der Zeit. Ich persönlich fand es auch nicht so gut, dass dieses Pferd jetzt 6 Monate mit einem unpassenden Sattel geritten wurde und das Pferd schon beim Satteln unentspannt war. 

Nachdem wir eine Nacht drüber geschlafen haben, haben wir uns für Fabelhafte entschieden und haben auch direkt angezahlt. Außerdem haben wir dann auch schon einen Termin für die AKU gemacht. Es gab eine AKU mit Röntgenbildern von den Beinen und Hufen, die wollten wir beurteilen lassen. Dann eine kleine AKU, Rücken röntgen lassen und bei Empfehlung der Tierärztin hätten wir natürlich auch noch weitere Dinge geröntgt. Der AKU Termin war über eine Woche später und das war für mich der größte Stress. Wir konnten aber zwischendurch bei Fabi vorbei fahren und das haben wir auch gemacht.



Dienstag, 10. Juni 2025

Fürsti

 Ich habe schon einiges zu der Suche nach dem zweiten Pferd hier beschrieben. Leider war bis dato nichts passendes dabei. First Kiss (Fürsti) klang aber sehr gut. Schon 9 Jahre, hatte bereits ein Fohlen und lief auf den Videos sehr nett. Ein Nachkommen von Fürst Heinrich. Naja, auf  Papieren kann man ja bekanntlich nicht Reiten, das wissen wir vor allem durch Raini und züchten wollten wir ja jetzt auch nicht. Aber sie schien ganz nett zu laufen, wenn man den Videos trauen konnte. Die Dame am Telefon klang sehr nett und wirkte auch sehr auf das Pferdewohl bedacht, zumindest wollte sie erst ein kennenlernen mit Spazieren und Putzen vor Ort und nur bei wirklichem Interesse einen zweiten Termin mit Reiten. Sie hatte wohl viele "Interessenten" da gehabt, die sich nachher als Reittouristen herausstellten. Irgendwie entwickelte es sich alles etwas langsam und dann wurden Termine wieder abgesagt aber irgendwann haben wir es dann doch zum Putzen und Spazieren hin geschafft. Das Pferd war wirklich nett, eine Sache fiel uns nur auf, und zwar wollte sie einen Huf nicht geben zum auskratzen, da hat sie dann sogar nach Daniel getreten. Die Dame erklärte das müsste man mit ihr üben, bei dem einen Huf funktioniert das manchmal nicht, wenn man das nicht regelmäßig macht. Kam mir komisch vor, aber ich dachte auch das kann man ja trainieren. 



Wir einigten uns darauf, dass wir zu einem weiteren Termin zum Reiten kommen wollten. Auch das zog sich, weil dann das eine Kind im Krankenhaus war und immer wieder irgendwelche komische Dinge. Aber dann war es soweit und wir konnten zum Probereiten. Und es lief wirklich gut. Sie lief bei uns beiden wirklich nett. Wie ein richtiges Dressurpferd. Wir fühlten uns auch beide wohl, sie war jetzt nicht wirklich spritzig. Aber auch dieses Mal wieder Probleme bei dem einen Huf beim Auskratzen. Aber es ging etwas besser als beim letzten Mal. Offensichtlich hatte man geübt. 

Wir wurden uns einig, dass wir eine AKU machen wollten. Es gab eine AKU mit Röntgenbilder von Beinen und Rücken. Beine ohne Befund, Rücken mit Wirbelengstand, aber unproblematisch. Und Raini hatte das ja auch. Sollte also ok sein. Sie wunderte sich, dass wir bei einem Kaufpreis von 9000€ mit schon vorhandener AKU mit Röntgten noch eine machen wollten, hatte aber nichts dagegen. Wir wollten auch nur eine kleine machen und die Bilder beurteilen lassen von dem Tierarzt unseres Vertrauens.

Dann kam der Tag der Tage und der Tierarzt kam. Er untersuchte das Pferd von oben bis unten. Bei der Beugeprobe war sie etwas unentspannt, vor allem an dem Bein wo sie den Huf nicht geben wollte. Er deutetet darauf hin, dass das komisch war. Das Pferd bestand aber die Beugeprobe. Auch alles andere schien kein Problem zu sein. Dann schaute er sich die Röngenbilder an, wies auf den Wirbelengstand hin. Und dann sah er einen "Schatten" beim linken Bein im Fesselgelenk. Komischerweise nicht das Bein bei dem das Pferd den Huf nicht geben wollte. Er wunderte sich, dass es keine weiteren Bilder aus einem anderen Winkel gab, bei dem "Schatten" hätte man definitiv nochmal aus einem anderen Winkel röntgen müssen. Von den anderen Beinen waren auch noch mehr Bilder da, nur von diesem nicht. Er schlug vor, dass wir das jetzt nachholen sollten. Natürlich wollten wir das. Es war nichts zu sehen. Er sagte das kann nicht sein, da muss etwas sein. Und dann schlug er vor das andere Bein zu röntgen. Zum Glück. Denn das war das richtige Bein und auch das, was sie nicht geben wollte. Der Tierarzt hatte die Röntgenbilder falsch beschriftet. Und dann sah man es, im Gelenk war ein Knochensplitter und schon beginnende Arthrose. Das erklärte auch, warum sie den Huf nicht geben wollte, offenbar tat ihr das weh. Warum sie normal lief? Keine Ahnung, das wusste der Tierarzt auch nicht, er sagte aber auch, dass es komisch wäre dass da nie etwas war. Er riet uns deutlich von einem Kauf ab und sagte der Verkäuferin auch, dass sie die Stute mit dem Befund nicht als Reitpferd verkaufen dürfte. Das kann sein, dass das Pferd in Kürze nicht mehr Reitbar wäre. Er wurde ihr gegenüber auch etwas patzig als sie noch sagte, dass sie ja nie Probleme beim Reiten gezeigt hätte und sie sich sehr wundert über diesen Befund. Für uns war es damit klar, wir würden das Pferd nicht kaufen. 

Wir wissen natürlich nicht, ob die Verkäuferin das wusste und das Pferd eventuell Schmerzmittel bekommen hatte, es war natürlich alles etwas komisch. Dass sie den Huf nicht geben wollte. Dass so viele Termine abgesagt wurden und man nur zu komischen Uhrzeiten Zeit hatte. Dass unser Tierarzt komisch reagiert hatte, als wir fragten warum das Pferd normal lief und die Beugeprobe bestanden hatte, den Huf aber nicht geben wollte. Und dass der andere Tierarzt trotz des Schattens "ohne Befund" geschrieben hatte bei der AKU und nicht nochmal aus einem anderen Winkel geröntgt hatte bzw. dass Bilder fehlten. Und dann noch die Bilder mit dem Schatten einem anderen Bein zugeordnet wurden. Alles sehr komisch. Für uns war das Ganze erschreckend, zumal man das ja alles zahlen musste auch das falsch geröntgte Bein, weil der andere Tierarzt die Bilder falsch beschriftet hatte. Aber wir waren froh, dass unser Tierarzt das nicht übersehen hatte und wir nicht ein 9 Jähriges Pferd gekauft haben, was dann in Kürze wegen Arthrose in Rente müsste. Aber wir waren dennoch sehr gefrustet weil es einfach nicht gut lief und wir uns fragten, ob wir so je zu einem weiteren Pferd kommen würden. 

Donnerstag, 29. Mai 2025

Warum Bodenarbeit

Ich hatte hier schon einmal geschrieben warum wir uns für die akademische Bodenarbeit entschieden haben. Hier geht es mehr darum, warum die Bodenarbeit bei uns einen so hohen Stellenwert hat. Wir machen bei unseren Pferden tatsächlich mehr vom Boden aus, als vom Sattel aus. Und wir arbeiten mit anderen Pferden tatsächlich nur vom Boden aus. 




Warum?

Meiner Erfahrung nach hat die Bodenarbeit viele Vorteile: Zum einen lernen Pferde sehr viel durchs Spiegeln. Also gerade junge Pferde haben es bei Übungen, Lektionen und Bewegungsmuster einfacher wenn man es ihnen erst am Boden zeigt. Das hat auch einen Vorteil für uns als Menschen: Wenn das Pferd durch spiegeln lernen soll bekommt man selbst auch ein viel besseres Bewusstsein über die eigene Haltung und Bewegung. Das wird sich auch auf die Bewegung und Haltung im Alltag auswirken.

Wenn dem Pferd Tragkraft und essentielle Muskulatur fehlt, dann sollte man sich nicht noch als Reiter mit zusätzlichem Gewicht auf den Rücken setzen. Bei der Bodenarbeit kann das Pferd ebenso Tragkraft und Muskulatur aufbauen ohne dass ich es mit meinem Gewicht belaste. 

Für das Reiten brauche ich meist zusätzliches Equipment wie zum Beispiel einen Sattel, der potentiell nicht passt. Gerade bei einem jungen Pferd im Aufbau oder bei einem Reha Pferd im Aufbau macht es Sinn erst einmal ohne einen Sattel/Sattelanpassung zu arbeiten. 

Ich selbst als Reiter bin auch erst einmal etwas "störendes" für das Pferd. Gerade junge Pferde oder Pferde denen es noch an Balance fehlt, werden durch den Reiter in ihrer Bewegung "gestört". Pferde werden schneller eine Balance finden ohne dass ein Reiter drauf sitzt.

Viele schwierige Lektionen kann man am Boden gut in einzelne, einfache Teile aufteilen und so lernt ein Pferd auch leichter und schneller.

Ich persönlich finde es leichter Dinge zu sehen als zu fühlen. Also wo genau jetzt welcher Fuß hin fußt, unter dem Schwerpunkt oder daneben etc. Ich bin einfach ein Mensch der besser sieht als fühlt. Das liegt natürlich an jedem selbst. 

Um ein neues Pferd besser kennen zu lernen und auch um dem neuen Partner die Chance zu geben den Menschen besser kennen zu lernen. Ich finde das ist einfacher vom Boden aus weil man da auch schneller reagiert finde ich. Das heißt die "Hilfe" kann schneller und präziser kommen und man kann dadurch auch dosierter und damit fairer sein. Und auch gerade bei "ängstlichen" Reitern und vielleicht auch "ängstlichen" Pferden und Energiereichen Pferden eine gute Alternative fürs Reiten bis man sich besser kennengelernt hat. 

Bodenarbeit ist auch eine tolle Methode um das Pferd aufzuwärmen. Sowohl bei gesunden Pferden sollte man sich nicht drauf setzen, wenn das Pferd noch nicht warm ist. Zum einen ist dann die Rückenmuskulatur die einen trägt noch nicht warm und bereit einen zu tragen und zum anderen belastet man die kalten Gelenke vermehrt. Und bei Pferden die dazu noch erkrankt sind wie Arthrose oder MIM oder etwas ähnliches, sollte man sich erst recht nicht drauf setzen, so lange die noch nicht aufgewärmt sind. Dazu kommt, dass der Mensch sich am besten auch aufwärmt. Mit der Bodenarbeit kann man die Aufwärmphase aber sinnvoll nutzen.

Und dann kommt da noch die psychische Komponente und das war einer der wichtigsten Punkte bei Raini z.B.: Meiner Erfahrung nach, kann man nicht mit einer Methode Dinge wieder aufbauen, die man mit der gleichen Methode kaputt gemacht hat. Raini ist zum Beispiel beim Reiten, aber sicherlich auch beim longieren, sehr eng gearbeitet worden, er hat sich praktisch in den Hals gebissen. Er hatte einen krassen Unterhals, Axthieb, hat sich nur aus der Schulterheraus gezogen und nicht geschoben, wurde mit viel Hand und sehr viel Bein und Sporen und Gerte geritten. Dazu kam dann noch MIM. Trotzdem war er lieb und hat einfach alles über sich ergehen lassen. Das Beispiel für erlernte Hilfslosigkeit. Da kann man einfach nicht gegen an reiten oder drüber hinweg reiten. Das geht einfach nicht. Da half nur noch ein "Reset". Am Boden konnten wir ihm erst einmal beibringen, dass die Gerte eine Zeige Hilfe ist für das Bein und den Zügel und kein Gegenstand zum Schlagen. Wir haben ihm Bewegungsmuster beigebracht ohne viel Manipulation. Weil ein Annehmen am Zügel oder eine treibende Hilfe mit dem Bein bei ihm sofort zum Einrollen und Verwerfen geführt hat, mussten wir wirklich auf jegliche Manipulation/Berührung verzichten. Bei der Bodenarbeit hat er gelernt, dass die Arbeit mit dem Menschen auch "auf Augenhöhe" statt finden kann. Dass auch sein Input gefragt ist und dass er auch "Nein" sagen kann. 

Sicherlich sind Pferde nicht alle gleich und man muss die Methodik für jedes Pferd anpassen. Bei Raini muss ich es auch an die Tagesform anpassen. Manchmal arbeitet es sich besser bei ihm im Rückwärtsführt, manchmal besser in den Longenposition, manchmal besser Linefree und es gibt auch Tage, da funktioniert es im Reiten besser. Und dann gibt es Tage da gehen wir besser Ausreiten oder spazieren. Und dann haben wir auch den einen oder anderen Kandidaten bei dem Funktiniert die Handarbeit besser. Gerade bei Pferden die gerne in den Schultern hängen ist letzteres oft die bessere Trainingsmethode.