Sonntag, 14. September 2025

Palmitoylethanolamid (PEA)

PEA oder Palmitoylethanolamid ist ein weiteres Zusatzmittel, dass man Pferden mit Beschwerden wie zum Beispiel MIM geben kann. PEA gibt es speziell für den Pferdebedarf wie zum Beispiel von Masterhorse. 

PEA ist ein Fettsäureamid, dass im tierischen und menschlichen Organismus vorkommt, ebenso auch in Pflanzen. Das Molekül wird insbesondere bei Zellschäden gebildet und auch bei diversen Krankheiten hochreguliert. Es weist entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung auf. Des Weiteren werden dem Molekül anti-mikrobielle Eigenschaften, sowie Immun-modulatorische und Neuro-protektive Eigenschaften zugeschrieben. PEA bindet unterschiedliche Rezeptoren, unter anderem auch Cannabinoid Rezeptoren und hat daher die unterschiedlichen Eigenschaften. 



Strukturformel von Palmitoylethanolamid von Edgar181 - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original



Im Humanbereich wird PEA in unterschiedlichsten Studien eingesetzt, insbesondere bei chronisch neuropathischem Schmerz.

Bei Pferden gibt es noch nicht so viele Studien, aber eine, in der 4 lahmende Springpferde mit PEA (oral) behandelt wurden. Die Pferde litten an Hufrollensymptomatik und/oder Gelenksarthrose. Die Pferde sprachen nicht auf eine Behandlung mit Phenylbutazon und/oder Cortison an. Allen Pferden wurde 2.5 g micronisiertes PEA 1x täglich verabreicht. Schon nach 30 Tagen konnte man eine leichte Verbesserung feststellen, nach 90 Tagen eine signifikante Verbesserung und  nach 120 Tagen waren alle 4 Pferde lahmfrei und konnten wieder an Sprintunieren teilnehmen. Natürlich sind 4 Pferde keine statistisch belastbare Datenbasis aber dennoch scheint es erfolgsversprechend.

Für eine gute Bioverfügbarkeit sollte ultramicronisiertes PEA verabreicht werden und am besten auch zusammen mit Öl. Ich gebe Raini 5g in seinem Futter vor der Bewegung zusammen mit etwas Hanföl. Zunächst merkte man eher wenig aber mit der Zeit (3-4 Wochen) wirkte er etwas ausgeglichener, offener und auch etwas lockerer und entspannter. Ein wenig vergleichbar mit der Wirkung von Q10. Da er aber aktuell gut eingestellt ist mit Q10 und Vitamin E und es ihm im Sommer generell besser geht, werde ich im Winter nochmal mit den Mengen spielen um zu schauen, ob man hier einen besseren Effekt feststellen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass PEA bei MIM Pferden helfen kann, insbesondere wenn sie zusätzliche Beschwerden wie Arthrose haben.


Literatur:

P. Clayton et al.: Palmitoylethanolamide: A Natural Compound for Health Management. Int J Mol Sci: Vol. 22 (10; 2021)

V. Di Stefano et al.: Palmitoylethanolamide: A Multifunctional Molecule for Neuroprotection, Chronic Pain, and Immune Modulation. Biomedicines: Vol. 13 (6; 2025).

G.M. Raso et al.: Palmitoylethanolamide in CNS health and disease. Pharmacological Reserach: Vol. 86 (2014).

K. Lang-Illievich et al,: Palmitoylethanolamide in the Treatment of Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis of Double-Blind Randomized Controlled Trials. Nutrients: Vol. 15 (6; 2023).

R. Bortoloetto et al.: Palmitoylethanolamide supplementation for human health: A state-of-the-art systematic review of Randomized Controlled Trials in patient populations. Brain behav Immun health: Vol. 243 (2024).

G.Varrassi et al.: A Decades‑Long Journey of Palmitoylethanolamide (PEA) for Chronic Neuropathic Pain Management: A Comprehensive Narrative Review Pain Ther: Vol. 14 (2025)

E. Gugliandolo et al.: Oral Supplementation with Ultramicronized Palmitoylethanolamide for Joint Disease and Lameness Management in Four Jumping Horses: A Case Report. Animals (Basel): Vol. 10 (9; 2020).

 


Samstag, 5. Juli 2025

Zusätze und Spurenelemente bei MIM

Mangan

Was hat Mangan für eine Funktion bei den MIM Pferden?

Mangan hat mehrere Funktionen in Muskelzellen. Zum einen ist Mangan an der Kollagensynthese beteiligt und Kollagen wird auch für die Struktur und Stabilität der Muskelzellen gebraucht. Um mehr ins Detail zu gehen: Mangan ist ein Kofaktor für die Enzyme Glycosyltransferase und Prolidase im Rahmen der Prolin Synthese und Kollagensynthese. Als Cofaktor ist Mangan essentiell für die Funktion der Enzyme die die Synthesereaktion katalysieren. 

Des Weiteren übernimmt Mangan die Rolle als Kofaktor bei der oxidativen Phosphorylierung und damit der ATP-Gewinnung, was auch eine wichtige Funktion bei der Energiegewinnung innerhalb der Muskelzelle darstellt. 

Mangan ist außerdem auch ein Kofaktor für das Enzym Pyrovat Carboxylase, das ebenfalls im Zuckerstoffwechsel beteiligt ist. Ein defekt hier kann zur Übersäuerung des Muskels durch Lactat führen.  

Die Mangan-Superoxid-Dismutase (SOD) ist ein Enzym das in den Mitochondrien vorliegt und die Zellen vor oxidativen Stress schützt in dem reaktive Radikale neutralisiert werden. Wie der Name schon sagt, ist Mangan ein Teil dieses Enzymkomplex. Es gibt Hinweise dass dieses Enzym bei Myopathien überexpremiert wird, heißt es wird vermehrt hergestellt. 

Mangan ist auch wichtig für die Leberfunktion und zwar ist es auch wichtig für die Aktivität der  Arginase, die eine Ausleitung von Stickstoff über den Harnstoff gewährleistet. Die Aktivität des Enzyms sinkt bei Manganmangel und dann ist die Stickstoff Ausleitung über die Leber nicht mehr gewährleistet. Das kann zu Ekzemen führen, Allergien aber auch Asthma. 

Hinzu kommt, dass Mangan und Calcium sich in Ihrer Aufnahme und Funktion beeinträchtigen können, dass heißt, wenn viel Mangan vorhanden ist, wird die Aufnahme von Calcium und dessen Wirkung behindert, was bei pX Pferden helfen kann. 

Wir haben Rain man lange das Mono Mangan von Masterhorse gefüttert. Da Fabi das aber nicht so gerne fressen wollte und man ja schon größere Mengen von ca. 40-60 g füttern muss, füttern wir jetzt das höher konzentrierte Mangan vom Wildhorse Hufshop. Das ist nicht als Futtermittel deklariert, ich habe mir aber mal das Analysenzertifikat angeschaut und das ist hoch rein. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dieses zu füttern. 

Magnesium

Mangan hatte ich schon als Calcium Antagonist beschrieben, aber der eigentliche Antagonist von Calcium ist Magnesium. Liegt Calcium in dem Muskelzellplasma in einer erhöhten Konzentration vor, so führt dies zu einer Bindung von Calcium an das Protein Troponin, was sich auf den Aktinfilamenten befinden. Dies wiederum bewirkt eine Interaktion zwischen Aktin und Myosin was die Muskelkontraktion bewirkt. Magnesium verhindert den Calciumstrom in das Muskelplasma und verhindert somit die Kontraktion der Muskeln und fördert damit die Muskelentspannung. Magnesiummangel ist daher auch bekannt dafür Muskelkrämpfe zu verursachen. 

Magnesium spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Funktion von Nerven. Magnesium ist an Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt. Auch hier Reguliert Magnesium den Calcium Fluss. Auch eine Überreizung der Nerven durch Calcium wird dadurch verhindert. 

Außerdem ist Magnesium an der Synthese und Funktion von Neurotransmittern beteiligt, die unter anderem für die Regulation von Schlaf, der Stimmung und auch der Wahrnehmung von Schmerz nötig sind. 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Magnesium wichtig ist für eine Korrektes Geleichgewischt zwischen Muskelanspannung und Entspannung sowie einer Korrekten Reizweiterleitung von Nerven und daher ist es auch so wichtig bei pX MIM Pferden. 

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass das Magnesium Salz bei der Supplementierung wichtig ist. Es gibt organische Salze, zum Beispiel das Magnesiummalat, Magnesiumcitrat oder Magnesiumfumarat oder anorganisches Magnesium wie Magnesiumoxid. Die Salze unterscheiden sich nicht nur in der Bioverfügbarkeit, generell sind die organischen schneller verfügbar, sondern auch die Funktion. Während man zum Beispiel Magnesiummalat für die Muskelentspannung einsetzt, wird das Magnesiumoxid eher für die Nerven verwendet. Rain man bekommt Magnesiummalat vor der Arbeit und etwas Magnesiumoxid nach der Arbeit.

Vitamin B Komplex

Es gibt 8 verschiedene Vitamin B: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 & B12. Die verschiedenen B-Vitamine übernehmen unterschiedliche Funktionen im Körper, meist fungieren sie als Kofaktoren für Enzymreaktionen oder als Vorstufen dieser Kofaktoren. B1, B2, B3, B5, B6 und B7 sind an der Energiegewinnung der Zelle beteiligt und damit natürlich auch für die Muskelfunktion sehr wichtig. Sie fungieren als Kofaktoren bzw. als Vorstufen von Kofaktoren für Enzyme die Reaktionen im Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel katalysieren. Vitamin B9 und B12 sind an der DNA Synthese beteiligt und sind somit wichtig für Zellteilung und Zellwachstum und sie sind auch an der Blutbildung beteiligt. B1, B6, B9 und B12 spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Bildung von Neurotransmittern und sind daher wie auch Magnesium sehr wichtig für die Nerven. B-Vitamine spielen auch eine Rolle im Katabolismus und zwar bei der Proteinsynthese und sind daher auch wichtig für die Reparatur von Strukturen und damit auch für die Regeneration bzw. Bildung der Muskulatur. Rain man bekommt den Vitamin B Komplex von Masterhorse. 


Literatur:

·       M. De Marco et al.: Molecular structure and enzymatic mechanism of the human collagen hydroxylysine galactosyltransferase GLT25D1/COLGALT1. Nat Commun: Vol. 16 (2025).

·       I. Myiara et al.: In-vitro responses to ascorbate and manganese in fibroblasts from a patient with prolidase deficiency and iminodipeptiduria: cell growth, prolidase activity and collagen metabolism. J Inherit Metab Dis: Vol. 6 (1; 1983)

·       O. Lindberg & L. Ernster: Manganese, a co-factor of oxidative phosphorylation. Nature: Vol. 73 (4413; 1954)

·       Y.Tsurata et al.: Increased expression of manganese superoxide dismutase is associated with that of nitrotyrosine in myopathies with rimmed vacuoles. Acta Neuropathol: 103 (1; 2000)

·       A.A. Brock et al.: Dietary manganese deficiency decreases rat hepatic arginase activity. J Nutr: Vol. 124 (3; 1994)

·       Kocyigit et al.: Relationship among manganese, arginase, and nitric oxide in childhood asthma. Biol Trace Elem Res:  Vol. 102 (1-3; 2004)

·       A.E. Kirkland et al.: The Role of Magnesium in Neurological Disorders. Nutrients: Vol. 10 (8; 2016)

·       F.H Nielsen: Relation between Magnesium Deficiency and Sleep Disorders and Associated Pathological Changes. Modulation of Sleep by Obesity, Diabetes, Age and diet: (Book; Chapter 31).

·       D.O.Kennedy: B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy—A Review. Nutrients: Vol. 8 (2; 2016).

·       M. Fenech: B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy—A Review. Mutationsforschung/Grundlegende und molekulare Mechanismen der Mutagenese: Vol. 733 (1-2; 2012).

·       M.J. Koury & P. Ponka: New insights into erythropoiesis: the roles of folate, vitamin B12, and iron. Annu Rev Nutr: Vol. 24 (2004)

·       C.A. CalderónOspina & M.O. Nava-Mesa: B Vitamins in the nervous system: Current knowledge of the biochemical modes of action and synergies of thiamine, pyridoxine, and cobalamin. CNS Neurosci Ther: Vol. 26 (1; 2019).

·       M. Hanna et al.: B Vitamins: Functions and Uses in Medicine. Perm J: Vol. 26 (2; 2022)




Mittwoch, 18. Juni 2025

IMMK Literatur

 Hier mal eine Liste von IMMK Literatur, leider ist nicht alles öffentlich zugänglich:


  • O. Kershaw et al.: Detection of equine herpesvirus type 2 (EHV-2) in horses with keratoconjunctivitis. Virus Res. Vol. 80 (1-2; 2001).

  • K. Borchers et al.: Prevalence of equine herpesvirus type 2 (EHV-2) DNA in ocular swabs and its cell tropism in equine conjunctiva. Vet Microbiol. Vol. 118 (3-4; 2006).

  • A. Metthews & B.C. Gilger: Equine immune-mediated keratopathies. Vet Ophthalmol. Vol. 12 (1; 2009).

  • J. Toth et al.: Clinical experience and long-term outcome after subscleral insertion of a cyclosporine A drug delivery device in horses with immune-mediated keratitis. Pferdeheilkunde. Vol. 27 (6; 2011).

  • D.O. Pate at al.: Immunohistochemical and immunopathologic characterization of superficial stromal immune-mediated keratitis in horses. Am J Vet Res. Vol. 73 (7; 2012).

  • J.O. Rushton et al.: Detection of equid herpesviruses 2 and 5 in a herd of 266 Lipizzaners in association with ocular findings. Vet Microbiol. Vol. 164 (1-2; 2013).

  • F. Sonderegger at al.: Die Prävalenz von EHV-2 und EHV-5 bei Pferden mit Keratokonjunktivitis und augengesunden Pferden in der Schweiz. Pferdeheilkunde. Vol. 29 (4; 2013).

  • M. Padjasek et al.: PLDLA/TPU Matrix Enriched with Cyclosporine A as a Therapeutic Platform for Immune-Mediated Keratitis (IMMK) in Horses. Int J Mol Sci. Vol. 24 (26 2023).

  • K.E. Knickelbein & M.E. Lassaline: Approach to Immune-mediated Ocular Diseases. Vet Clin North Am Equine Pract. Vol. 40 (2; 2024).

  • F. Narinx et al.: Subconjunctival autologous muscle-derived mesenchymal stem cell therapy: A novel, minimally invasive approach for treating equine immune-mediated keratitis. Vet Ophthalmol. Vol. 27 (5; 2024).

  • J.F. Preston et al.: Clinical features and outcomes of horses presenting with presumed equine immune mediated keratitis to two veterinary hospitals in the United Kingdom and Finland: 94 cases (2009-2021). Equine Vet J. Vol. 57 (3; 2025)


Dienstag, 17. Juni 2025

Möglichkeiten einer Behandlung der IMMK

Wie ich hier schon geschrieben habe, ist die Lokalisation der T-Zellen bzw. Trübung. Wichtig ist aber auch, dass ausgeschlossen ist, dass die Hornhautentzündung einen mikrobielle Ursache hat. Eine bakterielle oder mykotische Entzündung würde man anders behandeln und eine Behandlung mit Immunsuppressiva wäre kontraindiziert. 

Den Aufbau des Auges habe ich hier beschrieben. Je weiter außen die Entzündung in der Hornhaut lokalisiert ist, desto einfacher ist eine topische Behandlung mit Cremes. Hier werden meist Immunsuppressiva eingesetzt. Wird eine Behandlung mit Cortison durchgeführt, muss eine Verletzung der Hornhaut ausgeschlossen sein. Des Weiteren wird sehr häufig Cyclosporin eingesetzt, was ebenfalls Immunreaktionen herunter reguliert. Bei der topischen Anwendung am Auge ist wichtig, dass die Wirkstoffkonzentration hoch ist am Wirkort und daher sollte man die Creme häfiger applizieren. Uns wurde gesagt mindestens 3x am Tag und das sollte mindestens so 3-4 Stunden auseinander liegen. 

Cyclosporin kann auch mittels Transplantat im Auge autonom verabreicht werden, das soll gerade bei der tieferliegenden mid-stromalen IMMK auch erfolgreicher sein als die Creme. Das Implantat besteht aus einer Silikonmatrix in der 10% Cyclosporin A Wirkstoff als Pellet eingebracht ist. 

Des Weiteren ist mit der Keratektomie eine operative Entfernung des entzündlichen Hornhautgewebes möglich. Dies wird häufig bei einer wiederkehrenden IMMK durchgeführt, vor allem wenn die Cremes nicht (mehr) wirken. Die OP ist im Stand möglich.

Eine weitere operative Möglichkeit zur Behandlung insbesondere von den tiefergelegenen Entzündungen: Die Photo Dynamische Therapie (PDT). Die PDT ist weniger invasiv und bedarf deutlich weniger Nachbehandlung als die Keratektomie. Sie kann auch im Stand durchgeführt werden. Bei Fabi wurde es bei uns am Stall durchgeführt. Hier wird ein Photosensibilisator intrastromal injiziert. Bei dem Sensibilisator handelt es sich um Infracyaningrün. Der Farbstoff wird dann mit Laserlicht aktiviert. Die T-Zellen werden zerstört und dann nach und nach abgebaut so dass die Trübung so verschwindet. 

Ein sehr neuer Ansatz, der dann in Frage kommt, wenn nichts anderes erfolgreich ist, ist die Stammzelltherapie. Hier werden autologe mesenchymale Stammzellen eingesetzt, autolog heißt das Pferd bekommt seine eigene Zellen. Es gibt mehrere Injektionen (2-5) in 3-4 Wochen abstand.

Es gibt leider in der Literatur keine so große Datenlage für all dies Behandlungen und auch keine Information zu den Rezidivraten. Allerdings gibt es nun mal so viele unterschiedliche Varianten der IMMK und potentielle Ursachen, so dass man auch eine sehr hohe Anzahl an Patienten brauchen würde, um eine gute Datenbasis für eine sichere Aussage zu haben. 



Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

Montag, 16. Juni 2025

IMMK bei Fabi - Diagnose

IMMK bei Fabi, wie wurde sie diagnostiziert? Da muss ich etwas weiter ausholen. Nach etwas mehr als  Monaten nach dem Kauf hatte Fabi etwas Schleim in beiden Augen und die Augen tränten auch und waren leicht gerötet. Es war aber nicht dick oder so und sie kneifte auch nicht häufig. Es wirkte nicht schmerzhaft. Der Zeitpunkt ist wichtig, weil zum einen har unsere OP Versicherung eine 3-monatige Sperrfrist, heißt alles was in den ersten drei Monaten diagnostiziert wird, wird von OPs ausgeschlossen. Bei Fabi waren diese 3 Monate gerade  Tage rum. Da wir etwa eine Woche später in den Urlaub fliegen wollten, dachten wir, dass wir sofort einen Tierarzt aufs Auge schauen lassen. Unser Tierarzt war zu dem Zeitpunkt im Urlaub und zu dem Zeitpunkt hatte jemand gerade eine uns fremde Tierärztin vor Ort. Daher baten wir sie einmal auf die Augen zu schauen. Sie diagnostizierte eine beidseitige Keratitis punctata. Mit Fluoreszin angefärbt sah man viele kleine Punkte auf der Hornhaut. Die Tierärztin war etwas erstaunt dass es bei Fabi nicht schmerzhaft erschien weil sie der Meinung war dass eine solche Hornhautentzündung meistens sehr schmerzhaft wäre. Dann sagte sie aber, dass sie deswegen empfehlen würde einen Abstrich und Herpes Test machen zu lassen. Sie sagte das klingt vielleicht komisch aber es gibt eine Keratitis die vom EHV 2/5 verursacht wird und dass es da sehr wichtig wäre das in dem Fall mit Aciclovir zu behandeln, weil es sonst chronisch werden kann. Wir stimmten zu. Und am Folgetag bekamen wir dann den Anruf mit der Bestätigung dass Herpes nachgewiesen wurde in dem Abstrich und wir Aciclovir verabreichen sollten. Wir cremten 3-4x am Tag und dachten darüber nach den Urlaub abzusagen. Einen Tag vor dem Abflug riefen wir die Vertretung unseres Haustierarzt, weil wir den Verlauf wissen wollten, um zu entscheiden ob wir fliegen oder nicht. Die machte ebenfalls eine Anfärbung und man sah nix. Symptome wie die Rötung und der Tränenfluss war auch schon wieder weg. Diese Tierärztin sagte es wäre schon ungewöhnlich dass jemand einfach so auf Herpes testen lässt aber das Aciclovir schien ja sehr gut angeschlagen zu haben. Eigentlich sagte sie aber, dass so einen Keratitis punctata oft nur schwer behandeln lässt und eher langwierig ist. Wir sollten jedenfalls das Aciclovir absetzen und weiter etwas pflegendes (Vitamin A Creme) verabreichen 1x am Tag. Daher haben wir dann entschieden in den Urlaub zu fahren, das Verabreichen der Augensalbe 1x am Tag hat unsere Vertretung übernommen. Nach unserem Urlaub, etwa 1 Woche später, sind wir dann nochmal zu unserem Haustierarzt gegangen, der dann auch nichts mehr feststellen konnte. Auch er wunderte sich über die Herpes Diagnose.

Das Ganze war dann erst einmal vergessen bei uns, bis irgendwann im Dezember. Wann genau die Trübung auftrat, können wir rückblickend gar nicht sagen. Es war zu dem Zeitpunkt alles komplett nass und regnete wochenlang. Es war auch sehr dunkel und bei uns am Stall waren auch noch die Lichter defekt und dadurch auch sehr dunkel. Dann hatte Fabi auch noch eine Kolik und ist daher für ein paar Tage ausgefallen und wurde daher dann auch nicht richtig gearbeitet in der Halle zum Beispiel wo es etwas heller ist. Daher ist es durchaus möglich dass die Trübung schleichend auftrat und wir es einfach nicht sofort gesehen haben. Aber auf einmal haben wir eine sehr große Trübung des linken Auge entdeckt. Es war über 50%. Sonst war aber nichts, keine Rötung, kein Tränen, kein Schleim und sie schien auch normal zu sehen. Unser Tierarzt schaute sich das an und stellte ebenfalls fest, dass es das Pferd überhaupt nicht beeinträchtigt hat und er empfahl uns das einfach zu ignorieren. Aber wie das so ist, man kann das nicht ignorieren. Und wenn man sich dann auch noch über solche Trübung im Internet informiert liest man dass das auch eine ERU sein kann, die unbehandelt zum Gelüst des Auges führen kann. Aber ich las auch über die IMMK, die schon mal im Anschluss einer Herpes Keratitis entstehen kann. Als Fabi eine erneute Kolik hatte und wir die Vertretung unseres Tierarzt da hatten für die Kolik, fragten wir sie nochmal nach dem Auge. Die empfahl uns für so einen Fall einen Augenspezialisten. Dann kam Weihnachten dazwischen und dann dauerte es auch noch etwas, bis der Augenarzt zu uns an den Hof kam. 

Der Augenarzt machte eine wirklich aufwendige Untersuchung mit Anfärbungen und auch dem Messen vom Augeninnendruck und so weiter. Er sagte uns damals, dass das eine Hornhautentzündung sei und wir herausfinden müssen ob das infektiös ist und entweder bakteriell oder mykotisch sei oder ob es immun-vermittelt ist. Letzteres war seine Vermutung weil sie keinerlei Beeinträchtigung hatte. Er nahm einen Abstrich. Außerdem bekamen wir tropfen und Cremes für eine erste Behandlung. Eine Woche später wollte er nochmal kommen und dann alles weitere entscheiden. Nach einer Woche kam er wieder und sagte dass kein bakterieller Keim gefunden wurde und auch kein Pilz. Er sagte dass es trotzdem noch sinnvoll sei, eine Histologie zu machen, um eine richtige Diagnose stellen zu können. Hierfür musste er eine Probe der Hornhaut entnehmen. Das Ganze wird in einer Stand-OP durchgeführt. Das war die erste Augen OP. Das Ganze konnte an unserem Stall durchgeführt werden. Das Pferd wurde sediert, der Kopf aufgehängt und dann bekam sie noch Ohren Stöpsel und dann ging es los. Das Ganze dauerte vielleicht 20 min. Danach bekam Fabi wieder eine Menge Augentropfen und Cremes wie auch Entzündungshemmer und Schmerzmittel. Außerdem bekam sie einen mechanischen Augenschutz. Eine Art Plastikmaske. Dafür durfte sie aber nach 2 h schon wieder zurück in die Herde. 

Fabi nach der Stand-OP mit der Kunststoffmaske zum Schutz der Augen

Nach einer Woche kam der Augenarzt wieder vorbei und hatte den Bericht der Histologie: Die IMMK wurde bestätig. Die Immunzellen, T-Lymphozyten, wurden im Stroma entdeckt, eine mid-stromale IMMK. Er sagte, dass bei der Sorte eine topische Anwendung des Wirkstoffs wie Cyclosporin nicht immer funktioniert. Er lies uns aber von einer Apotheke eine spezielle 5%ige Cyclosporin Creme herstellen und die sollten wir dann mal 1 Woche  mindestens 3x am Tag ins Auge applizieren. Nach einer Woche müsste sich schon eine Besserung zeigen. Ansonsten würde er eine OP empfehlen. 


Ergebnisbericht der Histologie

Mögliche Ursachen für eine IMMK

Ich muss hier vorweg nochmal deutlich machen: Ich bin kein Tierarzt oder Ophthalmologe. Ich kenne mich auf Grund meiner Promotion in Biochemie und meiner Arbeit im Bereich der Immuntherapie ein wenig mit dem Immunsystem sowie Auto-Immunerkrankungen aus. Ich habe einiges an Literatur gelesen und gebe hier das wieder was ich aus all dem weiß. Ich muss hier aber auch sagen, dass es eben auch in der Literatur hauptsächlich Annahmen gibt eine klare Ursache ist jedoch bisher nicht beschrieben. 

Ich hatte hier schon beschrieben, dass das Auge an sich eigentlich ein Immunprivileg hat: Es gibt keine Blut- sowie Lymphgefäße und das Immunsystem wird außerdem noch durch die Anwesenheit von Immunsuppressiva runter geregelt. Bei der IMMK bilden sich dann jedoch Blutgefäße aus und des weiteren werden T-Zellen, also Immunzellen, nachgewiesen. Irgendetwas muss also das Immunprivileg ausschalten. Und dafür ist eine Ursache noch nicht bekannt. Es gibt jedoch einige Theorien. Zum einen gibt es die Theorie dass es vorab eine EHV 2/5 (Herpes) Infektion des Auges gab, die Theorie ist aber umstritten. Herpes kann aber die Keratitis superficialis punctata auslösen und sich in der Hornhaut einlagern. Interessanterweise hatte Fabi ca. 3 Monate vor dem Auftreten der IMMK eine Keratitis superficialis punctata auf beiden Augen und der Virus wurde mit einem Abstrich nachgewiesen. Scheinbar kommt dieser zeitliche Zusammenhang häufiger vor, weshalb es die Theorie gibt, dass der Herpes eine spätere IMMK auslösen könnte.


Aber nicht nur ein Virus, sondern auch ein Bakterium oder ein Pilz oder aber eine Verletzung der Hornhaut können der Grund dafür sein, dass der Körper das Immunprivileg abschaltet, so dass der Erreger vom Immunsystem entfernt werden kann. Das ist aber nur ein Teil, der Erklärt, warum es überhaupt möglich ist, dass Lymphozyten in die Hornhaut gelangen. Aber warum gibt es Auto-Antikörper. Und hier gibt es zwei bekannte Theorien aus dem Autoimmunbereich: Molekulare Mimikry und Epitop Spreading. Zunächst noch eine kurze Erklärung was ein Epitop ist: Ein Epitop ist ein kleiner Bereich eines Antigens, der spezifisch von dem Antikörper erkannt wird. Ein Antikörper erkennt nicht den ganzen Virus oder eine ganze Zelle, sondern eben nur kleine Bereiche und diese eben sehr spezifisch. Bei der Molekularen Mimikry ist das Epitop des Antigens zufällig einer körpereigenen Struktur sehr ähnlich, so dass der Antikörper, der eigentlich dafür gebildet wurde das Epitop des Antigen zu erkennen, dann auch die Körpereigene Struktur erkennt. Das wird zum Beispiel als Ursache für die Herpes Simplex Virus Keratitis beim Menschen diskutiert. Epitop-Ausbreitung wird dann als weiterer Schritt im Anschluss an das Molekulare Mimikri beschrieben. Die Antikörper erkennen zunächst das strukturell ähnliche Körpereigene Peptid, wodurch es zu einer Gewebeschädigung kommt. Dadurch entstehen weitere kleinere Peptide gegen die der Körper dann wiederum Antikörper bildet. Eigentlich ist das Ganze so gedacht, dass dass die T-Zellen weitere Bereiche auf einem Bakterium/Virus erkennt und dagegen wiederum Antikörper bildet, so dass das Bakterium/der Virus effektiver bekämpft werden kann. Hier jedoch erkennt das Immunsystem dann körpereigene Strukturen und bildet dagegen Antikörper, die dann wiederum das Gewebe schädigen, wodurch wieder neue, potentielle körpereigene Antigene entstehen. So wird das Ganze dann chronisch. 

Zusammengenommen wäre eine Hypothese, dass es einen Hornhautdefekt gibt, die eine Vaskulariation auslöst und das Immunprivileg ausschaltet. Virale oder bakterielle Antigene führen zu einer Immunreaktion so dass T-Zellen in die Hornhaut gelangen. Durch Molekulare Mimikry und dann Epitope Spreading werden dann letzten Endes korneale Proteine/Peptide erkannt, was dann die chronische Entzündung der Hornhaut auslöst. 


Es gibt außerdem noch die Theorie dass es genetische Veranlagungen für die IMMK geben kann. Dies liegt daran, dass bestimmte Augenerkrankungen teilweise vermehrt bei Schimmeln oder aber Falben auftreten. Auch Tigerschecken scheinen anfällig dafür zu sein. Mehr Information gibt es hier aber nicht, auch eine statistischen Auswertungen.

Nun noch zum Thema Stress: Man weiß aus dem Humanbereich, dass Stress das Risiko einer Autoimmunerkrankung erhöht, Schübe auslösen kann und Symptome verschlimmern kann. Stress ist aber nicht die alleinige Ursache, kann aber eine Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf spielen. Daher sagt man auch bei Pferden mit IMMK, dass man möglichst Stress vermeiden soll. 


Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur 

Das Auge

Das Auge ist ein sehr komplexes Organ und ich möchte hier nicht auf die physikalischen Grundlagen des Auges eingehen. Mir sind nur zwei Punkte wichtig: Der Aufbau der Hornhaut, der für die Behandlung einer IMMK relevant ist sowie der physiologische Status der Hornhaut, der relevant ist für die Ursache der IMMK. 

Ich bin kein Künstler, habe aber dennoch mal versucht eine schematische Darstellung des Auges zu zeichnen:

 


Die Hornhaut ist relativ klar, glatt und glänzend, im Zentrum weißt sie eine Dicke von etwa 0,8 mm auf. Es gibt den präkornealen Tränenfilm, der auf der Epithelschicht  liegt. Die Epithelschicht ist eine mehrlagige Zellschicht. Die Bowman Membran, auch Basalmembran, trennt die Epithelschicht vom Stroma ab. Das Stroma ist die breiteste Schicht, die etwa 90% der Hornhaut ausmacht. Darauf folgt die Descementrische Membran, die Stroma von der Endothelschicht trennt. Letztere ist eine einlagige Zellschicht, die verantwortlich ist für die Transparenz des Stromas. 

Die Hornhaut weist normalerweise keine Blut- oder Lymphgefäße auf  und hat das sogenannte "Koreale Immunprivileg" was Immunantworten herunterregelt um die anatomische Struktur und Durchsichtigkeit der Hornhaut zu erhalten. Hierfür sind im Tränenfilm und Kammerwasser auch Immunsuppressive Peptide vorhanden. Bei der IMMK wird dann aber häufiger eine Vaskularisation, d.h. eine Ausbildung von Blutgefäßen, auch Einsprossung genannt, beobachtet, außerdem sind T-Zellen, also Lymphzellen in einer der oben beschriebenen Schichten, vorhanden. Daher geht man davon aus, dass das Immunprivileg hier aus einem nicht eindeutig beschriebenem Grund "abgeschaltet" ist. Hier gehe ich auf in der Literatur beschriebene Ursachen dafür ein. 


Hier eine Literaturliste zu IMMK: IMMK Literatur