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Donnerstag, 29. Mai 2025

Warum Bodenarbeit

Ich hatte hier schon einmal geschrieben warum wir uns für die akademische Bodenarbeit entschieden haben. Hier geht es mehr darum, warum die Bodenarbeit bei uns einen so hohen Stellenwert hat. Wir machen bei unseren Pferden tatsächlich mehr vom Boden aus, als vom Sattel aus. Und wir arbeiten mit anderen Pferden tatsächlich nur vom Boden aus. 




Warum?

Meiner Erfahrung nach hat die Bodenarbeit viele Vorteile: Zum einen lernen Pferde sehr viel durchs Spiegeln. Also gerade junge Pferde haben es bei Übungen, Lektionen und Bewegungsmuster einfacher wenn man es ihnen erst am Boden zeigt. Das hat auch einen Vorteil für uns als Menschen: Wenn das Pferd durch spiegeln lernen soll bekommt man selbst auch ein viel besseres Bewusstsein über die eigene Haltung und Bewegung. Das wird sich auch auf die Bewegung und Haltung im Alltag auswirken.

Wenn dem Pferd Tragkraft und essentielle Muskulatur fehlt, dann sollte man sich nicht noch als Reiter mit zusätzlichem Gewicht auf den Rücken setzen. Bei der Bodenarbeit kann das Pferd ebenso Tragkraft und Muskulatur aufbauen ohne dass ich es mit meinem Gewicht belaste. 

Für das Reiten brauche ich meist zusätzliches Equipment wie zum Beispiel einen Sattel, der potentiell nicht passt. Gerade bei einem jungen Pferd im Aufbau oder bei einem Reha Pferd im Aufbau macht es Sinn erst einmal ohne einen Sattel/Sattelanpassung zu arbeiten. 

Ich selbst als Reiter bin auch erst einmal etwas "störendes" für das Pferd. Gerade junge Pferde oder Pferde denen es noch an Balance fehlt, werden durch den Reiter in ihrer Bewegung "gestört". Pferde werden schneller eine Balance finden ohne dass ein Reiter drauf sitzt.

Viele schwierige Lektionen kann man am Boden gut in einzelne, einfache Teile aufteilen und so lernt ein Pferd auch leichter und schneller.

Ich persönlich finde es leichter Dinge zu sehen als zu fühlen. Also wo genau jetzt welcher Fuß hin fußt, unter dem Schwerpunkt oder daneben etc. Ich bin einfach ein Mensch der besser sieht als fühlt. Das liegt natürlich an jedem selbst. 

Um ein neues Pferd besser kennen zu lernen und auch um dem neuen Partner die Chance zu geben den Menschen besser kennen zu lernen. Ich finde das ist einfacher vom Boden aus weil man da auch schneller reagiert finde ich. Das heißt die "Hilfe" kann schneller und präziser kommen und man kann dadurch auch dosierter und damit fairer sein. Und auch gerade bei "ängstlichen" Reitern und vielleicht auch "ängstlichen" Pferden und Energiereichen Pferden eine gute Alternative fürs Reiten bis man sich besser kennengelernt hat. 

Bodenarbeit ist auch eine tolle Methode um das Pferd aufzuwärmen. Sowohl bei gesunden Pferden sollte man sich nicht drauf setzen, wenn das Pferd noch nicht warm ist. Zum einen ist dann die Rückenmuskulatur die einen trägt noch nicht warm und bereit einen zu tragen und zum anderen belastet man die kalten Gelenke vermehrt. Und bei Pferden die dazu noch erkrankt sind wie Arthrose oder MIM oder etwas ähnliches, sollte man sich erst recht nicht drauf setzen, so lange die noch nicht aufgewärmt sind. Dazu kommt, dass der Mensch sich am besten auch aufwärmt. Mit der Bodenarbeit kann man die Aufwärmphase aber sinnvoll nutzen.

Und dann kommt da noch die psychische Komponente und das war einer der wichtigsten Punkte bei Raini z.B.: Meiner Erfahrung nach, kann man nicht mit einer Methode Dinge wieder aufbauen, die man mit der gleichen Methode kaputt gemacht hat. Raini ist zum Beispiel beim Reiten, aber sicherlich auch beim longieren, sehr eng gearbeitet worden, er hat sich praktisch in den Hals gebissen. Er hatte einen krassen Unterhals, Axthieb, hat sich nur aus der Schulterheraus gezogen und nicht geschoben, wurde mit viel Hand und sehr viel Bein und Sporen und Gerte geritten. Dazu kam dann noch MIM. Trotzdem war er lieb und hat einfach alles über sich ergehen lassen. Das Beispiel für erlernte Hilfslosigkeit. Da kann man einfach nicht gegen an reiten oder drüber hinweg reiten. Das geht einfach nicht. Da half nur noch ein "Reset". Am Boden konnten wir ihm erst einmal beibringen, dass die Gerte eine Zeige Hilfe ist für das Bein und den Zügel und kein Gegenstand zum Schlagen. Wir haben ihm Bewegungsmuster beigebracht ohne viel Manipulation. Weil ein Annehmen am Zügel oder eine treibende Hilfe mit dem Bein bei ihm sofort zum Einrollen und Verwerfen geführt hat, mussten wir wirklich auf jegliche Manipulation/Berührung verzichten. Bei der Bodenarbeit hat er gelernt, dass die Arbeit mit dem Menschen auch "auf Augenhöhe" statt finden kann. Dass auch sein Input gefragt ist und dass er auch "Nein" sagen kann. 

Sicherlich sind Pferde nicht alle gleich und man muss die Methodik für jedes Pferd anpassen. Bei Raini muss ich es auch an die Tagesform anpassen. Manchmal arbeitet es sich besser bei ihm im Rückwärtsführt, manchmal besser in den Longenposition, manchmal besser Linefree und es gibt auch Tage, da funktioniert es im Reiten besser. Und dann gibt es Tage da gehen wir besser Ausreiten oder spazieren. Und dann haben wir auch den einen oder anderen Kandidaten bei dem Funktiniert die Handarbeit besser. Gerade bei Pferden die gerne in den Schultern hängen ist letzteres oft die bessere Trainingsmethode.  



Montag, 26. Mai 2025

PSSM2 Pferde im Training

Ich habe schon mit einigen MIM Pferden gearbeitet und ja sie sind auch da "Special" und eventuell würde jemand das mit einem gesunden Sportpferd nicht einmal Training nennen. Bei uns am Stall nannte man es schon mal "Hokus Pokus". Aber gerade mit Rain man arbeiten wir vor allem beim Aufwärmen gerne vom Boden aus. Reiten tun wir dann wenn er warm ist. Wir Reiten nicht so oft die Woche, vielleicht im Durchschnitt an 3 Tagen die Woche. Wichtig finde ich, dass ich das Pferd sehr gut beobachte, schon wenn ich es von der Weide hole, Putze und warm mache und basierend darauf entscheide ich, was wir machen. Ich weiß dass man immer sagt man soll mit einem Plan ins Training gehen, was man genau machen will, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau das für ein so sensibles Pferd wie Rain man schwierig sein kann wenn man spezifische Erwartungen hat und es ist dann oft frustrierend für Mensch und Pferd. 

Ich finde dass insbesondere pX Pferde schon mal schwieriger im Training sind weil es da eine so große nervliche/psychische Komponente gibt. Die meisten MIM Pferde mit denen ich gearbeitet habe, haben eine pX Variante. Daher könnte es ganz anders sein bei MIM Pferden ohne n/PX. 

Bei pX versuche ich, soweit möglich eine gewisse Routine einzuhalten, aber ja das ist nicht immer möglich. Aber man sollte vielleicht nicht ganz viele Dinge am selben Tag wechseln/anpassen. Wenn ich Raini putze und fertig mache, versuche ich schon ihn mit zum Beispiel Massagen zu lockern, gerne nutze ich das Nova Fon. Bemern mache ich bei ihm eher nach der Arbeit, da kann er sich super mit entspannen. Ich mache mit ihm auch immer Kauübungen vor der Arbeit, das lockert ihn auch. Ich habe dazu hier schon mal etwas geschrieben. So kann ich auch schon feststellen ob er irgendwo auffällige Verspannungen hat. Ich brauche immer so mindestens 1h für putzen und all dem, gerne mache ich aber, wenn ich die Zeit habe, auch mehr. Er bekommt Vitamin E und Q10 direkt wenn ich ihn geholt habe und das braucht ja auch gewisse Zeit bis es den Zellen zur Verfügung steht und daher ist es auch ganz gut, wenn das Ganze etwas dauert.

Wie schon beschrieben starte ich so gut wie immer mit Bodenarbeit. Meiner Erfahrung nach sind pX Pferde Perfektionisten und brauchen viel Lob bzw. sind schnell frustriert/emotional wenn es mal nicht klappt und es nicht schnell ein Lob gibt. Daher versuche ich zu Beginn schnell heraus zu finden was er leisten kann und was nicht um nicht in eine Situation zu kommen wo er schnell frustriert ist. Ich gehe auf beiden Händen mit ihm in Longenposition eine Runde und schaue wie er sich bewegt, ob etwas Verspannt ist, er kürzer tritt oder irgendetwas nicht verspannt ist. Und dann starte ich mit einer Aufgabe, von der ich sicher bin, dass er sie gut leisten kann um ihn loben zu können und ihn damit zu motivieren. Oft, weil er das Prozedere kennt, bietet er hier auch etwas von sich aus an, meist seine aktuelle Lieblingsübung. Das lobe ich natürlich auch ausgiebig und das freut ihn dann immer am meisten und macht ihn Stolz, wenn das komplett seine Idee ist. 

Danach fange ich mit Seitengängen an wie Schulter herein, Kruppe herein, Renvers, Traversalen und Pirouette, je nachdem wie er drauf ist. Raini hilft es sehr mit den Seitengängen um in Balance zu kommen und auch um etwas lockerer in der Hinterhandmuskulatur zu werden. Wir achten hier auf seine Form und da kann ich auch gleich feststellen, ob er mir auf eine Schulter fällt und bei ihm muss man auch sehr auf die Rotation des Brustkorbs achten, sowie seine Stellung. Denn er verwirft sich auch gerne mal. Erst wenn das alles sitzt, achte ich auf Tempo. Raini braucht manchmal etwas und man muss ihm anfangs sein Tempo lassen. Danach kann man ihn dann animieren. 


Raini ist eher hyperflexibel und kann sich gefühlt in alle Raumrichtungen gleichzeitig bewegen. Ihm hilf wirklich etwas Spannung zu bekommen. Diese bauen wir bei ihm gerne im Tran oder Galopp auf. Das ist immer so ein zweischneidiges Schwert, Raini braucht Trab und Galopp um in eine Form zu kommen mit der man arbeiten kann, aber man will natürlich auch nicht mit einem unaufgewärmten Pferd schon traben. Daher beobachte ich das Pferd vorm Traben genau und schaue, ob seine Bewegungen fließend sind und auch wie er mental so drauf ist. Außerdem muss man sagen, dass unsere Pferde ja den ganzen Tag im Offenstall und der Weide unterwegs sind, die stehen nicht in der Box und das ist daher auch nochmal etwas anderes. Ich lasse ihn erst einmal vorwärts abwärts etwas traben und hier auch sein Tempo drin finden. Und dann wechseln wir zwischen den unterschiedlichen Gangarten oder aber auch das Tempo in einer Gangart. Raini baut am ehesten Spannung auf, wenn man ihn im Trab versammelt für 2-3 Schritte und dann wieder darauf vor schickt. Oder aus dem Trab anhält, ihn zurück schaukeln lässt und daraus wieder antrabt. Und danach kann man dann das eine oder andere erarbeiten. Natürlich machen wir da nicht super lang, denn auch das Aufwärmen ist bei uns ja schon ein anstrengendes Programm, auch für den Kopf. 

Was mir bei Raini und anderen MIM Pferden aufgefallen ist, und die sind alle irgendeine Kombination mit pX:

- Raini braucht viele Pausen um in sich rein zu fühlen und auch um die Dinge zu verstehen/verarbeiten und meinem Gefühl nach müssen diese Pausen auch etwas länger sein. Er kaut dann auch gerne ab. Das zeigt er nicht nur in der Arbeit, sondern auch zum Beispiel während einer Masterson Behandlung.

- Bei so lethargischen Pferden neigt man gerne dazu viel Hilfe zu geben und "laut" zu werden oder viel Action zu machen. Weil man erwartet, dass das notwendig ist. Aber meinem empfinden nach, sind gerade MIM und vor allem pX Pferde sehr sensible. Ich habe das Gefühl, dass sie die Hilfe verstehen und nur eine Art "längere Leitung" haben und etwas später reagieren. Wenn ich dann aber die Hilfe schon verstärkt habe, ist das Stress oder es kommt dann verspätet eine Überreaktion oder das Pferd versteht gar nicht mehr was man will. Daher kann ich sehr empfehlen einfach mal etwas länger zu warten und es dann einfach 2-3 mal in Reihe zu probieren und dann funktioniert es oft besser. 

- Losgelassenheit ist sehr wichtig. Das funktioniert aber nur, wenn man als Mensch auch losgelassen ist und sich auf das Pferd und die gemeinsame Aufgabe fokussiert. Wenn ich abgelenkt bin durch irgendetwas in der Halle/neben der Halle, auf dem Handy oder wenn ich gestresst bin durch die Arbeit, wird er niemals losgelassen sein können. 

Samstag, 15. Juli 2023

Warum Akademische Bodenarbeit

Warum gerade die akademische Bodenarbeit nach Branderup? Ich selbst habe beim Neustart mit Rain man gemerkt, dass wir eine viel bessere Verbindung am Boden hatten und wir dort viel besser miteinander kommunizieren konnten. Er reagierte so fein auf alle meine kleinsten Hilfen und war immer super konzentriert und gab auch immer 100%. Daher wollten wir ihm die Basis erst am Boden erklären. Was mir bei den Akademikern besonders gut gefällt ist, dass die Bodenarbeit keine Nebensache ist, sondern mindestens so wichtig wie das Reiten selbst. Marius Schneider hat mit Aramis mindestens ein Pferd, dass er gar nicht reitet, sondern nur am Boden arbeitet und der kann die hohen Lektionen alle. Außerdem haben die Akademiker einen Fokus auf die Gesunderhaltung des Pferdes, es muss erst eine Tragkraft entwickelt werden, bevor man sich drauf setzt, das Pferd wird durch die Lektionen und Aufgaben mehr und mehr darin geschult, seine Kraft aus der Hinterhand zu nehmen, an statt sich mit der Schulter zu ziehen. Es wird immer nach der Balance gesucht, im Pferd und auch zwischen Pferd und Mensch. Die Lektionen sollen nicht spektakulär aussehen, wie bei den Traversalen die man so oft im TV sieht, sondern sie sollen die Gelenke schonen. Es wird alles in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum aufgebaut, so wie es zu dem Paar passt. Dass man alles erst im Schritt oder gar im Stand ausprobiert, hat uns sehr geholfen, insbesondere auch in den schwierigen Phasen, im Winter oder in einem Schub. Das Pferd wir in alle Aufgaben mit einbezogen und nach Lösungsvorschlägen befragt, es macht nie einen Fehler. Insbesondere das passte gut zu uns, wo Rain man doch ein kleiner Perfektionist ist. 

Wir haben also erst einmal am Boden angefangen und Rain man erst einmal versucht gerade zu bekommen so dass er auf einer Bahn läuft. Das erscheint vielleicht erst einmal komisch, aber Rain man war anfangs nicht in der Lage einen Huf vor den anderen zu setzen. Er klebte mit der äußeren Schulter oft an der Bande und driftete mit der inneren Hinterhand gerne mal in die Bahn. Generell haben wir erst einmal geübt, Vorhand und Hinterhand gezielt anzusprechen und ihm die Hilfen erklärt (innerer & äußerer Schenkel & Zügel). Wir haben das Ganze erst einmal im Stand geübt und dann im Schritt. Man muss hier erwähnen, dass Raini eher hypermobil ist, im Stehen kann er sich wie eine Schlange hin und her bewegen. Da muss man wirklich aufpassen, Hilfen nur minimal zu geben und auch bei Korrekturen sehr vorsichtig zu sein. Wie haben uns da aber mit der Zeit gut aufeinander abgestimmt. Bei ihm war auch immer das Lösen ein Thema. Wir haben hier erst einmal versucht ihn in der Tiefe zu arbeiten, natürlich immer vor der Senkrechten. Später haben wir das Ganze dann wieder hoch korrigiert. 




Ich weiß dass man sich, wenn man akademisch arbeitet, immer fragt, ob man überhaupt irgendwann ans Ziel kommt, wenn man wochenlang nur im Stand/Schritt an Kleinigkeiten arbeitet. Aber es ist erstaunlich was für Fortschritte man irgendwann erreicht, ohne es zu merken. Wir haben während eines Schubs mit Rain mal 3 Monate lang nur im Schritt und im Stand gearbeitet und als dann mal die Osteo da war, ist er auf einmal so schön galoppiert wie nie zuvor, richtig Bergauf und versammelt. Man muss da ein wenig Vertrauen in die Arbeit haben. Sie heißt nicht umsonst Kunst. Man muss es sich wirklich zeitaufwendig erarbeiten und kann es nicht schnell schnell machen.

Das erstaunlichste ist aber, dass wir Rain man mit dieser Arbeit nicht nur für die Arbeit unter dem Reiter vorbereitet haben. Seitdem wir akademisch Arbeiten wird dieses Pferd auf einmal ein richtiges Pferd. Er richtet sich auf und schreitet richtig stolz und das nimmt er mit in die Herde. Mehr und mehr ist er im Rang aufgestiegen und ist nun einer der Chefs. Er geht auch jetzt in der Herde gerade und schlurft nicht mehr, das ein oder andere Mal habe ich ihn auch schon den spanischen Schritt gesehen, als er einen andern Wallach imponieren wollte. Und auch dem Menschen gegenüber ist er aufgetaut, er hat einfach sehr viel Selbstbewusstsein bekommen. Und wir sind nicht die einzigen denen es so ergeht. 

Wir arbeiten inzwischen auch mit Fabi akademisch und gerade einem jungen Pferd, das noch nicht ausgewachsen ist, hilft diese sanfte, pferdefreundliche Ausbildungsweise enorm. Man hat nicht in einem Jahr ein Pferd mit dem man eine L-Dressur gewinnt, aber man hat so eher lange etwas von seinem Pferd.

Sonntag, 9. Juli 2023

Liberty

Wir haben mit Raini sehr schnell angefangen line-free am Boden zu arbeiten. Raini ist sehr fein in der Kommunikation, manchmal habe ich das Gefühl er kann meine Gedanken lesen. Da lag die Linerty Arbeit nahe. Zum anderen gab diese Form der Arbeit Rain man noch mehr Entscheidungsfreiheit, was ihm sehr gut gefiel. Er hatte immer die Chance zu gehen, was er tatsächlich nur sehr selten mal gemacht hat. Ich musste bei dieser Teamarbeit nochmal mehr Präzision in der Hilfengebung lernen, fehlte ja jetzt die Möglichkeit etwas am kappzaum zu korrigieren. Man lernt aber so auch wieder mehr mit Körpersprache zu kommunizieren. Es machte uns beiden sehr viel Spaß und es war lange Zeit Rainis Lieblingsdisziplin. Wir hatten hier auch ganz interessante Momente. Zum Beispiel sagte Melli einmal zu mir, ich müsste atmen. Erst da merkte ich, dass ich länger die Luft angehalten hatte und Raini schnaubte sofort ab und lief viel lockerer. Als ich Melli fragte woher sie das wusste, sagte sie dass Raini das zeigt weil er dann verspannt. Mein Pferd registriert offenbar ob ich atme, während ich neben ihm her laufe und reagiert so, dass ein außenstehender es sieht. 


Unsere ersten Übungen war das Bewegen von Vor- und Hinterhand. Dann kam das Folgen, also ich laufe rückwärts vor ihm her. Dann haben wir das nebenher laufen geübt und dann auch in allen Gangarten. Raini blüht richtig auf in der Freiarbeit. Er ist mega entspannt und aber gleichzeitig hoch konzentriert. Er hat richtig Spaß und freut sich über jede Aufgabe die er zu unserer Zufriedenheit löst und er scheint richtig stolz zu sein bei jedem Lob das er bekommt. Sein Blick ist ein komplett anderer und auch seine ganze Körperspannung und sein Ausdruck. Er ist in der Bodenarbeit und speziell in der Freiarbeit ein ganz anderes Pferd. 




Mit der Freiarbeit zu unserem Beginn der Bodenarbeit anzufangen erscheint ungewöhnlich. Aber für Rain man war es der beste weg. Er hatte so immer die Freiheit "Nein" zu sagen oder weg zu gehen und das war etwas das er überhaupt nicht kannte und ich denke das hat ihm letzten Endes das Vertrauen in uns und in den Menschen im Allgemeinen wieder gegeben.
Wir haben dann irgendwann mit der akademischen Bodenarbeit angefangen und das auch erst einmal am Kappzaum. Aber immer wenn er eine Lektion verstanden hat, erarbeiten wir uns die auch wieder im Liberty. Inzwischen arbeitet er am Kappzaum oder auch Liberty gerne, er liebt beides. 
Ich kann jedem empfehlen einmal Liberty zu probieren, es ist das ehrlichste Feedback, dass einem der Partner Pferd geben kann. Und in meinen Augen ist es einfach toll, wenn das Pferd einfach durch die Bewegung meiner Hüfte ein Kruppe herein anbietet. Manche Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Pferd zeigen sich auch erst im Liberty und lassen sich da dann einfacher lösen.