Montag, 30. Januar 2023

Longieren

Wie arbeitet man mit einem Pferd, das sich immer so einrollt, dass es sich fast in die Brust beißt und sich mit der Vorhand zieht und dazu triebig ist und abgestumpft? Da Raini aber unter Muskelatrophie litt, vor allem auch in der Sattellage, mussten wir unbedingt Muskeln aufbauen und er musste ja auch lernen, lockerer zu werden.

Wir haben, wie auch bei der Bodenarbeit, direkt mit einem Kappzaum begonnen, zunächst mit einem Naseneisen. Ich habe viel nach dem Longenkurs von Babette Teschen gearbeitet und wir hatten dann ja auch Unterricht bei Melli. 



Wir haben zuallererst im Roundpen ohne Longe angefangen und haben ihn außen rum im Kreis im Schritt laufen lassen, wenn er mal für 1-2 Schritte den Kopf fallen lassen hat, haben wir ihn gelobt. Das Ganze dann auch im Trab. Dann kam die Longe dran und auch hier das gleiche. Hat er den Kopf fallen lassen, wurde er gelobt. Er merkte schnell, dass es für ihn ganz angenehm war, mal vorwärts abwärts in Dehnungshaltung zu laufen, er konnte das aber nicht lange halten. Aber es wurde jedes Mal mehr, eine halbe Runde, dann eine Ganze. Dann haben wir irgendwann auch den Galopp dazu genommen. Hier hat er sich dann lange raus gehoben, aber irgendwann kam auch hier die Nase vor und runter. Ja, er läuft dann natürlich erst einmal mit viel Gewicht auf der Vorhand, aber anders hätten wir ihn nicht locker aus seiner Rollkur raus bekommen. 

Irgendwann lief er schön vorwärts - abwärts, mit pendelndem Schweif und schnaubte viel ab. Der Rückenmuskel bewegte sich schön und die Bewegung schwang auch durch den Körper. Zwei Dinge mussten nun passieren, der Kopf musste wieder höher aber dabei vor der Senkrechten bleiben natürlich und es musste mehr Last auf die Hinterhand. Er sollte sich nicht vorne ziehen, sondern hinten schieben. Ein klein wenig hatte sich das aber eh schon gebessert. Dann musste er lernen, gerade auf der Kreislinie zu laufen, denn er lief bis dahin eher wie ein Motorrad in der Kurve. Das belastet natürlich die Gelenke. Wir fingen mit letzterem an, denn da würde er eh den Kopf weiter hochnehmen müssen. Er musste also lernen, die innere Schulter anzuheben und mit der Hinterhand spurig zu laufen. Geholfen hat uns hier auch die Equikinetic. Vor allem im Trab schaffte Raini es dann relativ schnell, dass er wie auf Schienen im Kreis lief. Der Kopf war schön in der Senkrechten mit der Nase auf Höhe des Buggelenk. Der Rücken wölbt sich auf, das Becken kippt ab und der Brustkorb rotiert nach innen-unten. Natürlich braucht er grenade auch zu Beginn einer Einheit  immer mal die Möglichkeit schön vorwärts abwärts zu laufen und abzuschnauben, das braucht er auch zwischendurch immer mal. Das bekommt er auch immer wieder. Dann lernte er es auch im Galopp. Im Schritt war das Ganze für ihn sehr schwer. Da lässt er immer den Kopf sehr tief fallen. Wir haben dann lange Zeit den Schritt mit ihm nur in der Bodenarbeit gearbeitet und sind dann erst zum Trab und Galopp an die Longe gegangen. Aber das erschwert natürlich die Schritt Einheiten zwischen Trab und Galopp. Was auffiel, war, dass er die Probleme bei der Equikinetic nicht hatte, was vermutlich an der äußeren Begrenzung lag. Also versuchte ich es mal mit Doppellonge und siehe da, das fiel ihm auch im Schritt viel leichter.

Generell muss ich sagen, dass Raini all die Longiereinheiten, sei es Longe, Dopellonge und auch Equikinetic, sehr weiter geholfen haben in Sachen Körperform und Bewegung sowie Muskelaufbau. Allerdings muss ich auch sagen, dass ihm die Arbeit an der Longe nicht wirklich Spaß macht. Ich denke, er sieht den Sinn dahinter nicht. Und er mag es auch nicht wirklich, wenn wir ihn von uns wegschicken. Er hat es in der Bodenarbeit und vor allem auch im Line-free gelernt, bei uns zu bleiben und uns zu folgen. Es stimmt für ihn jetzt nicht mehr, dass wir ihn von uns wegschicken. Trotzdem brauchen wir die Longe noch, weil vor allem den Galopp schaffen wir am Boden noch nicht wirklich. Also sind wir noch auf die Longe angewiesen. Auch wenn man mal mit Stangen arbeiten möchte. Am einfachsten funktioniert das alles mit der Doppellonge, denn da weiß er auch, was jetzt kommt und geht von sich aus direkt auf den Zirkel und ich muss ihn nicht von mir wegschicken.



Mittwoch, 25. Januar 2023

Erste Schritte in der Bodenarbeit

 Rain man war immer ein sehr braves Pferd, aber auch schreckhaft und teilweise auch ziemlich ängstlich. Man hatte auch den Eindruck, dass er uns wenig vertraut und sich deswegen nicht von uns beruhigen lässt. Und wir haben mit ihm Gelassenheitstrainings gemacht, aber es schien, als ob man bei ihm immer wieder bei Null anfing. Es besserte sich also auch mit Training nicht. Ein Beispiel ist der Pferdehänger. Raini ist ja einige Male auf Turnier gefahren und dort sowie bei der Fahrt zur Klinik du zurück oder beim Umzug in den neuen Stall war das Hängerfahren eher unproblematisch. Doch seitdem er im neuen Stall war, wollte er nicht einmal mehr in die Nähe eines Hängers. Wenn also mal ein Hänger auf dem Hof stand, gab es immer ein Theater, er spielte sich auf, faucht den Hänger an, tänzelt rum und man bekommt ihn schwer an einem Hänger vorbei. Auf den Hänger drauf wäre somit gar nicht denkbar. Als im neuen Stall einmal die Pferdewaage kommt, die ja aus Metall ist, mit Gummimatte drauf ,zeigt sich auch wie wenig Raini uns vertraut. Weder ich noch der Mann bekommen das Pferd so einfach auf die Waage. Er reißt uns teilweise rum und zieht uns durch die Gegend. Das kennen wir so gar nicht von ihm. Nach langem hin und her und mit etwas Stroh auf der Waage bekommen wir ihn irgendwann mal drauf. Diese Schwierigkeiten führen zu der Entscheidung, dass wir einen Trainer für Bodenarbeit brauchen. Von einer ehemaligen Kollegin weiß ich, dass sie so etwas nebenbei anbietet und schreibe sie direkt an, so dass sie ca. nach einem halben Jahr nach unserem Umzug zu uns in den Stall kommt, für unsere erste Stunde Bodenarbeit. Wir fangen ganz am Anfang an, mit den ersten Kommunikationen. Sie arbeitet zu der Zeit hauptsächlich nach Honza Blaha und wir haben daher auch für die Kommunikation auch einen Stick. Damit lernen wir und Raini die ersten Schritte der Kommunikation. Dass er sich rückwärts bewegt, wenn der Stick die Brust berührt. Oder er die Hinterhand um die Vorhand bewegt, wenn der Stick die Hinterhand berührt und das gleiche für die Schulter. Er lernt sehr schnell, sodass man bald nur noch auf die Schulter zeigen muss und ihn nicht mehr berührt. Dann kommt das folgen. Er soll lernen uns zu folgen, wenn wir rückwärts vor ihm her laufen und er lernt auch zu uns zu kommen. Wir kommunizieren mit ihm hauptsächlich mit dem Stock. Wir üben auch das Führen nochmal. Raini soll nicht am Strick hinter uns her gezogen werden, er soll neben uns gehen, auf unserer Höhe.


Schnell fällt uns auf, dass er viel lockerer und entspannter ist, wenn er sieht, dass der Stock dabei ist. Es scheint, als ob das für ihn eine Art Übersetzer ist und er jetzt eine Möglichkeit hat, uns zu verstehen. Es ist aber nicht nur das, die Herangehensweise an Aufgaben ist einfach eine andere. Wenn wir dem Pferd eine Aufgabe bzw. eine Frage stellen, dann warten wir, was uns das Pferd anbietet. Generell ist erst einmal nichts falsch, was das Pferd uns anbietet, einfach weil es eine Idee hat und überhaupt etwas anbietet. Das wollen wir nicht bestrafen. Wir reagieren darauf dann einfach gar nicht und warten auf eine Reaktion, die auch nur ansatzweise in die richtige Richtung geht und dann wiederholen wir das Ganze und loben dann immer die Reaktion, was etwas mehr in die richtige Richtung geht. So kann das Pferd an der Lösung des Problems teilhaben und erfährt auch sehr viel Lob. Raini weiß das sehr schnell und ist daher immer motiviert. Aber auch uns macht es Spaß, weil wir hier immer schnell eine Entwicklung sehen. Auch steht hier keiner unter Druck, wenn es mal nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm und wir machen etwas anderes. Und ganz nebenbei hat Raini so auch mehr Vertrauen in uns. Kommt es zu Situationen, wo Raini etwas hat, vor dem er Angst hat und wir nutzen unseren Stick, dann ist die Situation relativ schnell und einfach gelöst. Jetzt nicht unbedingt den Hänger, der gerät irgendwie in Vergessenheit, aber andere für ihn schlimme Situationen wie Pfützen z.B. oder eine Folie am Boden oder oder. In der Stunde üben wir so etwas eigentlich nie, aber wir haben durch den Stick und die grundsätzlichen Hilfen, das Pferd zu bewegen genug Werkzeug die Probleme dann selbst zu Lösen und Raini versteht es und sieht sich selbst auch in der Verantwortung eine Lösung für das Problem anzubieten und so sind wir schnell im Team bei einem Erfolg. 

Wir arbeiten hier immer mit einem Kappzaum, einem Strick und natürlich dem Stick. Schnell gehen wir dann aber auch in line-free über, weil wir merken, dass Rain man ganz fein auf alle Hilfen reagiert und ihm Eigenverantwortung sehr viel bedeutet und ihn auch motiviert. Außerdem machen wir auch dann Training im Longieren, damit wir hier auch schnell den Trab und Galopp formen können. Und dann nehmen wir auch irgendwann das Reiten dazu. All das schreibe ich aber in anderen Beiträgen. Ich denke, Bodenarbeit wird für jedes Team ein Gewinn sein, weil Pferd und Reiter einfach lernen, miteinander zu kommunizieren. Das bringt das Team einfach auf eine andere Ebene. Bei Raini und uns war das der Schritt, der ihn uns gegenüber geöffnet hat. Er hat festgestellt, dass wir versucht haben, etwas anders zu machen als alle anderen Menschen, die zuvor mit ihm gearbeitet haben. Die haben vermutlich alle mit Druck gearbeitet. Und er hat ein Mitspracherecht bekommen, das war für ihn auch wichtig und ich denke, dass das für die meisten Pferde wichtig ist. Pferd und Reiter sind ein Team, dann müssen auch beide Seiten irgendeine Form von Entscheidungen treffen können. Das Pferd sollte dann zumindest an Tagen, an denen es ihm aus welchen Gründen auch immer nicht so gut geht, sagen können, dass es gewisse Dinge nicht machen kann. Der Reiter/Mensch muss so etwas erkennen und das akzeptieren können. Nur dann ist man ein richtiges Team.

Das erste Jahr im Offenstall

 Das erste Jahr im Offenstall ist meist schwierig, denn das ist die Zeit, die ein Pferd mindestens braucht, um sich einzuleben. Unser Pferd kam dazu aus reiner Boxenhaltung und dann im Nachhinein noch das n/Px, was ja Routine in seinem Leben braucht. Aufgrund der Koliken, der Magen- und Leberproblematik war Raini schon recht schlank. Im ersten Jahr Offenstall ist er dazu noch abgemagert. Es war sicher alles Stress für ihn. Jeden Tag hatte er neue Katscher. Wir haben jeden Tag Blauspray und Creme verwendet. Ich glaube, es gab an dem Stall kein Pferd mit so vielen Verletzungen. Aber wenn man ihn so in der Herde sah, wirkte er sehr viel glücklicher als in seiner Box oder allein mit Sansi auf der Weide. Er kraulte sich mit den Kumpels oder lag und schlief im Stroh, auch alles Zeichen, dass die Pferde sich wohl fühlen.

Die erste heftige Verletzung kam dann auch schon im ersten Monat. Raini hatte eine tiefe, blutende Verletzung am Kopf zwischen den Ohren. Keiner wusste wo die her kam, sie war einfach da. Der Bereich zwischen den Ohren schwoll dann auch an und Raini hatte richtig Schmerzen und brummte dann sogar. Der Tierarzt diagnostizierte eine Gehirnerschütterung. Wir machten bestimmt 2-3 Wochen lang nichts außer Füttern, aber auch das fiel ihm schwer, weil er vor Schmerz nicht einmal vom Boden fressen konnte. Dadurch gewöhnte er sich eine Schonhaltung an und hatte dann direkt mal eine dicke/geschwollene Schulter. Auch da kam der Tierarzt. Auch hier mussten wir länger pausieren. Bestimmt nochmal 3-4 Wochen. Auch hier hatte er starke Schmerzen. Danach fingen wir langsam an, ihn im Schritt zu longieren. Irgendwann, als er nicht mehr vor Schmerz gegrunzt hat beim Antraben, haben wir den Trab dazu genommen und dann irgendwann den Galopp. Alles in allem hat das Ganze mindestens 3 Monate gedauert, bis wir uns dann wieder drauf gesetzt haben. In dieser Zeit holen wir das erste Mal die Osteopatin Petra Kuske, die uns von mehreren Leuten empfohlen wird. Sie gibt uns einige Hilfe für das Training. Raini hat sehr wenig Rückenmuskulatur und da empfiehlt sie uns viel Longieren und auch die Equikinetic zum Muskelaufbau. Generell empfiehlt sie uns Raini mindestens 2x die Woche “rückenfrei” zu arbeiten, also ohne Sattel und Reiter, etwas, was bei uns im alten Stall bei einem gesunden Pferd fast undenkbar gewesen wäre.  


Etwa im Mai zieht die große Herde, also die Warmblüter, ohne die Mausis auf die große Sommerweide um. Wir haben richtig Angst wegen Stress und dem ganzen Gras und Koliken. Aber Raini geht es gut. Seit langem kein Kotwasser mehr, keine Anzeichen von Koliken.Jetzt ist er schon ein Jahr Kolikfrei. Nur zunehmen tut er nicht. Der Tierarzt rät uns mal Kotproben zu sammeln und auf Würmer zu testen, aber es ist alles negativ. Wir füttern ihn dann auf Anraten mal mit Mais Cobs. In der Herde wird so langsam deutlich, dass Rain man so viele Verletzungen hat, weil er Konflikten so gar nicht aus dem Weg geht. Er scheint dadurch im Rang immer weiter aufzusteigen. Offenbar ist er gar nicht so niedrig im Rang wie wir immer gedacht haben. Wir reiten sehr viel aus. Das tut ihm generell gut, weil Ausreiten die einzige Form vom Reiten ist, die ihm Spaß macht und das bergauf und ab ist auch gut für die Muskeln. Wir verlagern auch gerne mal das Galopptraining ins Gelände, denn hier gibt er auch mal Gas. 

Wir dachten im Sommer noch, dass wir jetzt mit dem Gröbsten durch. Im Herbst, kurz vor Ende des ersten Jahres im Offenstall, folgte die nächste schlimme Verletzung: Er hatte hinten links am Sprunggelenk auf einmal eine sehr tiefe Wunde. Es sah aus, als wenn er sich die an einer Litze oder einer anderen Schnur geholt hätte. Er stand auf nur drei Beinen, mit einem Hinterbein angewinkelt in der Luft, als Kerstin ihn auf der Weide fand. Zu zweit mussten sie ihn von der Weide holen. Zum Glück war der Tierarzt da und Kerstin hatte mich sofort erreicht und ich hatte frei und konnte sofort zum Stall kommen. Der Tierarzt hat die Wunde direkt desinfiziert und konnte Antibiotika geben und es muss kurz zuvor passiert sein. Raini kam auf den Krankenpaddok und belastete das Bein schon wieder, als ich kam. Herbert, der Hoftierarzt Herbert Dreesen, sagt, dass das eine lange Geschichte wird, auch wenn wir Glück hatten, dass es noch ganz gut aussieht. Auch wenn die Wunde tief ist, sind weder Sehnen noch Muskeln, noch Knochen und auch nicht das Gelenk betroffen. Er belastet das Bein und läuft einigermaßen normal. Daher will er auch erst einmal nicht röntgen. Die Wunde war sauber und er hat sofort Antibiotika bekommen so dass man davon ausgehen kann, dass es sich nicht entzünden wird. Man kann an dem Gelenk nicht nähen, weil es permanent der Bewegung ausgesetzt ist. Daher bleibt es offen und soll so heilen. Wir müssen es anfangs immer mit dem vollen Wasserstrahl reinigen um auch wildes Fleisch zu verhindern. Er bekommt Antibiose und Schmerzmittel/Entzündungshemmer die ersten Tage und soll auch bis die Wunde zu ist auf dem Krankenpaddok mit eigenem Offenstall bleiben, zusammen mit einem Pony, dass eine Sehnenverletzung hat. Die Wunde sieht schlimm aus und er tut mir einfach nur leid wie er so auf dem Krankenpaddok rum humpelt. Aber er ist immerhin schon in der Lage das arme Pony vom Heu weg zu jagen, damit er an die bessere Stelle kommt. Jeden Tag behandeln wir die Wunde mit Wasser und Desinfektionsmittel und das Gelenk wird erstaunlich schnell dünn und es entzündet sich tatsächlich nichts. Wir gehen jeden Tag spazieren mit ihm und er lahmt schon an den ersten Tagen im Schritt erstaunlicherweise nicht. Daher röntgen wir auch nicht. Traben tun wir die erste Woche nicht. In der zweiten Woche traben wir mal für den Tierarzt und er lahmt nicht, so dass für Herbert klar ist, dass außer der Wunde nichts betroffen ist, wie er anfangs schon vermutet hat. Auf dem Paddock steht nun noch ein Pony und Raini ist der Chef in der Gruppe. Er gewinnt erst einmal an Selbstvertrauen. Aufgrund der ständigen Bewegung dauert es aber wirklich lange, bis die Wunde sich schließt. Nach ca. 2 Wochen wird Raini auf dem Krankenpaddok nervös. Er scharrt wie bei seinen Koliken und rennt im Kreis rum. Als wir ihn einmal zum Spazieren holen hat er so viele Hummeln im Hintern, dass wir ihn erst einmal auf dem Reitplatz laufen lassen müssen. Da entscheiden wir dann, dass wir ihn trotz der offenen Wunde wieder in die Herde stellen, für Herbert ist das ok. Also darf er zurück. Die Osteo kommt nach ca. 4-5 Wochen und  behandelt die Wunde mit dem Laser und siehe da, nach nicht einmal 2 Tagen ist die Wunde zu. Da fangen wir auch wieder an, mit ihm Bodenarbeit zu machen und zu longieren und nach 8 Wochen sitzen wir wieder drauf.


Das war dann tatsächlich die letzte schwere Verletzung, an die ich mich bis zur PSSM2 Diagnose erinnere. Das war auch der letzte Winter, in dem er eine Decke an hatte bis zur PSSM2 Diagnose. Langsam baute er auch körperlich auf. Er hat also mindestens ein Jahr gebraucht, um in der Herde anzukommen und seinen Platz zu finden. Er war da schon recht hoch im Rang. Es gab ein paar Pferde, vor denen er Respekt hatte und die ihn noch verscheuchen konnten. Die werden in den Folgejahren aber immer weniger. Interessant ist, dass die Stallbetreiberin oder auch andere, wenn es um die Entwicklung oder Eingewöhnung von Pferden im Offenstall immer Rainman als Beispiel wählen weil er einfach ganz ganz unten war und permanent verletzt und man den Eindruck bekommen könnte, die Haltung wäre nichts für ihn und nun ist er Chef und strahlt das auch aus.




Mittwoch, 18. Januar 2023

Der richtige Lehrer für Pferd und Reiter

 Ich hatte schon eine ganze Menge Reitlehrer, die bekomme ich alle nicht mehr zusammen. Es waren tatsächlich nicht so viele gute für mich/uns dabei. Einen Reitlehrer hatte ich Jahre lang, ein staatlich geprüfter Berufsreitlehrer der FN, der auch Richter ist. Darauf legte er viel Wert. Ich habe ihm einiges zu verdanken, unter anderem auch, dass wir Raini bekommen haben und ich war auch lange Zeit mit ihm zufrieden. Aber Rain man änderte einiges. All das was der RL immer so an Theorien hatte, funktionierte bei Rain man nicht. Und ich glaubte auch nie daran, dass Rain man mich verarschte, das wusste ich einfach. Er konnte nicht, aus welchen Gründen auch immer. Als wir in den Offenstall zogen, hatte der RL die Idee, dass er zu uns zum Unterricht kommen würde. Warum auch immer, vermutlich war das für ihn mal etwas anderes als immer der langweilige Schulunterricht und die immergleichen Privatreiter. Ich hatte immer den Eindruck, dass er nicht dahin passte und uns alle komisch anschauen wegen dem Mann, aber ich hatte noch immer zu großen Respekt vor ihm, um Nein zu sagen. Wir hatten ihm unser Pferd zu verdanken. Er kam also 1x die Woche und machte mit uns Dressurunterricht. Es klappte eher mäßig. Der Knackpunkt war eine Stunde, die für immer in meinem Gedächtnis bleiben sollte. Aus irgendeinem Grund hatte der RL die grandiose Idee, dass wir auf irgendeinem Turnier starten sollten. Die Saison startete bereits und in der Umgebung gab es ein paar Höfe, die kleinere und größere Turniere ausschrieben. Nur bin ich kein Tunierreiter. “Das ist doch ein Rubinstein, der muss mindestens L gehen.” Warum das jetzt auf einmal in seinem Fokus war, keine Ahnung. Ich könnte mir vorstellen, dass er das als eine Art neues Projekt sah, um dann im alten Stall irgendwann mal erzählen zu können, was er da mit Raini und mir geschafft hat. Naja, ich sagte dazu nichts, schließlich hatte ich noch immer das Gefühl, dass es uns teilweise noch an den Basics wie Lockerheit, Takt usw. fehlte. An einem Tag jedenfalls hatte er die Idee, wir sollten Kurzkehrt üben, das kam ja in irgendeiner Dressurreiterprüfung oder so vor. Pferd kann Vorhandwendung und Schenkelweichen, das wars aber auch. Reiter ist jetzt schon nervös. Hinzu kommt, dass an dem Tag an einer der langen Seite außen an der Halle gearbeitet wird. Und Raini, wie er so ist, regt sich natürlich über alles auf, was er hört, aber nicht sieht und steigert sich mehr und mehr da rein. Natürlich musste das Kurzkehrt auch noch genau an der Stelle der Halle geübt werden, war klar. Reiter ist ultimativ angespannt, das Pferd versteht die Hilfen nicht und ist außerdem noch mit dem Geräusch beschäftigt. Reiter spannt sich noch mehr an, weil RL inzwischen schreit, er kann nicht einsehen, dass das einfach eine dumme Idee war, aufgeben ist nicht. “Dann zieh ihn mal rum, der muss das jetzt lernen” oder  “der kann das, der verarscht Dich nur” schallen durch die Halle. Ich glaube, wir haben 30 min an der gleichen Stelle versucht Kurzkehrt zu reiten und haben dann aufgegeben. Pferd, Reiter und RL frustriert. An dem Tag war mir glasklar, dass das so nicht geht und nie funktionieren könnte und ich habe mich so geärgert, dass ich nicht direkt gesagt habe, dass ich das nicht mache. Das war die letzte Stunde. Der RL sagte auf einmal, dass er an den Wochenenden keine Zeit mehr hat, weil er seine Frau auf Turnier begleiten müsste. Ich denke, er hatte da auch gemerkt, dass es einfach nicht passte. 

Natürlich können Reiter und Pferd mal einen schlechten Tag haben. Es gibt Tage, an denen bin ich verspannt, habe Muskelkater, Kopfschmerzen oder mir ist schlecht, weil ich zu viel gegessen habe oder ich habe irgendein Problem auf der Arbeit oder habe mich gestritten und deswegen schlechte Laune. Dann kann ich mein Training anpassen und den RL vielleicht auch bitten, darauf Rücksicht zu nehmen. Aber was ist mit dem Pferd? Das hat vielleicht an dem Tag nicht ausreichend schlafen können, vielleicht hat es auch Verspannung, etwas schlechtes gegessen, Muskelkater oder hat sich mit irgendeinem anderen Pferd gezofft. Auch darauf muss geachtet werden und dann das Training entsprechend angepasst werden. Wenn irgendeine Übung mal so nicht funktioniert, dann probiert man halt mal etwas anderes. Viele Wege führen nach Rom. Was mir lange Zeit fehlte, war ein Reitlehrer, der mir spezifisch für mein Pferd das Werkzeug gibt/erklärt, es in eine Form zu bekommen, mich möglichst lange gesund zu tragen. Und der Spaß für Reiter und Pferd sollte dabei natürlich auch nicht zu kurz kommen. Ich möchte nicht irgendwelche Lektionen abspulen, weil sie in irgendeiner Aufgabe vorkommen. Für mich ist es wichtig, zu wissen, welchen Zweck die Aufgabe für das Pferd und den Reiter hat. Auch bei den Hilfen ist es wichtig zu wissen, welche Aufgabe diese hat. Und nicht nur das, ich muss auch wissen, wann genau der richtige Zeitpunkt ist, einem Pferd die Hilfe zu geben. Dafür muss ich aber auch wissen, was unter mir passiert, ich muss fühlen können, wann das Pferd welches Bein hebt usw. selten sehe ich Unterricht, der das mit einbezieht. 

Wichtig ist auch der Fortschritt: Ich als Reiter muss merken, dass wir als Team vorwärts kommen bei dem, was wir machen. Ansonsten macht der Unterricht keinen Sinn und man verliert die Motivation. Manchmal hilft hier auch, wenn man jemandem auf das Team schauen lässt, der etwas weiter weg ist und vielleicht auch das Team seltener sieht. Manchmal verfängt man sich in Dingen, die von außen betrachtet einfach leichter sind zu lösen.

Wir haben nach ca. 3 Jahren mit Raini jemanden gefunden, der uns eigentlich nur mit problematischen Dingen wie Hängertraining und anderen Verhaltensproblematiken aushelfen sollte. Mit ihr kamen wir zu den Grundlagen der Bodenarbeit, Longieren, Linefree arbeiten und dann zur akademischen Bodenarbeit und akademischen Reitkunst. Das Beste, was uns passieren konnte. Ab und an nehmen wir dann auch mal an Kursen einer lizenzierten Bent Branderup Trainerin teil und das funktioniert super gut. Raini hat sich noch nie so gut und schnell entwickelt wie im letzten Jahr.





Training

Wie trainiert man ein Dressurpferd, das völlig die Lust an der Dressur verloren hat?

Wir haben so vieles probiert! Einiges hat zum Erfolg geführt, anderes wiederum gar nicht. Wir haben das nicht alleine probiert, immer mit "professioneller" Hilfe. Auch hier haben viele Trainier einfach nicht gepasst, zum Pferd, zum Mensch oder besser zum Team.

Die PSSM2 Diagnose hat dann auch nochmal etwas an Rainis Training verändert. 

Wichtig bei Raini war, dass er es immer schon mochte, ins Gelände zu gehen. Da war nie die Bremse drin, da war er von Anfang an locker und fleißig und hatte Spaß. 

In der Halle aber klappte nichts, er rollte sich ein, war triebig und dazu noch stumpf. Aus der Nummer heraus zu kommen war natürlich nicht einfach. Wir haben sehr lange gebraucht und haben auch irgendwann entschieden einmal komplett auf Null zu gehen.

Das Thema Training ist für einen Post zu viel und ich werde die einzelnen Posts nach und nach hier verlinken.




Dienstag, 17. Januar 2023

Eingewöhnung in die Herde

Wie lange dauert eine Eingewöhnung in einen Offenstall. Ich denke so pauschal kann man das nicht sagen. Es hängt natürlich vom Pferd ab. Kennt das Pferd einen Offenstall? Wie groß war die Herde? Stuten und Wallache getrennt oder zusammen? Rain man kannte, zumindest soweit wir das wussten, keine Offenstallhaltung und er stand bisher auch nur mit Sansibar zusammen. Der neue Offenstall war eine große Herde, mit Stuten und Wallachen gemischt. Rain man wusste zu Anfang rein gar nichts, also nicht, dass er Ohren anlegen kann/muss, traten und beißen kann/muss aber auch nicht, was es heißt, wenn ein anderes Pferd dies tut. Er hatte also eine Menge Macken. Uns wurde immer gesagt, dass es schon so etwa 1 Jahr dauert bis das Pferd angekommen ist. Ich denke ein Jahr kann man mindestens kalkulieren, aber Rain man und Fabi haben beide sicherlich noch ein klein wenig mehr gebraucht, eher so 1,5-2 Jahre bis sie sich wirklich richtig wohl gefühlt haben. Die Folgenden Dinge habe ich in all den Jahren am Offenstall gelernt:




Bei den meisten Stuten ist die Eingewöhnung etwas leichter als bei den meisten Wallachen, zumindest haben die Stuten weniger Macken. Besonders schwierig sind stark rossige Stuten oder sehr hengstige Wallache.

Mindestens eine Woche ist es für die Pferde ganz schwer, wenn man sie dann aus der Herde herausholt, weil sie sich dann erst einmal wieder von der neuen Freiheit trennen müssen. Auch müssen sie dann wieder neu in das Gefüge rein. Oft wiehern sie dann die ganze Zeit. Aber von einem auf den anderen Tag wird es dann schlagartig besser, weil die Pferde dann merken, dass sie wieder zurückkommen. Man muss dann einfach eine gewisse Zeit lang durchhalten. Eventuell holt man sie anfangs nur kurz heraus, zum Füttern z.B. So haben wir das zumindest die erste Woche gemacht.

Es ist generell schwieriger und dauert länger, wenn das Pferd sich nicht nur an eine neue Herde, sondern auch an einen neuen Menschen gewöhnen muss.

Im Sommer, wenn die Pferde mit dem Grasen beschäftigt sind, fällt das Eingliedern leichter.

Raini hatte sehr lange Zeit immer wieder Katscher aber auch schwerere Verletzungen. Er schien aber auch den Konfrontationen nicht aus dem Weg gehen zu wollen. Wir glaubten anfangs, dass er einfach das Sozialverhalten nicht kannte. Er war aber auch ein dünnes Hemdchen und wirkte auch eher wie ein Pferd, das von einem Feind eher als schwächstes Glied in der Herde erkannt würde und ein solches wird sicherlich vom Verband auch gerne mal gemobbt. Im Nachhinein hat Raini sich zu einem der Herdenchefs entwickelt. Vielleicht ist er auch daher damals den Konfrontationen nicht aus dem Weg gegangen. Sicher kann man es nicht sagen. Aber nach ca. 2 Jahren hatte er sich zu einem stolzen Pferd entwickelt. Er war einfach mehr Pferd und hatte auch durch unsere Arbeit mit ihm mehr Selbstvertrauen. Er trat einfach anders auf. Das hat ihm sicherlich geholfen, dass die Pferde mehr Respekt vor ihm hatten. Raini hat in der Herde viele Freunde, die meisten sind Wallache. Er hatte allerdings immer zwei beste Freunde. Sansibar, mit der er ja immer schon zusammen war. Ihre Nähe sucht er gerne, wenn er verunsichert ist wegen irgendetwas. Seit längerer Zeit steht sie wegen Husten in einer anderen, kleineren Gruppe. Im Winter sind die beiden nur durch einen Zaun getrennt und da sieht man sie ab und zu nebeneinander am Zaun stehen. Der zweite war immer Primo, den er auch schon aus dem alten Stall kannte. Die zwei waren lange Zeit wirklich unzertrennlich. Leider hat nach 3,5 Jahren der Primo den Besitzer und damit auch den Stall gewechselt. Da hat Raini lange getrauert. Aber die Herde gab ihm Sicherheit. Wenn man ihn dann aber mal wegen einer Verletzung aus der Herde nehmen muss, das macht ihn dann wirklich nervös. Dann wiehert er, rennt rum, fängt wieder an zu scharren wie bei den Koliken. Er braucht den Herden Zusammenhalt. Auch wenn irgendetwas aufregendes passiert, wie eine Jagd zum Beispiel. Dann ist alles ok, wenn er in der Herde ist, aber sobald man ihn rausholt, wird er nervös. Stellt man ihn zurück in die Herde, ist alles wieder gut. Seitdem Primo nicht mehr da ist, hat Raini immer wieder wechselnde Freundschaften, viele Pferde wollen in seiner Nähe sein. Bei ihm gibt es das beste Futter und Schutz. An manchen Tagen erträgt er die Nähe von manch einem Pferd und am nächsten dann wieder nicht.

 Hier haben wir das erste Jahr von Rain man in der Herde etwas genauer beschrieben.

Donnerstag, 12. Januar 2023

Entscheidung zum Stallwechsel

Wir hatten verschiedene Gründe einen neuen Stall zu suchen. Aber warum standen wir überhaupt bei dem Stall? Ich habe hier als Teenager Reiten gelernt. Also mal abgesehen von den ersten Longestunden als Kind und den ganzen Reiterurlauben war der Stall derjenige wo ich als Jugendliche meine Zeit verbracht habe. Damals standen die Schulpferde sogar noch in Ständern und Teile des Stalls waren aus Denkmalschutzgründen noch vorhanden, da kann man sich sicher vorstellen, dass die Boxen nicht wirklich groß oder hell waren. Nach einer kleinen Auszeit während des Abiturs habe ich während des Studiums wieder angefangen an dem Stall Schulpferde zu reiten. Als ich dann nach dem Studium in Österreich gearbeitet habe, bin ich auch nicht geritten. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich dann wieder dort angefangen zu Reiten. Ich hatte einige Freunde in dem Stall, kannte den Reitlehrer und das Personal und kannte auch ehrlich gesagt keine andere Haltungsformen als diese. Daher war es für mich gar keine Frage wo ich das erste eigenen Pferd unterstelle. Aber durch die Koliken und das Verhalten von Rain man, das uns ganz deutlich zeigte, dass er mehr Weidezeit mit Kumpels braucht, auch im Winter, wurde uns dann doch klar, dass eine Box nicht die richtige Haltungsform ist. Dazu kam dann noch, dass man in dem Stall keine anderen Trainingsmethoden durchführen sollte als das was alle machen, selbst das Longieren eines gesunden Pferdes war in den Augen des Reitlehrers einfach nur Faulheit. Bodenarbeit war Zirkus und jeder der etwas machte, was dem RL nicht gefiel, sollte das besser tun wenn der nicht da war. Als wir dann noch die Verpächterin auf der Weide auf das Jakobskreuzkraut ansprachen, was wir auf der Weide gefunden haben, was vermutlich zu einer Vergiftung und den sehr schlechten Leberwerten unseres Pferdes und die uns sagte, dass das dann nur an der Dummheit unseres Pferdes liegen kann, war klar, dass wir so schnell wie möglich weg mussten. Ich wusste auch immer, dass es ein Offenstall werden würde und die Besitzerin von Rainis Weidepartnerin, Kerstin, hatte einen großen Offenstall in 30 min Entfernung aufgetan. Der Stall bot einen Offenstall mit 24h Weidezugang, das ganze Jahr über, Heu ad Libidum, gemischte, große Herde, mit Halle und Reitplatz, Reiterstübchen, Notfallboxen und Krankenpaddok usw. Es gibt eine Dauerhafte Trennung von den Rentnern und den Pferden die noch geritten werden. Die große Herde wird den Sommer über getrennt in die leichtfuttrigen Mausis, die nicht mit auf die große Sommerweide kommen und auf Diät gesetzt werden und die Warmblüter, die dann im Sommer auf die große Weide kommen und sich dann die erste Zeit vom Gras ernähren und dann wieder Heu dazu bekommen, wenn das Gras abgefressen ist. Hier gibt es keinen Stall aber Weidezelte, die mit Stroh ausgelegt sind zum Schlafen und unterstellen und es gibt außerdem einen kleinen Wald, der Schatten bietet. Im Winter werden die beiden Herden dann wieder zu einer großen zusammen geführt. Da haben die Pferde einen großen Offenstall, der mit Stroh ausgelegt ist und eine sehr große, überdachte Raufe auf asphaltierten Bereich. Dann gibt es ein sandigen Bereich mit einem Weidezelt und dann noch die große Weide. Als wir uns den Stall anschauten, war uns direkt klar, dass es der sein soll. Der und kein anderer. Es war wirklich riesig, so viel Platz den die Pferde zur Verfügung hatten. Wir kamen für beide Pferde einen Monat später einen Platz angeboten, zum 01.11. konnten die beiden einziehen. Witziger Weise zog just an dem Tag an dem wir uns den Stall anschauen ein anderes Pferd aus unserem Stall ein, der sich auch recht gut mit Rain man versteht. Also kündigten wir unsere Box und machten uns damit keine Freunde. Viele wunderten sich, dass man in so einen Offenstall zieht. „Kann man da überhaupt reiten?“ oder „da gehen doch nur Rentnerpferde“ fragten/sagten einige. Der Leiter des Stalles wunderte sich, dass wir mangelnde Bewegung als Grund vorgaben, wo er doch gerade eine Führmaschine baute. Aber für uns war nichts klarer als dass ein Offenstall der einzige Weg war unser Pferd gesund und glücklich zu bekommen. 

Der Tag des Umzugs rückte sehr schnell immer näher. Transport war organisiert und sollte früh morgens stattfinden, damit die Pferde noch den ganzen Tag in der Herde beobachtet werden konnten. In diesem Stall wurden die Pferde immer direkt in die Herde integriert. Das liegt daran, dass es einfach ausreichend Platz gibt. Der Bereich ist einfach riesig und es gibt ausreichend Raufen und Wasserspender, so dass die Pferde immer ausweichen können. Zu dem Zeitpunkt des Einzugs waren die beiden Herden gerade wieder zusammengefügt worden. Am Tag vor des Umszugs haben wir dann noch unseren Spint ausgeräumt und alles erst einmal in unseren Keller gepackt. Wir mussten uns da für die Zukunft etwas überlegen, da wir im alten Schrank einen großen Bundeswehrschrank hatten, in dem wir keinen Sattel oder Trense lagern musste, da wir zwei Plätze in der Sattelkammer hatten, ebenso auch einen Hacken für Abschwitzdecken. Im neuen Stall gab es einen kleinen Metallschrank, in dem alles gelagert werden musste. Nur für das Futter gab es eine Tonne. Aber das war auch der einzige Nachteil. Am Tag des Umzugs ging alles relativ schnell, nur dass wir auf Grund eines Defekts einen anderen Hänger organisieren mussten. Die Pferde stiegen relativ brav und schnell ein und ca. 20 min später haben wir die zwei schon wieder ausgeladen. Wir sollten die beiden durch einen der hinteren Zugänge auf die Weide lassen, damit das nicht direkt alle in der Herde mitbekommen. Die beiden waren sehr überrascht über die Größe und erst einmal völlig überfordert. So viel Gras, so viele andere Pferde. Raini hat direkt die Aufgabe übernommen, Sansi zu beschützen vor allen neuen Pferden, aber es blieb erst einmal ganz ruhig. 




Rain man und Sansibar auf dem Sandpaddock kurz nachdem wir sie in den Offenstall gelassen haben.


Sansibar und Rain man auf einer der großen Weiden, sie sind noch aufgeregt


Bis dann der alte Kumpel Primo auftauchte, der ja ca. 4 Wochen aus dem alten Stall umgezogen war. Der freute sich sehr überschwänglich, seine alten Kumpel wieder zu sehen, sammelte die beiden direkt ein und dann waren sie zu dritt unterwegs. Er schien den anderen beiden gleich alles zeigen zu wollen. Es war wirklich toll anzusehen. Irgendwann verabschiedeten wir uns und verabredeten uns gleich wieder für den selben Abend, um nochmal nach den beiden zu schauen. Abends waren die drei immer noch gemeinsam  und standen auch schon an der großen Raufe. Ich glaube sie konnten ihr Glück nicht fassen endlich in einer großen Herde im freien leben zu dürfen, sich rund um die Uhr zu bewegen zu können, rund um die Uhr fressen zu können, immer Freunde zum spielen und Kraulen zu haben, die aufpassen, wenn man mal ruhen muss. Dass wir diesen Schritt gegangen sind habe ich nicht eine Sekunde lang bereut. 


Sabsibar und Rain man haben ihren alten Kumpel Primo gefunden

  Primo hat den beiden die Raufe und den Stall gezeigt