Mittwoch, 7. Mai 2025

Faszien und MIM

Über MIM und die damit zusammenhängende Muskelproblematik hatte ich hier schon geschrieben. Ein aus meiner Sicht nicht zu unterschätzender Faktor bei MIM Pferden sind aber auch die Faszien.

Aber was sind Faszien eigentlich? Sie Bestehen aus Bindegewebe und sie Umgeben und verbinden Organe und auch Muskeln. Sie sind praktisch über den ganzen Körper verteilt. Sie beinhalten auch Nerven, Blutgefäße und Flüssigkeit wie zum Beispiel Hyaluronsäure. Die Flüssigkeit führt zu einem besseren gleiten der Faszien und umliegenden Gewebe. Faszien haben viele Funktionen: Zum einen umhüllen sie Organe und geben Ihnen Struktur. Außerdem Speichern sie Energie und halten Spannung und Unterstützen damit die Muskulatur. Dann sind dienen sie außerdem der Schockabsorption und schützen damit Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder vor Verletzung. Außerdem sind die Faszien auch mit dem Cranio Sakralem System verbunden, sie leiten den Rhythmus in den gesamten Körper. 

Faszien weisen bis zu 6-10x mehr Rezeptoren auf als Muskeln und daher sagt man auch dass sie eine Art Sinnesorgan sind. In der Bewegung können Faszien daher Dinge wahrnehmen als auch die Information weiter leiten so dass der Körper entsprechend reagieren kann, zum Beispiel wo kann Last aufgenommen werden. Auch das ist ein Schutz vor Verletzungen. 

Wichtige Informationen die ich aus Seminaren mitgenommen habe sind die folgenden:

  • Faszien sind wie in einem 3D System über den ganzen Körper verteilt und man spricht hier auch von dem Tensegrety Modell. Dieses besagt, dass wenn man an einer Stelle eine Beeinträchtigung hat, wirkt sich das auf alle anderen Punkte im System aus. Daher kann ein Problem im Kiefer auch in der Hinterhand sichtbar werden.
  • Wenn man sich das Modell von Vibeke S. Elbrond anschaut, dann treffen sich alle Linien am Pferd am Kiefer. 
  • Verletzungen im Gewebe, also Narben, beeinträchtigen die Bewegung von Faszien, oft kommt es hier zu Verklebungen und einer verminderten Bewegung. 
  • Wenn Muskeln nicht in der Lage sind ihre Funktion korrekt auszuführen, können Faszien dies übernehmen.
  • Sind Muskeln stark und oft verspannt wie bei einem MIM Pferd, werden auch die Faszien beeinträchtigt, es können sich Verklebungen bilden, die wiederum die Beweglichkeit der Muskeln beeinträchtigt, ein Teufelskreis entsteht
  • Faszien und das umliegende Gewebe wie Muskeln zum Beispiel müssen hydriert bleiben. Bei einer normalen Funktion der Faszien verteilt die Flüssigkeit sich durch die Bewegung. Gibt es jedoch irgendwo eine Beeinträchtigung, kann diese Flüssigkeitsverteilung gestört sein. Dadurch kann es zu Verklebungen kommen was wiederum zu Anspannung und Schmerzen führen kann.
 

Aus diesen Punkten geht für mich klar hervor, dass MIM Pferde, die Verspannungen der Muskulatur aufweisen sicherlich auch Faszienverklebungen haben. Raini hat oft eine Thematik mit der dorsalen Linie. Zudem hatte er einen Muskelriss im gluteus wo eine sehr dicke Narbe verblieben ist. Wenn der Muskel verspannt ist, vor allem in der Kälte im Winter, dann fängt Raini an mit dem Bein kürzer zu treten. Ist der Muskel warm, ist dieses Ticken weg. In diesem Bereich verlaufen auch die dorsale Linie wie auch die laterale Linie und die spirale Linie, die auch in die Hinterhand führen. Ich arbeite bei Raini vor dem Training bei diesen Linien, vor allem der dorsalen, mit manueller Massage oder dem Novafon. Das genießt er und das hilft ihm sehr. Außerdem mache ich mit ihm sehr gerne Kauübungen. Am Kiefer treffen sich alle Faszien und daher führt das Kauen bei Pferden auch zu Entspannung. Die Kauübung mache ich auf beiden Seiten indem ich den Finger unter die Zunge lege hinter der Zahnreihe und dann aktiviere ich das Kauen durch berühren der Zunge bis er diese nicht nur vor und zurück bewegt, sondern auch rotiert. Dann lockert das auch das Zungenbein.
Ein weiteres Problem bei Raini sind Decken jeder Art. Sobald man eine Decke vorne an der Brust verschließt ist er komplett angespannt. An der Brust verläuft die Front limb line die auch in die Vorhand führt. Mit verschlossener Decke läuft Raini ganz komisch, er kann dann die Vorhand nicht mehr richtig vorführen. Außerdem fängt er an zu husten. Macht man die Decke auf vorne, geht er wieder normal und das Husten hört auf. Auch hier hilft eine Behandlung mit dem Novafon an der Brust. 
Viele MIM Pferde haben außerdem Probleme beim Gurten. Im Gurtbereich verläuft die Superficial ventral Faszie. Hier haben viele Pferde Verklebungen. Diese Linie führt den Unterhals entlang bis zum Kiefer sowie zur Hinterhand. Gurtzwang kann also sowohl zu einem Verspannten Hals und zu Problemen mit Biegung haben und ebenso mit dem Vorführen der Hinterhand. Auffallend finde ich außerdem dass Pferde mit Gurtzwang gurtet, dass diese sehr oft Gähnen, eventuell auch ein versuch über den Kiefer und den Ansatz der Linie den Bereich am Gurt zu entspannen. Bei Gurtproblematik hilft ebenso, wenn man diesen Bereich zur Palpation oder dem Novafon behandelt und damit die Fluidität der Faszien in dem Bereich wieder erhöht. 



Montag, 5. Mai 2025

Alpha-Liponsäure

 Alpha-Liponsäure (ALA) ist ein weiteres Anti-Oxidans, das gerne auch als Ernährungsergänzungsmittel oder im Bodybuilder Shop angeboten wird. Das Molekül kommt in den Mitochondrien aller Eukaryoten vor und spielt als Anti-Oxidans eine wichtige Rolle im oxidativen Stress.  Es ist ein Co-Faktor für einige Redoxreaktionen, es kann andere andere Anti-Oxidantien regenerieren und es repariert außerdem oxidierte Proteine. Biologisch aktive ist nur das R-Enantiomer.


 Strukturformel von ALA von Jü- Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

Weiterhin ist ALA mit dem Glucose- sowie Fett-Stoffwechsel assoziiert und wird daher auch bei Diabetespatienten eingesetzt. In diesem Zusammenhang wird auch der Schutz von Nervenzellen durch ALA beschrieben. Auch anti-inflammatorische Eigenschaften werden für ALA beschrieben, da es die Ausschüttung von Zytokinen reduzieren kann. Und es kann als Chelator agieren und so zum Beispiel zweiwertige Schwermetallionen binden und so toxische Ionen wie zum Beispiel Blei, Cadmium, Quecksilber neutralisieren. 

Interessanterweise gibt es außerdem Studien, die ALA und Q10 gemeinsam einsetzen, zum Beispiel im Bereich Long Covid oder aber bei Diabetes Patienten.

Im Humanbereich gibt es Studien die zeigen, dass ALA die Muskelregeneration nach Beanspruchung fördern kann. Auch bei der Energieproduktion im Muskel kann ALA unterstützen. 

Ich fand ALA sehr interessant, da es nicht nur einen positiven Effekt auf Muskeln, sondern auch auf Nervenzellen haben kann und außerdem auch der Fakt, dass es gemeinsam eingesetzt wird. Ich habe es bei Raini zunächst mit einem Pulver von reinem R-Enantiomer eingesetzt. Ich bin bis auf 1g hochgegangen. Ich habe nicht einen so großen Effekt festgestellt wie bei Q10 zum Beispiel, hatte aber den Eindruck dass er etwas besser drauf war, so mental meine ich. 

Leider war Raini dann eine Zeitlang verletzt und das Pulver reichte nur für 30 Tage und wir haben auf die Weide umgestellt, so dass ich es nicht weiter verfolgt habe. Ich werde jetzt aber demnächst oder spätestens im Winter nochmal mit Kapseln testen. 

 Ich werde weiter berichten, wenn wir die Kapseln getestet haben.


Literatur:

  • K. Shay et. al: Alpha-lipoic acid as a dietary supplement: molecular mechanisms and therapeutic potential. Biochim Biophys Acta. (Volume 1790, 2009).
  • H. Kahn et. al: α-Lipoic Acid, an Organosulfur Biomolecule a Novel Therapeutic Agent for Neurodegenerative Disorders: An Mechanistic Perspective. Neurochem Res. (Volume 47, 2022).
  • B. Salehi et. al: Insights on the Use of α-Lipoic Acid for Therapeutic Purposes. Biomolecules. (Volume 9, 2019).
  • R. Hsieh: Effects of Oral Alpha-Lipoic Acid Treatment on Diabetic Polyneuropathy: A Meta-Analysis and Systematic Review. Nutrients. (Volume 15, 2023).
  • M.A. Barletta: Coenzyme Q10 + alpha lipoic acid for chronic COVID syndrome. Clin Exp Med. (2022)
  • N.S. Galeshkalami: Alpha-lipoic acid and coenzyme Q10 combination ameliorates experimental diabetic neuropathy by modulating oxidative stress and apoptosis. Life Sciences. (Volume 216, 2019).


Donnerstag, 1. Mai 2025

Kreatin

Kreatin haben wir auch getestet. Man liest es immer wieder in den Facebook Gruppen und auf Instagram und es ist inzwischen auch als Pferdefutter bekannt. Und ja, es wird auch im Bodybuilder Shop angeboten. 

Aber was ist Kreatine überhaupt und was hat es für eine Funktion? Kreatin ist eine Guadinium Verbindung die aus den Aminosäuren Glycin, Methionin und Arginin in den Nieren, der Leber und Bauchspeicheldrüse gebildet wird. 



 Strukturformel von L-Carnitin von Armobarbytal - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

Kreatin ist am ATP Recycling beteiligt, hauptsächlich in Muskel- und Hirnzellen. Es wird vor allem bei hoch-intensiver Nutzung der Muskulatur gebildet. Kreatin selbst kann ein Phosphat übernehmen mit seiner Carboxyfunktion (COOH-Gruppe, im Bild links) und wird dabei selbst zum Kreatinphosphat. Ebenso kann Kreatinphosphat die Phosphatgruppe wieder abgeben auf ADP, wobei ATP entsteht. Das Enzym was diese Reaktion katalysiert ist die Kreatin Kinase (CK). 

 Chemische Reaktion der Phosphorylierung von Kreatin von Hbf878 - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

Die CK ist vermutlich jedem Pferdebesitzer bekannt, der sich schon einmal ein Blutbild vom Pferd angeschaut hat. Der Wert taucht hier nämlich auf, weil er ein Muskelwert darstellt, insbesondere für die Herz- und Skelettmuskulatur. Ist der CK Wert signifikant erhöht, deutet dies auf eine Schädigung dieser Muskulatur hin. Bei Kreuzverschlägen oder aber bei PSSM2 Pferden im Schub ist der CK gerne mal erhöht. Eine Supplementierung von Kreatin soll zur Ausbildung der Muskulatur helfen sowie bei der Regeneration. Wir haben es bei Rain man getestet und sind bis zu 25 g hoch gegangen. Wir haben wenig Effekt gesehen oder zumindest nicht einen solchen Effekt wie bei Carnitin oder gar bei Q10. Eventuell müsste man noch höher dosieren, allerdings sagt man im Humanbereich, dass das schon mal auf die Nieren gehen kann, zumindest bei Menschen mit Vorerkrankung der Nieren. Das Ganze ist umstritten, aber da Raini schon mal Probleme mit Leber und Nieren hatte, war mir das Ganze zu heikel. Daher füttern wir es jetzt nicht mehr.

Literatur:

  1. M. Hall et.al.: Creatine Suppplementation: An updateCarr Sports Med Rep. (Volme 20, 2021)
  2. F. Farshidfar et. al.: Creatine Supplementation and Skeletal Muscle Metabolism for Building Muscle Mass- Review of the Potential Mechanisms of Action. Curr Protein Pept Sci  (Volume 18, 2017).

  3. J. Vega et. al: Effects of creatine supplementation on renal function. Rev Med Chil. (Volume 147, 2019).

Dienstag, 29. April 2025

Actyl-L-Carnitin und Carnitin

 L-Carnitin (CAR) und Acetyl-L-Carnitin (ALCAR) wird gerne als Zusatzstoff für MIM Pferde empfohlen, wobei ALCAR etwas bekannter ist, soweit ich weiß. Beide sind chemisch sehr ähnlich und sind metabolisch am gleichen Prozess beteiligt. 




Strukturformel von L-Carnitin von NEUrotiker - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original



Strukturformel von L-Carnitin von Edgar181- Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

CAR ist eine Aminosäureverbindung die aus Lysin und Methionin gewonnen wird. Der Körper kann sie selbst synthetisieren, soweit die Ausgangssubstanzen in ausreichender Menge vorhanden sind. 

CAR spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel, vor allem bei Muskelzellen. Carnitin transportiert Fettsäuren vom Cytosol in die Mitochondrien, wo diese verstoffwechselt werden zur Energiegewinnung. Das heißt Carnitin ist notwendig für die Verstoffwechselung von Fettsäuren zur Energiegewinnung, was insbesondere für Muskelzellen während Belastung. Hierbei wird L-Carnitin zu Acetyl-L-Carnitin und liegt dann so im Mitochondrium vor. 

Neben der Energiegewinnung während Belastung sagt man CAR auch nach, dass es Schäden an der Muskulatur verhindert und damit auch die Muskelregenerierung nach Belastung erleichtert und Verspannungen verhindert.

Grundlegend kann man also sagen dass CAR und ALCAR in den Zellen in einem Gleichgewicht vorliegen und ineinander umgewandelt werden können. Aber was ist der grundlegende Unterschied?

ALCAR ist die Acetylierte Form von CAR, das heißt eine Hydroxy-Funktion ist durch eine Acetylgruppe ersetzt, was zu einer ganz anderen Eigenschaft des Moleküls führt. So hat ALCAR eine bessere Bioverfügbarkeit und kann auch die Blut-Hirn-Schranke passieren. ALCAR soll aber zusätzlich ähnliche Effekte wie CAR bei den Muskelzellen haben. Daher sagt man, dass CAR eher für die Unterstützung als Energiestoffwechsel und Schutz und Regeneration der Muskeln eingenommen werden kann und ALCAR kann zusätzlich noch einen Effekt auf kognitive Fähigkeiten sowie die Psyche haben. 

Da das natürlich alles auf den Humanbereich bezogen ist, habe ich beides ausprobiert. Ich habe mit ALCAR angefangen, denn das ist als Pferde-Zusatzfutter auch schon bekannt, zumindest im englischsprachigem Raum. Ich habe es aber bei Buxtrade (ein Bodybuilder Shop) bestellt, weil es da um einiges günstiger ist. Für Pferde ist eine Gabe von 10 g empfohlen, daher habe ich ALCAR auch bis 10g getestet. Dann habe ich außerdem 5g ALCAR + 5 g CAR und dann noch 10g CAR getestet. Ich habe beides vor der Arbeit und auch mal nach der Arbeit verabreicht:

  • Ich konnte keine Unterschiede beobachten, ob ich ALCAR, CAR oder die Mischung verabreicht habe
  • Ich konnte kaum einen Unterschied beobachten, wenn ich beides vor oder nach der Arbeit gegeben habe. Eventuell war er etwas lockerer wenn er es vor der Arbeit bekommen hat, aber das war dann nur ein minimaler Effekt, der auch durch irgendetwas anderes ausgelöst werden konnte
  • Ich hatte den Eindruck dass Rain man entspannter wirkte und die Muskeln deutlich lockerer waren (ich habe das Ganze im Winter getestet und er hatte keine Decke an). Er war jedoch nicht fleißiger oder aktiver oder aufgedrehter, wie er es durch Q10 oder Vitamin E ist.
  • Alcar riecht komisch, Metalldosen und Löffel rosten mit der Zeit und das Ganze schmeckt scheinbar nicht so gut auf Dauer.

Ich habe es dann erst einmal abgesetzt, weil der Effekt nicht so super auffällig war wie bei Q10 zum Beispiel und ich noch andere Zusätze testen wollte und Wechselwirkungen erst einmal ausschließen will. Ich glaube, dass es gut für Lockerheit und entspannte Muskulatur sowie Regeneration sein könnte und ich werde es definitiv im Winter nochmal einsetzen. 
Ich würde mich bei Raini jetzt für CAR entscheiden, da günstiger und es wird auch besser gefressen von ihm, zumal ich keinen Unterschied bei den beiden feststellen konnte. Wer ein ganz hibbeliges und unkonzentriertes Pferd hat, fährt eventuell mit ALCAR besser. 

Literatur:

  1. Borum, P.R. CarnitineAnn. Rev. Nutr. (Vulme 3, 1983)
  2. Shy Cian Khor et al.: Vitamin E in Sarcopenia: Current Evidences on Its Role in Prevention and Treatment. Oxidative Medicine and Cellular Longevity (Volume 2014; 2014) 
  3. P.R.Borum: The Role of Carnitine in enhancing physical performance. Food components to enhance performance: an evaluation of potential performance-enhancing food components for operatonal rations (Volume 11, Issue 2; 1991)
  4. Anna Montesano et. al.: Potential therapeutic role of L-Carnitine in skeletal muscle oxidative stress and atrophy conditions. Oxid Med Cell Longev (2015).
  5. Sarah E. Seiler et.al: Carnitine acetyltransferarse mitigates metabolic inertia and muscle fatigue during excercise. Cell Metabolism (Vol. 22, 2015)

Donnerstag, 24. April 2025

MIM (PSSM2) detailliert beschrieben

Ich hatte es ja schon in einem anderen Beitrag geschrieben: Auch mir als Chemiker fehlt oft die biologische Basis um alles rund um MIM zu verstehen. Ich bin in anderen Beiträgen schon detailliert auf die einzelnen Varianten P2 und PX eingegangen aber auf den Muskel an sich und die Auswirkung noch nicht. Die meisten der bekannten Mutationen wie z.B. P2, P3 und P4 führen, wenn sie "ausbrechen", zu Strukturdefekten in der Muskulatur. PX zum Beispiel aber wiederum nicht, das ist jedoch in einem anderen Beitrag beschrieben. Dieser Teil hier ist also nur für die Varianten relevant, die zu Muskelstrukturdefekten führt.

Skelettmuskulatur besteht aus Sarkomeren als kleinste funktionelle Einheit. Die wichtigsten Strukturproteine, die das Sarkomer bilden, sind Aktin, Myosin und Titin, das hat man sicherlich schon mal gehört. Sarkomere werden von den Z-Scheiben begrenzt. Z-Scheiben werden auch Z-Linien oder Z-Streifen genannt. Sie sollen der Stabilisierung der Aktin- und Myosin-Filamenten dienen. Sie organisieren die Myofibrillen und sorgt für die korrekte Ausrichtung der Aktinfilamente, was essentiell ist für die Muskelkontraktion. Die Z-Scheiben sorgen somit für die Struktur der Muskulatur und sind auch maßgeblich an der Muskelkontraktion und damit Funktion der Muskulatur beteilig.


 Skelettmuskulatur von Raul654 - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

P2, P3 und P4 sind Mutationen, die zu einem Veränderten Protein der Z-Scheibe führen können. Das Wiederum führt zu Defekten in der Z-Scheibe, was natürlich die Struktur und Funktion der betreffenden Muskulatur beeinträchtigen kann.

Besser vorstellen kann man sich das Ganze vielleicht auch wie bei einem Muskelkater. Hier findet man nämlich Mikrorisse in den Z-Scheiben. Bis zu 30% der Z-Scheiben können bei einem Muskelkater Defekte aufweisen. Bei mehr als 30% spricht man dann schon von einem Muskelfaserriss. Bei einem Muskelkater, ausgelöst von Mikrorissen in der Z-Scheibe, hat man nicht nur Schmerzen in der Bewegung und ist Druckempfindlich an der entsprechenden Muskulatur, sondern ist auch steifer. Wärme und Entspannung tut hingegen gut. Ich glaube das ist ein sehr guter Vergleich. Man weiß natürlich nicht wirklich, wie sich MIM tatsächlich für die betroffenen Pferde anfühlt, aber ich stelle es mir ähnlich wie Muskelkater vor. Die Intensität hängt dann sicherlich auch davon ab, wie viel von dem defekten Protein in der Muskulatur tatsächlich vorkommt.  Hinzu kommt dann noch die sonstige Konstitution und der Trainingszustand des Pferdes. Ein Pferd das viel Muskulatur hat, kann ein paar defekte Muskelzellen sicherlich besser kompensieren als ein Pferd mit wenig Muskulatur. Ein Pferd mit anderen Baustellen wie ECVM, Kissing Spines oder vielleicht auch nur eine Fehlstellung oder Fehlbearbeitung der Hufe kann Muskeldefekte schlechter kompensieren als ein gut ausbalanciertes Pferd das weniger Baustellen hat. Und daher ist MIM bei vielen Pferden eben auch so unterschiedlich ausgeprägt. Bei den einen merkt man gar nichts obwohl sie viele Varianten haben und dann bei anderen mit nur einer Variante ist das Pferd hochsymptomatisch. 


Dienstag, 11. März 2025

Vitamin E

Vitamin E ist eines der bekanntesten Zusätze bei den PSSM2/MIM Pferden. 
Vitamin E wird meist als Sammelbegriff für alle Tocopherole verwendet. Die wirksamste
Substanz ist das (RRR)-α-Tocopherol. Die meisten meinen genau die Substanz, wenn sie von
Vitamin E sprechen, und ich meine in diesem Beitrag auch das (RRR)-α-Tocopherol, wenn ich
Vitamin E oder Tocopherol schreibe.



Strukturformel von (RRR)-α-Tocopherol von Jü - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original



Vitamin E gehört zu den fettlöslichen Vitaminen, insbesondere auf Grund der langen,
aliphatischen Kette als auch des Phenolrings. Die Struktur des Moleküls lässt schon
vermuten, dass es eine anti-oxidative Funktion hat und das ist auch die bekannteste bzw.
Hauptfunktion des Vitamin E: Es schützt Zellen vor oxidativem Stress, indem es freie Radikale
abfängt und neutralisiert. Oxidativer Stress kann viele Ursachen haben wie zum Beispiel eine
unausgeglichene Ernährung, eine chemische Belastung, Verletzung oder aber auch eine
anstrengende physische Belastung. Gerade in beanspruchter Muskulatur werden reaktive
Sauerstoff Spezies (ROS) wie zum Beispiel Superoxidanionen oder Hydroxyl-Radikale gebildet
was zum Beispiel zu Protein oder Lipidoxidation führen kann und was dadurch die
Zellfunktion und Stabilität beeinträchtigen kann. Daher ist Vitamin E gerade für Muskelzellen
relevant. Vitamin E ist außerdem auch für die Stabilität der Membran von Zellen relevant,
weil es die Packung der einzelnen Membranbestandteile beeinflusst und stabilisiert. Und
auch hier schützt es die Lipide vor Oxidation. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass ein Defekt
an der Aufnahme an Vitamin E durch unterschiedliche Ursachen zum Beispiel zu
Muskelatrophie und Myopathie führen kann, aber das Ganze wird kontrovers diskutiert.
Des Weiteren wird Vitamin E auch eine Rolle in der Signalweiterleitung der Zelle
zugeschrieben, was wiederum einen Einfluss auf die Genexpression der Zellen haben kann.
Vitamin E bindet dabei bestimmte Enzyme und aktiviert bzw. inhibiert diese.
Auch im Immunsystem, insbesondere bei Entzündungsreaktionen, spielt Vitamin E eine
Rolle, indem es die Funktion der T-Zellen beeinflusst und auch NK-Zellen aktivieren kann.
Interessant fand ich hier, dass man hier insbesondere auf respiratorische Erkrankungen bzw.
allergische Erkrankungen wie Asthma eingegangen ist.
Wie schon geschrieben ist Vitamin E fettlöslich, daher wird beschrieben, dass es leichter
aufgenommen wird, wenn Fett in der Nahrung vorhanden ist (Bsp. Öl). Es wird in der
Literatur beschrieben, dass auch das veresterte Vitamin E aufgenommen werden kann, da
die Ester zuvor hydrolysiert werden. Und angeblich gibt es keinen Unterschied in der
Bioverfügbarkeit des Esters verglichen zum freien Tocopherol. Vitamin E wird dann im Darm
aufgenommen und hier wird noch genauer untersucht, ob dies durch passive Diffusion oder
ob der Transport durch andere Proteine oder Rezeptoren vermittelt wird. Dann wird es
vaskulär zur Leber transportiert, wo es mit dem α-Tocopherol-transfer Protein verbunden
wird. So gelangt es dann in die Zellen, also den Wirkort. Wenn das Vitamin E einmal ein
Radikal abgefangen/neutralisiert hat, wird es dabei selbst oxidiert und verliert dadurch seine
Funktion. In der Zelle gibt es jedoch Mechanismen zum Recycling von Vitamin E, wobei 
andere Antioxidantien das oxidierte Vitamin E wieder in seine ursprüngliche Form
reduzieren. Als eine mögliche Substanz wird hier die α-Liponsäure diskutiert.
Was sind meine Gedanken zu und Erfahrungen mit Vitamin E: In meiner Zeit als ich noch im
Bereich Zellstoffwechsel geforscht habe, ist mir das Vitamin E nicht wirklich
untergekommen, im Gegensatz zum Co-Enzym Q10. Wir haben jedoch im während meiner
Zeit im Bereich der Arzneimittelproduktion Vitamin E gerne als Antioxidans den Tabletten
beigefügt, um den Wirkstoff vor Oxidation zu schützen und haben auch in dem Zuge ein paar
Studien zum Metabolismus gemacht. Aus meinem Verständnis hat Vitamin E ein großes
Potential als Anti-Oxidans und kann damit vor allem einen Einfluss auf die Funktion und
Stabilität von Muskelzellen haben. Da MIM Pferde oft Probleme mit der Stabilität und
teilweise Funktion/Regernation der Muskeln haben, vor allem bei P2, P3, P4 macht es Sinn
Vitamin E als Ergänzung zu testen.
Bei Rain man habe ich verschiedene Vitamin E Produkte getestet und hatte bisher die beste
Erfahrung mit den Mowivit Kapseln. Ich kann leider nicht genau sagen, woran das liegt, fürchte aber, dass sich das Pulver nicht so gut dosieren lässt und vielleicht auch bei den geringen Mengen die man verfüttert vielleicht auch nicht immer alles im Magen ankommt.
Ich verfüttere Raini das Vitamin E, zusammen mit dem Q10 in seinem Schlonzi vor der Arbeit,
in dem wir auch Öl hinzufügen. Im Moment, also im Winter, haben wir das beste Ergebnis
bei 3 der Mowivit 1000er Kapseln. Ich gebe die Kapseln komplett ins Futter und er frisst sie so
mit. Ab 4 Tabletten wird er etwas Spooky und dadurch habe ich auch feststellen können,
dass das die Wirkung so nach ca. 1,5 h merkbar wird. Und das ist auch in etwa der Zeitpunkt,
bei dem wir das warm up beenden und in die Arbeit über gehen. Im Sommer, wenn er auf
die Weide geht, würde ich überprüfen, ob wir die Menge an Kapseln reduzieren können oder
müssen. Ich habe bei Rain man einen viel größeren Effekt bei Q10 erlebt, also zumindest was
seine Lockerheit bzw. Losgelassenheit angeht, insbesondere auch was seine Psyche angeht.
Allerdings war dieses Jahr das erste Jahr, dass Raini ohne Decke ausgekommen ist, eventuell
hatte da das Vitamin E auch einen Einfluss drauf und er hatte auch das erste Mal kein Husten
im Winter. Da Vitamin E auch einen Effekt auf die Lunge und Atmung haben kann, wäre das
durchaus möglich, jedoch at sicherlich auch das „Auslassen“ der Decke einen großen
Einfluss, da Raini sich sehr eingeengt von Decken fühlt, weil die auf seine Brust drücken und
auch einen Einfluss auf das Zungenbein hat. Wenn man Raini auch nur eine leichte
Fliegendecke anzieht und vorne zumacht, fängt er gerne mal an zu Husten. Wir testen
aktuell noch den Effekt von α-Liponsäure aber haben hier noch keine Ergebnisse und werden
das in einem anderen Beitrag beschreiben.


Nachtrag: 
Wir haben aktuell im Sommer mal versucht die Tabletten von Mowivit durch das Vitamin E Pulver von Horseflex zu ersetzen. Wir hatten das schon mal gefüttert und da hatten wir des Häufiger mal Probleme mit einem total unausgeglichenem Pferd, das beim Spazieren ohne Grund eskaliert ist. Ich hatte damals das Gefühl, dass das ein Dosierungsproblem mit dem Pulver war. Nun hatten wir beim Einschleichen wieder das Problem, dass ich auf einmal einen steigenden Rain Man an der Hand hatte und er ist zuvor nie gestiegen. Ich hab dann nochmal nachgerechnet und gesehen, dass ich mich bei einer Stelle vertan habe und ich ihm zu viel gegeben habe. Jetzt aktuell passt es ganz gut und ich denke wir werden bei einer Mischung aus beidem bleiben, hier mal eine kleine Zusammenfassung:


  • Mowivit Kapseln haben 1000 I.E. (Internationale Einheit) pro Kapseln, sowie 371 mg (R,R,R)-alpha-Tocopherol pro Kapsel und im Durschnitt kostet eine Kapsel 0,34€
  • Das Pulver von Horseflex enthält ca. 339 I.E./g und 280 mg/g des Vitamin E. Somit kostet eine Einheit (1000 I.E.) 0,26€
  • Das Vitamin E (3A700) von Horseflex besteht streng genommen aus Tocopherol Acetat. Das heißt die OH-Gruppe in der oben gezeigten Struktur ist verestert. Daher ist es streng genommen ein Provitamin, dass im Körper von Esterasen zu Vitamin E umgewandelt wird. Während es Stimmen gibt, die behaupten, dass das Acetat nicht biologisch aktiv oder nur mäßig biologisch aktiv sein soll, zeigen Studien, dass es eine vergleichbare Aktivität zu der des Alkohols aufweist. 
  • Das Pulver lässt sich auch in kleinere Einheiten teilen, während die Tabletten nur in 1000er I-E. verfüttert werden können
  • Nicht alle Pferde essen die Kapseln. Rain man isst sie, verliert aber selten mal eine beim Fressen, dann fehlen ihm aber gleich 1000 I.E.
  • Bei dem Pulver werden nur sehr kleine Mengen dem Futter zugemischt, (3g pro 1000 I.E.), da bleibt gerne mal etwas im Trog hängen, im Vergleich zu der Kapsel kommt also nicht immer alles im Pferdemagen an
Wir haben es jetzt so geregelt, dass wir dem Futter 6 g des Horseflex Vitamin E zugeben (das sind dann 2034 I.E.). Zusätzlich bekommt er regulär noch 1 Kapsel Mowivit. Wir lagern das Mowivit im Spint und wenn etwas besonders anstrengendes ansteht oder es besonders kalt ist zum Beispiel, können wir noch eine weitere Kapsel geben. 


Literatur:

  1. Ching Kuang Chow: Vitamin E and oxidative stress. Free Radical Biology and Medicine (Volume 11, Issue 2; 1991)
  2. Shy Cian Khor et al.: Vitamin E in Sarcopenia: Current Evidences on Its Role in Prevention and Treatment. Oxidative Medicine and Cellular Longevity (Volume 2014; 2014) 
  3. L G Tomasi. Reversibility of human myopathy caused by vitamin E deficiency. Neurology (Volume 8, 1979)
  4. Jean-Marc Zingg: Vitamin E: A Role in Signal Transduction. Annual Review Nutrition (2015)
  5. Erin Diane Lewis et al.: Regulatory role of vitamin E in the immune system and inflammation. IUBMB Life (Volume 71 (4) 2018)
  6. Ga Young Lee and Sung Nim Han: The Role of Vitamin E in Immunity. Nutrients (Volume 10 (11). 2018)
  7. Corrine Hanson et al.: Serum Tocopherol Levels and Vitamin E Intake are Associated with Lung Function in the Normative Aging Study. Clinical Nutrition (Volume 35 (1). 2015)
  8. Emmanuelle Reboul: Vitamin E Bioavailability: Mechanisms of Intestinal Absorption in the Spotlight. Antioxidants(Volume 6(4). 2017)
  9. Lisa Schmölz et al.: Complexity of vitamin E metabolism. World J Biol Chem. ( Volume 7(1) 2016)
  10. Oscar Gonzalez-Pereza and Rocio E. Gonzalez-Castaneda: Therapeutic perspectives on the combination of alpha-liponic acid. Nutr. Res. (Volume 26 (1) 2006)

Futteranpassung die Zweite

Wir haben das Futter mehrfach angepasst und wir testen auch weiterhin diverse Zusätze. Wir hatten auch eine professionelle Futterberatung durch jemanden, der sich mit PSSM2 auskennt, der das Futter basierend auf einer Heu Analyse sowie den Blutbildern angepasst hat. Wir haben uns außerdem selbst weiter gebildet um nun immer wieder das Futter anpassen zu können zum Beispiel beim Wechsel auf die Weide bzw. zurück zu Raufutter am Stall.

Bei uns hat es etwa 2 Jahre gebraucht bis wir bei einer guten Basis an Futter waren, bei der sich dann auch eine deutliche Verbesserung bei Raini zu erkennen war. Auf dieser Basis haben wir dann angefangen verschieden Zusätze zu testen. Unser aktuelle Futterplan stelle ich hier einmal dar. 

Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass die Fütterung der PSSM2 sehr individuell ist und von der Haltung, dem Grundfutter (Heuanalyse), der Belastung des Pferdes, der MIM Varianten und der sonstigen Gesundheit abhängt (Blutbild). Raini hat vor allem einen Empfindlichen Darm und gerne mal Kotwasser, darauf mussten wir bei der Futtereinstellung achten. Außerdem hatte er mal eine Vergiftung durch JKK und daher schlechte Leberwerte und auch das mussten wir mit betrachten. Wir haben außerdem bei der Proteinmenge festgestellt, dass er nicht so viel Protein verträgt wie andere MIM Pferde und auch nicht alle Sorten an Protein. Er hatte im letzten Sommer nämlich etwas schlechtere Nierenwerte auf Grund von erhöhten Proteinmengen und als wir es mit Soja probiert hatten, hat er Regenekzem und andere Hautprobleme bekommen. Jeder muss also für sein spezifisches Pferd einen Futterplan erstellen auf Basis der ganzen Informationen. Dennoch möchte ich hier unseren aktuellen Futterplan nennen, damit man einmal schauen kann, was wir unserem n/p2 n/px Wallach füttern und auch wie sich das Futter mit der Zeit geändert hat.


Raini bekommt insgesamt zwei Futter Portionen. Die eine vor der Arbeit: Diese Portion besteht aus einem Schlonzi für seinen empfindlichen Magen & Darm und mit den Zusätzen, die er für die Bewegung braucht wie Magnesium, Q10 und Vitamin E. Nach der Arbeit bekommt er die zweite, größere Portion mit dem ganzen Rest. Im Sommer passen wir das Futter immer etwas an, weil Raini dann auf der Weide steht und viel Gras und nur wenig Heu frisst. 

Bei dieser Zusammensetzung hatten wir nie Probleme dass Raini das Futter nicht frisst, was wir bei Soja zum Beispiel hatten. Wir testen aktuell noch weitere Zusätze, die ich hier noch nicht aufgeführt habe.