Dienstag, 16. Januar 2024

Rainis Wandlung in der Herde

Raini war immer ein eher zurückhaltendes, in sich gekehrtes Pferd. Das erste Jahr in der Herde ist er immer wieder gebissen, getreten und verjagt worden. Er sah aus wie ein Flickenteppich. Wir haben uns da immer gefragt, ob er die anderen Pferde nicht versteht und daher der Konfrontation nicht aus dem Weg geht. Doch es entwickelte sich anders. Wir hatten ja auch angefangen akademisch zu arbeiten und aus dem schlurfenden, kleinen ängstlichen Wallach wurde mehr und mehr ein Pferd, das sich auch schon mal stolz aufrichtete und ein paar Muskeln zeigte. Und das nahm er mit in die Herde. Mehr und mehr bekam ich Bilder und Videos davon wie Raini mit anderen Wallachen spielte. Ich  hatte ihn nie zu vor Steigen sehen, im Spiel machte er das scheinbar regelmäßig. Er galoppierte buckelnd über die Weide und verjagte dann und wann auch mal Pferde von der Raufe. Und dann arbeitete er sich mehr und mehr hoch. Er war auf einmal hauptsächlich mit ranghohen Wallachen zusammen, durfte an die besseren Fressplätzen und schlief unter Beobachtung von ranghöheren Tieren. So ergab es auch Sinn, dass er den Konfrontationen nicht aus dem Weg gegangen ist. Er wollte Chef sein. Inzwischen gehört er zu den ranghöchsten Wallachen in der Herde und kann die meisten Wallache vertreiben. Bei dem ein oder anderen hat er etwas Respekt, aber da ist er eher gleich auf, mal gewinnt der eine die Diskussion und mal der andere. Bei den Stuten ist das anders, da gibt es schon ein paar mehr vor denen er weicht. Ich glaube die versteht er auch nicht so richtig. Und er ist eh lieber von Wallachen umgeben. Die ein oder andere Stute mag ihn, aber er hält sie auf Abstand. Nur seine Freundin Sansibar, die darf in seine Nähe.

Ich habe den Eindruck, dass Raini in der Herde gerne kontrolliert und eine Art Kontrollfunktion hat. Er macht auch jeden Tag seine Runde auf der Weide, egal welches Wetter herrscht und auch wenn er das alleine machen muss. Und ein paar mal habe auch auch schon gesehen, dass er alle von unten an der Weide hoch geschickt hat, vermutlich weil er irgendeine "Gefahr" gesehen hat. Es gab auch schon zweimal die Situation, dass sich zwei Pferde gezofft haben und er dann dazwischen gegangen ist. Er hat einfach da gestanden, zwischen den beiden Stuten und dann haben die beiden sich umgedreht und sind mit ihrer Gruppe verschwunden. Ganz interessant, ich liebe es, die Herde zu beobachten. Leider nimmt man sich dafür immer viel zu wenig Zeit. Im Stall muss Raini aber auch immer die Ausgänge oder mindestens einen davon beobachten, ansonsten steht er nicht still und will immer an eine Stelle gehen, wo er alles im Auge hat. 

Ich glaube, dass für sein neuen Selbstbewusstsein auch ein wenig die neue Arbeit ist, die wir mit ihm machen. Wir arbeiten steig an seiner Form und ermutigen ihn eine Stolze Form anzunehmen und das nimmt er auch mit. Auch wenn er nicht im Training ist, sondern in der Herde, steht er inzwischen anders da. Und das ist etwas, was viele Leute berichten, die angefangen haben akademisch zu arbeiten und das ist in meinen Augen auch das beste an dieser Art zu Trainieren, diese Kunst. Man macht nicht irgendwelche Übungen weil die in einem Lehrbuch stehen in der einen Stunde irgendwie. Man macht Übungen, die das Pferd Formen, ihm Balance geben und Stolz.  




Sonntag, 14. Januar 2024

Coenzym Q10

Coenzym Q10 - was ist das genau und was bringt es? Coenzym Q10 ist chemisch gesehen ein Lipid, wenn auch ein ungewöhnliches, weil es einen Benzo-chinon Ring beinhaltet. Insgesamt gibt es drei Strukturen von dem Molekül, von denen zwei so stabil sind, dass sie isloliert werden können: Das Ubiquinon ist die oxidierte, Ketoform des Moleküls und Ubiquinol die reduzierte Hydroxiform. Das Molekül hat eine hydrophobe Seitenkette unterschiedlicher Länge, bei Q10 sind es eben 10 Einheiten. Es gibt noch mehr Varianten, wie z.B. Q9, mit 9 Einheiten in der Seitenkette. Q9 kommt auch im humanen Organismus vor, wenn auch in geringeren Mengen wie das Q10. Die hydrophobe und damit lipophile Seitenkette lässt vermuten, dass das Molekül hauptsächlich in der Membran lokalisiert ist. 



Strukturformel von Ubiquinon von Sponk - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

Strukturformel von Ubiquinol von NEUROtiker - Eigenes Werk, Gemeinfrei: Original

Generell kommt es ubiquitär, das heißt überall im Organismus vor, sowohl in der reduzierten, als auch in der oxidierten Form. Der Organismus kann die beiden Formen ineinander umwandeln und genau das ist auch die Grundlage für die Funktion dieses Co-Enzyms: Zum einen ist Q10 ein wichtiger Bestandteil der Atmungskette im Mitochondrium, dem Kraftwerk einer Zelle. Das in der Mambran vorliegende Ubiquinon übernimmt von dem NADH, das aus der Nahrungsumwandlung im Katabilismus erzeugt wurde, Elektronen und Protonen und wird so selbst zum Ubiquinol reduziert. Auf der anderen Seite der Membran gibt es Protonen ab, die positiv geladen sind. So entsteht an der Membran ein elektrochemisches Potential, das zur ATP (=Energiegewinnung) genutzt wird. Q10 ist somit direkt an der Energiegewinnung beteiligt, darum wundert es nicht, dass es am häufigsten in den Organen mit hohem Energiebedarf vorkommen wie Herz, Niere und Leber. Aber auch im Muskel ist Q10 in hoher Konzentration vorhanden. Dea Weiteren agiert Q10, ähnlich wie Vitamin E, als Antioxidans bzw. Radikalfänger. Bei oxidativem Stress entstehen Radikale in einer Zelle, die Proteine, Lipide und DNA schädigen können. Hier ist die reduzierte Form notwendig, denn diese fängt die radikale ab und wird dabei selbst oxidiert. Interessant zu erwähnen ist hierbei, dass Ubiquinol z.B. auch oxidiertes Vitamin E wieder regenerier. Man konnte auch feststellen, dass Blutzellen, wie Leukozyten z.B. eine Erhöhte Aufnahme von Q10 aufweisen, wenn dieses supplementiert wird und so DNA Schäden in den Zellen verringert wird. Auch konnte gezeigt werden, dass die erhöhte Q10 Konzentration im Plasma mit einer erhöhten Aktivität von Killerzellen korreliert. Somit ist Q10 auch Immunsystem aktiv. Auch soll Q10 endotheliale Funktionen haben, was eine Studie mit Typ 2 Diabetikern zeigte. Es werden noch viele weitere Funktionen  diskutiert wie z.B. die Signaltransduktion. Wichtig zu erwähnen ist z.B. auch noch, dass Q10 auch mit den Spannungs-abhängigen Calciumkanälen und damit den Nerven in Verbindung gebracht werden, was es vielleicht gerade für PX Pferde interessant macht.

Aber was genau bringt Q10 denn jetzt eigentlich einem PSSM2 Pferd? Das kann man so genau jetzt nicht sagen, weil es hier kaum Studien gibt. Im Humanbereich wird Q10 aber bei Myopathien, insbesondere der Cardiovaskulären Myopathie eingesetzt. Gibt man da jetzt Ubiquinon oder Ubiquinol? Der Literatur nach soll das egal sein, Bei den meisten Studien wurde das Ubiquinon verwendet. Letzten Endes kann der Organismus ja auch beide Formen ineinander umwandeln. Was allerdings einen Unterscheid macht ist das Vehikel und zwar soll die Aufnahme am besten aus Kapseln erfolgen. 

Ich habe bei Rain man Folgende Produkte ausprobiert: Von St. Hippolyt das Nano Shot Q10, von Bulk das Co-Enzym Q10 Pulver und von Sunday das Kaneka Ubiquinol in Kapseln. Ich hatte in einem Podcast gehört, dass Christina Wesseling gerade bei pX Pferden Erfolg mit Q10 hatte. Und da sie ja die WES Reihe von Hippolyt entwickelt hatte, lag es nahe, hier das Q10 zu bestellen. Hier sind  165 mg Ubiquinon in 3ml enthalten, macht 55 mg/ml. Angaben zur Anwendung beim Pferd gibt es nicht, weil das Produkt angeblich für den Humanbereich wäre, da sollen 3 ml/100 kg verabreicht werden. Wenn man in den Gruppen auf Facebook schaut, geben die Leuten ihren Pferden zwischen 10-20 ml vor einem Training oder Turnier, aber nicht täglich. Ich habe es bei Raini täglich gegeben und bin daher eher so im Bereicht zwischen 5-10 ml geblieben und dies ca. 1h vorm Training verabreicht. 15 ml waren auch noch ok, so dass ich bei anstrengenden Trainings (Unterricht z.B.) 15 ml gegeben habe und sonst 10. 20 ml habe ich einmal probiert, da war Raini dann aber echt auf 180 und sehr Umweltorientiert. Was habe ich bemerkt. Also gerade bei 10-15 (550-825 mg) ml war Raini etwas schneller locker aber es war jetzt nicht der mega große Unterschied. Ich wollte es aber weiter probieren, gerade im Winter, wenn die kalten Tage kommen. Dann gab es aber Lieferschwierigkeiten und daher bin ich erst auf das Q10 von Bulk gestoßen. Ebenfalls Ubiquinon. Das Pulver beinhaltet nahezu 100% reines Q10, heißt 1g Pulver sind 1g Q10. Hier füttere ich ca. 500 mg 1 h vor der Bewegung, bei etwas anstrengenderen Arbeit auch schon mal 1g. Und hier war der Unterschied echt deutlich zu merken, insbesondere in seinem Verhalten. Er ist einfach vom mentalen her sehr viel besser drauf. Man muss dazu sagen, dass Raini ein mehr in sich gekehrtes, zurückhaltendes Pferd im Umgang mit dem Menschen ist, er ist wie ein Autist und das ist ja auch, was man über pX Pferde sagt. Aber auf einmal wurde er offener und fragte mehr nach Leckerli und Krauleinheiten, zeigt einem, wo genau man Kraulen soll und teilweise hab ich auch den Eindruck, dass er mich ärgern will, indem er z.B. immer wieder Sachen runter schmeißt, die ich gerade aufgehoben habe. Er geht nun auch zu ihm "unbekannten" Menschen und will gekrault werden, das hat er früher nie getan. Im Training ist er konzentrierter und hat deutlich mehr Energie. Ich musste ihn früher immer viel animieren Vorwärts zu gehen und brauchte deutlich mehr Hilfen als jetzt. Er läuft auch lockerer bzw. zufriedener. Bis auf ein paar wenige Tage wo es wirklich sehr kalt war, hatte Raini kaum mehr Probleme mit seiner linken Hinterhand. Trotzdem wollte ich doch mal schauen, ob es einen Unterschied mit Ubiquinol gibt. Daher habe ich noch die Sunday Kapseln bestellt. Hier sind  30 mg Ubiquinol pro Kapsel drin. Weil Raini das Ubiquinon so gut tat, wollte ich dieses nicht ganz weglassen, davor hatte ich im Winter zu viel Schiss. Aber ich habe es bei 500 mg belassen, auch bei anstrengenden Tagen und gebe nun zusätzlich nach dem Training 3 Kapseln Ubiquinol. Die frisst er auch ohne Probleme mit. Ich muss sagen, dass man nicht den großen Unterschied bemerkt hat, weil er eh schon gut war. Aber die besten Reitstunden und den größten Fortschritt beim Beritt hatte er seitdem er noch das Ubiquinol bekommt. Ich kann jetzt natürlich nicht sagen, ob das an dem Ubiquinol oder an der Verabreichung in der Kapsel liegt. Daher habe ich jetzt noch Ubiquinon bei Sunday bestellt, da sind 200 mg pro Kapsel drin. Danach werde ich, wenn es wieder wärmer ist, schauen auf was ich das Q10 reduzieren kann und noch ein lockeres Pferd habe, ob besser vor dem Training im Futter oder danach. Was ich jetzt weiß ist, dass Q10 zumindest dem Rain man gut tut, warum und wie das Q10 dabei jetzt wirkt, weiß ich nicht. Ich denke, das muss jeder mit seinem Pferd selbst einmal ausprobieren. Ich glaube aber, dass es nicht unbedingt Ubiquinol sein muss wie es immer suggeriert wird, im Humanbereich zeigen die Studien eine ebenso hohe Wirksamkeit bei Ubiquinon. Ich überlege nun, ob wir nicht auch mal schauen, ob der Fabi nicht auch etwas Q10 gut tun würde und ich werde es auch einmal selbst nehmen.


Literatur:

- Turunen et al.; Metabolism and function of Coenzym Q;  Biochimica et Biophisica Acta 1660 (2004):     171-199

- Tomasetti et al.; In vivo supplementation with Coenzym Q10 enhances the recovery of human lymphocytes from oxidative DNA damage; FASEB J. 15 (2001):1425-1427

- Ravaglia et al.; Effekt of micronutritient status on natural killer cell immune function in healthy free-living subjects aged >90 y. Am. J. Clin. Nutr. 71 (2000): 590-598

- Hodgson et al.; Coenzyme Q10 improves blood pressure and glycaemic control: a conttrolled clinical trial in subjects with type 2 diabetes; Eur. J. Clin. Nutr. 56 (2002): 1137-1142

- Fladerer and Grollitsch; Comparision of Coenzyme Q10 (Ubiquinone) and reduced Coenzyme Q10 (Ubiquinol) as supplement to prevent Cardiovascular Disease and reduce Cardiovascular Mortality; Curr Cardiol Rep (2023)

- Qu et al.; Effects of Coenzyme Q10 on Statin-Induced Myopathy: An Updated Meta-Analysis of randomized controlled trials; J Am Heart Ass 7 (2018).

Freitag, 22. September 2023

Kräuter

Ich bin ein Fan von Kräutern, weil Pferde diese in der Natur auch fressen und die meisten wissen was ihnen gut tut. Rain man frisst im Frühling z.B. sehr gerne Birke, im Sommer aber dann nicht mehr. Sehr gerne frisst er auch Beifuß oder Löwenzahn, was beides seinem Stoffwechsel sehr gut tut. Fabi mag sehr gerne Disteln. Wir haben für die verschiedensten Dinge Kräuter probiert und werden hier die Erfahrungen beschreiben, die wir mit den Kräutern gemacht haben:

Anis

Anis kann bei Magen-Darm-Beschwerden helfen weil es entkrampfend ist und die Weiterleitung von Gasen fördert. Wir setzen es bei Raini gerne in Verbindung mit Fenchel und Kümmel gegen Blähungen ein. Des Weiteren kann Anis auch bei Husten eingesetzt werden, da es Schleim Verdünnt und das Abhusten von Schleim erleichtert. Man kann Anis bei chronischen sowie akutem Husten einsetzen, sollte es aber nicht an Heuallergiker verfüttern. Auch tragenden Stuten sollte man kein Anis geben.

Beifuß

Beifuß frisst Rain man sehr gerne und das macht er vor allem dann, wenn er wieder Kotwasser hat. Und da hilft Beifuß definitiv. Beifuß regt die Bildung von Verdauungssäften an und unterstützt so Magen und Darm. Wir füttern es immer mal beiden Pferden weil es eben gut bei Magen - und Darmproblemen ist und es wirkt sich auch positiv auf Hormonstörungen aus. 

Birke:

Birke verwenden wir gerne zum Entgiften bzw. zum Behandeln der Niere, sie kann auch bei Harnwegsproblemen eingesetzt werden. Die Birke entwässert das Gewebe ohne die Niere zu belasten, sie ist aber in ihrer entwässernden Wirkung weniger stark als Brennnessel z.B., daher verwenden wir gerade wenn es warm ist lieber die Birke um zu verhindern, dass das Pferd zu wenig Flüssigkeit im Organismus hat. Raini hat seit einer Vergiftung mit JKK immer wieder Probleme mit der Leber. Bevor man jedoch eine Leberkur macht, sollte man vorher einmal die Niere entgiften. Daher machen wir meist erst eine Nierenkur und geben dann parallel zur Leberkur nochmal Birke dazu. 

Brennnesseln

Die Brennnesseln regen den Stoffwechsel und die Durchblutung an. Sie haben außerdem harntreibende und blutreinigende Eigenschaften. Daher wird die Brennnessel insbesondere bei Stoffwechselbeschwerde wie Allergien oder Juckreiz eingesetzt, Hufrehe, Nieren oder Harnwegsproblemen aber auch Arthritis,, Arthrose oder Rheuma. Wenn Brennnessel verabreicht wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Pferd genug trinkt, insbesondere auch im Sommer. Der Hautfaltentest kann ein Anhaltspunkt über den Flüssigkeitshaushalt des Pferdes geben.  

Fenchel

Fenchel setzen wir aus zwei Gründen ein: Bei Husten oder bei Verdauungsproblemen wie Blähungen und Koliken sowie Kotwasser. Raini liebt auch die Fenchel Frucht und bekommt diese immer mal wieder so als Leckerli.

Frauenmantel

Frauenmantel wird sowohl bei Verdauungsstörungen, Wundheilung aber auch bei Muskelerkrankungen eingesetzt. Außerdem wirkt er regulierend auf den Hormonhaushalt von Stuten. Daher haben wir die Kräuter sowohl bei Raini im Winter eingesetzt, wenn er schon mal Kotwasser bekommt bzw. auch durch die Kälte eher zu PSSM2 bedingten Muskelverspannungen neigt. Bei Fabi setzen wir es gerne vor und während der ersten Rosse ein, die bei Ihr gerne mal etwas heftiger ausfällt. Durch die Wundheilende Wirkung hilft es auch bei Mauke.

Löwenzahn

Löwenzahn gehört zu den Bitterkräutern und wirkt entgiftend, blutreinigend und wirkt auch harntreibend. Wegen dieser Eigenschaften wird Löwenzahn bei Stoffwechselproblemen, Leberproblemen und auch rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Rain man frisst sehr gerne Löwenzahn. Allgemein frisst er wohl gerne Kräuter, die den Stoffwechsel anregen und entgiften bzw Leber fördern. 

Kümmel

Kümmel setzen wir gerne in Verbindung mit Anis und Fenchel gegen Blähungen ein. Man kann es auch zur Unterstützung beim Anrasen oder der Futterumstellung verwenden. 

Mädesüß:

Mädesüß hat vergleichbare Eigenschaften wie die Weidenrinde und daher werden beide gerne zusammen eingesetzt. Beide beinhalten Salicylsäure-Komponenten und werden daher auch als das Aspirin unter den Kräutern beschrieben. Als solche haben beide Kräuter entzündungshemmende und schmerzstillende und fiebersenkende Eigenschaften. Daher werden beide Kräuter oft bei entzündlichen und schmerzhaften V Erkrankungen eingesetzt wie Arthrose zum Beispiel. Sie helfen aber auch bei Muskelverspannung sowohl innerlich als auch äußerlich. Äußerlich hilft es auch gegen verstopfte Talgdrüsen, die hat Rain man auch gerne mal. Beide Kräuter beinhalten aber auch Gerb- und Schleimstoffe und können dadurch auch bei Magenbeschwerden eingesetzt werden.

Wir haben Mädesüß zusammen mit Weidenrinde und Teufelskralle bei einem PSSM2 Schub von Rain man im Winter eingesetzt. 

Majoran:

Auch Majoran fördert die Bildung von Verdauenssekreten und unterstützt damit Magen- und Darm Funktion. Es hat außerdem krampflösende sowie entzündungshemmende Wirkung. Die im Majoran enthaltenden etherischen Öle können außerdem Atemwegsbeschwerden lindern. Wir haben Majoran hauptsächlich in der Zeit eingesetzt als Raini Koliken hatte und ebenso auch bei Fabi. 

Mariendistel

Ich denke Mariendistel kennen alle als die Leberkräuter. Das in der Mariendistel enthaltende Silymarin kräftigt und regeneriert die Leber. Bei der Mariendistel lohnt es sich bei den unterschiedlichen Anbietern mal die Konzentration an Silymarin zu checken falls möglich. Je höher diese ist, desto wirksamer ist die Mischung. Mariendistel beinhaltet aber auch Öle und Schleimstoffe, die die Verdauung anregen. Die Mariendistel wird also hauptsächlich bei Leberproblemen bzw. zur Entgiftung eingesetzt aber auch bei anderen Stoffwechselstörungen, bei Untergewicht und Appetitlosigkeit. Wenn man die Leber entgiften möchte, sollte man aber auch an die Niere denken und sie am besten vor der Leberentgiftung einmal mit z.B. Brennnessel oder Birke entgiften. 

Schafgarbe

Dieses Kraut isst Rain man mal und mal isst er es nicht. Schafgarbe hat eine sehr breite Wirkung und wird eingesetzt bei Verdauungsbeschwerden,  Stoffwechselbeschwerden, Durchblutungsbeschwerden, Gelenkproblemen wie Rheuma, Atemwegsbeschwerden und zur Blutreinigung bzw. Entgiftung sowie gegen Fieder. Wir haben es bei beiden Pferden bei Stoffwechselproblemen wie Kotwasser und Koliken eingesetzt.


Teufelskralle

Die Teufelskralle ist eine Heilpflanze mit Schmerz- und entzündungshemmenden Wirkung. Sie wird beim Pferd oft bei Arthrose oder Hufrollenerkrankungen eingesetzt. Bei Fabi setzen wir die Teufelskralle wegen der IMMK ein auf Grund der entzündungshemmenden Wirkung. Bei längeren Anwendung der Teufelskralle sollte man jedoch unbedingt ein Extrakt einsetzen, da hier die Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden geringer sind. 

Weidenrinde

siehe Mädesüß.



Donnerstag, 21. September 2023

Pferdefutter

Über das Futter von Pferden kann man ja bekanntlich ganze Bücher schreiben :-) Ich habe mit beiden Pferden gelernt, dass man mit Futter viel falsch machen kann aber auch vieles richtig machen kann und PSSM2 z.B. managen kann. Bei unserer Stute machen wir auch einiges mit dem Futter um einen weiteren IMMK Schub zu verhindern, ob das jetzt wirklich etwas bringt, wissen wir natürlich nicht ohne Kontrollgruppe aber bisher hatte sie keinen weiteren Schub, Bei PSSM2 ist das schon deutlicher, Raini geht es sehr viel besser seit der Futterumstellung und er reagiert auch sehr empfindlich wie z.B. mit Kotwasser oder mit Hautproblemen auf verschiedene Dinge die er nicht verträgt wie z.B. Soja. 

Ich werde hier auf dem Blog einiges beschreiben, was wir in der Zeit für Erfahrung gemacht haben. Das was ich schreibe ist natürlich spezifisch für unsere Pferde und da Pferde alle unterschiedlich sind, ist das nicht allgemeingültig. Aber da man gerade bei PSSM2, IMMK und anderen Dingen immer experimentieren muss, hilft vielleicht unsere Erfahrung auch anderen Pferdebesitzern. Ich möchte hier auch noch erwähnen, dass die Futtermittel, die ich hier erwähne alle von uns getestet wurden und die zahlen wir auch alle selbst, das ist keine Werbung.

Hier werde ich alle Links zu den einzelnen Beiträgen die ich zu Futter gemacht habe:


Samstag, 26. August 2023

PSSM2 - und nun?

Ich denke für die meisten wird die Diagnose ein Schock sein, auch wenn man es vielleicht schon vermutet hat, für mich war es einer. Vielleicht fühlt auch der ein oder andere eine Erleichterung weil es eine Erklärung ist und vielleicht das Ende einer langen Diagnostik Odyssee.  Und die Diagnose ist erst der Anfang. Eine Heilung gibt es nicht für eine Erkrankung die durch Genmutation entstanden ist, man kann eventuell die Symptome lindern. Ein PSSM2 Pferd wird immer ein PSSM2 Pferd bleiben. Aber das heißt auch: Es ist noch immer das gleiche Pferd wie vor der Diagnose, das Pferd was wir einmal ausgesucht haben.

Ich weiß, dass jeder Träume oder Wünsche hat, wenn man sich ein Pferd kauft. Sei es die Teilnahme an Turnieren, Lehrgängen, Teilnahme an einem Distanzritt oder eventuell mal ein Fohlen aus der Stute ziehen usw. Niemand kauft sich ein Pferd mit dem Traum ein krankes Pferd zu haben mit dem man einen langen Reha Prozess starten muss um es danach eventuell wieder richtig reiten zu können. Die Diagnose zieht also immer Enttäuschung mit Sich. Meiner Meinung nach sollte man als aller erstes seine Träume begraben. Ja, das klingt hart, aber es ist unheimlich wichtig für die Beziehung mit dem Pferd und dadurch auch dem Erfolg des weiteren weg. Das heißt nicht, dass es nicht vielleicht doch irgendwann mal möglich sein wird dass der Traum doch wahr wird, aber erst einmal steht er nur im Weg. Denn wenn man mit bestimmten Erwartungen und Bildern im Kopf zu seinem Pferd fährt und dieses es nicht im geringsten erfüllen kann, wird es nur enttäuschen und frustrierend, für beide. Das Pferd kann am aller wenigsten etwas für die Situation. Das wichtigste Ziel sollte es erst einmal sein die Situation für das Pferd zu verbessern und man sollte sich hier über jedes kleinste Verbesserung freuen. Das Pferd braucht uns voll und ganz fokussiert auf seine Gesundheit. Uns hat es sehr geholfen erst einmal mit gar keiner Erwartung an das Training zu gehen. Die Beziehung zu Raini hat sich sehr verändert als er realisiert hat, dass ich mich einfach über die gemeinsame Zeit freue und ich nicht mehr von ihm fordere als er mir in der Situation geben kann. Ich denke gerade einem PXler gibt das Sicherheit. PSSM2 hat einiges an meiner Sicht auf Pferde und Reiten komplett geändert. Pferde besitzen ist so viel mehr als nur Reiten. Selbst wenn Raini eine richtig gute Phase hat, arbeite ich oft lieber mit ihm vom Boden als zu reiten oder gehe spazieren an statt auszureiten. 

Und es werden sicherlich auch mal die Gedanken kommen wie oft man vielleicht dem Pferd unrecht getan hat und sich über das Pferd geärgert hat, weil es einen "verarscht" oder es nicht will bzw. keine Lust hat, obwohl es einfach nicht konnte. Aber auch diese Gedanken muss man auf Seite schieben, es wird dem Pferd nicht helfen. 



Montag, 21. August 2023

PSSM 2 konformes Training - Das Aufwärmen

Für ein PSSM2 Pferd wie Rain man ist das Aufwärmen vorm Training sehr wichtig. Natürlich bewegt er sich im Offenstall viel, aber das ist nicht ausreichend damit die Muskulatur locker und warm wird. Wir haben nicht die Aufwärmmethode die immer angewendet wird und dann auch immer funktioniert, wir variieren das, je nachdem was Raini braucht. Aber es gibt ein paar Dinge, die wir immer machen. 

Wenn ich Raini geputzt habe oder auch während dem Putzen, streiche ich auch immer schon seine Muskulatur an der Kruppe und Hinterhand aus. Dann massiere ich auch noch leicht. Oft nehme ich das Novafon dazu. Das mag er und oft verlangt er auch, dass ich noch weiter mache, wenn ich aufhöre. 

Beim Auskratzen der Hufe dehne ich etwas seine Muskeln indem ich den Huf auf die andere Seite, also überkreuz, abstelle.

Dann mache ich Kauübungen auf beiden Seiten. Dabei lege ich den Finger unter die Zunge und animiere ihn zum Kauen, er schiebt dann erst die Zunge vor und zurück und wenn er anfängt die Zunge zu drehen, dann höre ich auf. Das lockert das Zungenbein. 

Wir fangen immer am Boden an, mindestens 10-15 min, egal was wir für ein Training haben. Dabei machen wir meist Seitengänge wie Schulter- und Kruppeherein und dann versuche ich auch schon etwas den Schwerpunkt nach hinten zu verlagern. Je nachdem mache ich dann auch schon ein paar Schritt-Trab Übergänge. Nur wenn er dabei locker wird, setze ich mich dann auch drauf, sonst nicht. Wichtig ist, dass das Pferd in dieser Phase schon arbeitet, vor allem auch mit seiner Konzentration, von der ein Pferd ja eh nicht so viel hat. Daher Arbeite ich danach wirklich nicht so viel, eher so 15-20 min, ganz selten mal 30 min. Ich weiß, dass das gerade bei einem PSSM2 Pferd oft schwer ist, weil es so lange dauert bis dieses warm ist. Aber man macht die Pferde auch einfach mürbe wenn man zu lange mit ihnen arbeitet. Dann muss man wirklich lange Pausen einbauen in denen das Pferd auch mal abschalten kann. 

Wir haben noch einige andere Dinge, die wir auch immer wieder im Wechsel einsetzen wie das Bemer Horse Set, das Novafon, Balance Pads und machen auch schon mal ein paar Emmett Griffe. All diese Dinge machen wir aber eben nicht täglich. Ich werde sie in einem getrennten Beitrag beschreiben.

Natürlich ist auch die Cool down Phase wichtig, da gehen wir aber meist einfach Schritt oder etwas spazieren oder machen ein klein wenig Line free.


*Dieser Post enthält Werbung, da ich die genaue Bezeichnung und die Herstellernamen der Futter benenne*

Samstag, 15. Juli 2023

Warum Akademische Bodenarbeit

Warum gerade die akademische Bodenarbeit nach Branderup? Ich selbst habe beim Neustart mit Rain man gemerkt, dass wir eine viel bessere Verbindung am Boden hatten und wir dort viel besser miteinander kommunizieren konnten. Er reagierte so fein auf alle meine kleinsten Hilfen und war immer super konzentriert und gab auch immer 100%. Daher wollten wir ihm die Basis erst am Boden erklären. Was mir bei den Akademikern besonders gut gefällt ist, dass die Bodenarbeit keine Nebensache ist, sondern mindestens so wichtig wie das Reiten selbst. Marius Schneider hat mit Aramis mindestens ein Pferd, dass er gar nicht reitet, sondern nur am Boden arbeitet und der kann die hohen Lektionen alle. Außerdem haben die Akademiker einen Fokus auf die Gesunderhaltung des Pferdes, es muss erst eine Tragkraft entwickelt werden, bevor man sich drauf setzt, das Pferd wird durch die Lektionen und Aufgaben mehr und mehr darin geschult, seine Kraft aus der Hinterhand zu nehmen, an statt sich mit der Schulter zu ziehen. Es wird immer nach der Balance gesucht, im Pferd und auch zwischen Pferd und Mensch. Die Lektionen sollen nicht spektakulär aussehen, wie bei den Traversalen die man so oft im TV sieht, sondern sie sollen die Gelenke schonen. Es wird alles in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum aufgebaut, so wie es zu dem Paar passt. Dass man alles erst im Schritt oder gar im Stand ausprobiert, hat uns sehr geholfen, insbesondere auch in den schwierigen Phasen, im Winter oder in einem Schub. Das Pferd wir in alle Aufgaben mit einbezogen und nach Lösungsvorschlägen befragt, es macht nie einen Fehler. Insbesondere das passte gut zu uns, wo Rain man doch ein kleiner Perfektionist ist. 

Wir haben also erst einmal am Boden angefangen und Rain man erst einmal versucht gerade zu bekommen so dass er auf einer Bahn läuft. Das erscheint vielleicht erst einmal komisch, aber Rain man war anfangs nicht in der Lage einen Huf vor den anderen zu setzen. Er klebte mit der äußeren Schulter oft an der Bande und driftete mit der inneren Hinterhand gerne mal in die Bahn. Generell haben wir erst einmal geübt, Vorhand und Hinterhand gezielt anzusprechen und ihm die Hilfen erklärt (innerer & äußerer Schenkel & Zügel). Wir haben das Ganze erst einmal im Stand geübt und dann im Schritt. Man muss hier erwähnen, dass Raini eher hypermobil ist, im Stehen kann er sich wie eine Schlange hin und her bewegen. Da muss man wirklich aufpassen, Hilfen nur minimal zu geben und auch bei Korrekturen sehr vorsichtig zu sein. Wie haben uns da aber mit der Zeit gut aufeinander abgestimmt. Bei ihm war auch immer das Lösen ein Thema. Wir haben hier erst einmal versucht ihn in der Tiefe zu arbeiten, natürlich immer vor der Senkrechten. Später haben wir das Ganze dann wieder hoch korrigiert. 




Ich weiß dass man sich, wenn man akademisch arbeitet, immer fragt, ob man überhaupt irgendwann ans Ziel kommt, wenn man wochenlang nur im Stand/Schritt an Kleinigkeiten arbeitet. Aber es ist erstaunlich was für Fortschritte man irgendwann erreicht, ohne es zu merken. Wir haben während eines Schubs mit Rain mal 3 Monate lang nur im Schritt und im Stand gearbeitet und als dann mal die Osteo da war, ist er auf einmal so schön galoppiert wie nie zuvor, richtig Bergauf und versammelt. Man muss da ein wenig Vertrauen in die Arbeit haben. Sie heißt nicht umsonst Kunst. Man muss es sich wirklich zeitaufwendig erarbeiten und kann es nicht schnell schnell machen.

Das erstaunlichste ist aber, dass wir Rain man mit dieser Arbeit nicht nur für die Arbeit unter dem Reiter vorbereitet haben. Seitdem wir akademisch Arbeiten wird dieses Pferd auf einmal ein richtiges Pferd. Er richtet sich auf und schreitet richtig stolz und das nimmt er mit in die Herde. Mehr und mehr ist er im Rang aufgestiegen und ist nun einer der Chefs. Er geht auch jetzt in der Herde gerade und schlurft nicht mehr, das ein oder andere Mal habe ich ihn auch schon den spanischen Schritt gesehen, als er einen andern Wallach imponieren wollte. Und auch dem Menschen gegenüber ist er aufgetaut, er hat einfach sehr viel Selbstbewusstsein bekommen. Und wir sind nicht die einzigen denen es so ergeht. 

Wir arbeiten inzwischen auch mit Fabi akademisch und gerade einem jungen Pferd, das noch nicht ausgewachsen ist, hilft diese sanfte, pferdefreundliche Ausbildungsweise enorm. Man hat nicht in einem Jahr ein Pferd mit dem man eine L-Dressur gewinnt, aber man hat so eher lange etwas von seinem Pferd.